Pook (Familie)
(1) Carl (getauft als Georg Karl Christian) * Rödelheim (heute Stadtteil von Frankfurt/M.) 27. Febr. 1847| † Frankfurt/M. 8. Febr. 1892; Kaufmann, Wirt, Sänger, Chorleiter
(2) Wilhelm * Hanau 12. Sept. 1877 | † Hamburg 3. Febr. 1955; Sohn von (1), Kaufmann, Komponist, Musiklehrer
(1) Über eine musikalische Ausbildung Carl Pooks war bisher nichts zu ermitteln. Seine Eltern waren der Handelsmann Georg Carl Christian Pook und Margarethe Louise geb. Buchhold. Die 1865 als Witwe bezeichnete Mutter reichte in jenem Jahr ein Gesuch um Erlaubnis zur Verlegung ihrer Fabrik für Liköre und Essenzen von Rödelheim nach Frankfurt ein. Am 1. Sept. 1871 heiratete Carl Pook (als bis dahin in Friedberg ansässiger Kaufmann) in Frankfurt/M. die Garnhändlerstochter Margaretha Catharine Bauer (* Frankfurt/M. 25. Sept. 1848); die Ehe wurde 1876 geschieden. Aus der zweiten Ehe mit Margarethe geb. Kling ging der Sohn Wilhelm (2) hervor. Seit den 1880er Jahren war Carl Pook Leiter zahlreicher Frankfurter Chöre, offenbar allerdings zum Teil nur recht kurzzeitig; nachzuweisen sind: Männer-Quartett (1880–1890), Neuer Arion (1880), Concordia (1883–1884), Alemannia (1886–1887), Quartett Union (1891–1892) und Gesangverein Liederkranz in Rödelheim (ab 1890; Pook war wohl Gründungsdirigent). Nicht unerwähnt darf dabei bleiben, dass er sich hauptberuflich als Kaufmann und Wirt betätigte. Eine 1885 angezeigte „Wirthschafts-Eröffnung“ weist nicht nur auf das ausgeschenkte Binding-Bier und den „Prima Aepfelwein“ hin, sondern erwähnt auch den „hübsche[n] Sängersaal mit Mozart-Flügel und Notenauswahl“ (s. Abbildung – der „Mozart-Flügel“ stammte zweifellos aus der Produktion von Carl August André). Die Wirtschaft zum „Einhorn“ in der Klostergasse 34/36 wurde dann – es mag kaum überraschen – zum Vereinslokal des von Pook geführten Gesangvereins Alemannia. Allerdings wechselte Pook als „Wirth und Sänger“ bereits im Sept. 1886 ins Lokal zum „Grünen Wald“ in der Allerheiligenstr. 26b. Auch hier stand ein „schöner Saal mit Flügel für Vereinsfestlichkeiten“ zu Verfügung.
Quellen — KB Rödelheim; Heirats- und Sterberegister Frankfurt/M. <> Adressbücher Frankfurt/M. <> Frankfurter Latern 8. Aug. 1885, 11. Sept. 1886 (Beilage) <> Gesuch von Margaretha Louise geb. Buchhold; D-Fsa (H.02.16, 858-3)
Abbildung: Anzeige Pooks, in: Frankfurter Latern 8. Aug. 1885
(2) Von 1889 bis 1891 studierte Wilhelm Pook laut MüllerDML am Raff-Konservatorium in Frankfurt/M. (in den Jahresberichten ist er nicht aufgeführt) und von 1894 bis 1896 an der Akademie der Tonkunst in Darmstadt. Am 7. Juli 1903 heiratete er als in Frankfurt/M. (Odenwaldstr. 12) ansässiger Kaufmann die Postschaffnerstochter Margarete Eva Anna Geisel (* Bergen 1876). Diese Ehe wurde im April 1912 geschieden. Im gleichen Monat heiratete Pook in Altona die in Hamburg geborene Karoline Käthchen Hamm (1891–1952), aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Laut MüllerDML arbeitete Pook zunächst als Privatlehrer für Klavier, Theorie und Gesang und war von 1919 bis 1921 Friedhofsorganist in Hamburg. 1927 übernahm er die Chorführerschaft des Arbeitersängerbundes Gau Hamburg, die er bis mindestens 1931 innehatte. So sind Konzerte in Langenhorn (1927) und Finkenwerder (1928) nachweisbar. 1930 wurde Pook staatlich geprüfter Musiklehrer für Chorgesang (Hamburgischer Correspondent, 12. Sept. 1930). 1936 finden sich in der Presse Ankündigungen für die Wilhelm-Pook-Chöre Freundschaft (Veddel) und Fidel (St. Pauli) für einen Frühlingsball.
Werke — Die bei MüllerDML gelisteten Manuskripte sind verschollen, die im HMT genannte Schrift „Chorpraxis. 1000 Fragen und Antworten für chor. Grund- und Fortbildung“ ist bisher nicht nachweisbar <> Drei Lieder (Mch.; 1. Es treibt mich hin, 2. Liebeständelei, 3. Reich des Gesanges), Frankfurt: Henkel (A. Stamm) [1908]; D-B
Quellen und Referenzwerke — Heiratsregister Frankfurt/M. und Hamburg <> Telefonbuch Hamburg 1937 <> Akten im Staatsarchiv Hamburg (351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 3284 und 13238) <> Jahresberichte Raff-Konservatorium <> MüllerDML; KürschnerDMK; EwensL; HMT <> MMB <> Hamburgischer Correspondent, 12. Sept. 1930; Hamburger Echo, 2. Juni 1927, 10. Nov. 1927, 18. Aug. 1931; Wilhelmsburger Zeitung, 23. Apr. 1936
Martin Bierwisch