PFAFF, HEINRICH * Bierstadt (Wiesbaden) 31. Dez. 1880 | † Freiburg i. Br. 23. Nov. 1959 (nicht 1960); Sänger (Bariton), Pädagoge, Organist, Komponist

Heinrich Pfaff entstammte einer seit mehreren Generationen in Kaub am Rhein ansässigen Familie, für die eine unmittelbare verwandtschaftliche Verbindung zu den Instrumentenbauern →Pfaff nicht nachweisbar ist. Sein Vater Wilhelm, Sohn eines Bäckers, war dort als Küfer und Gastwirt tätig, die Eltern seiner Mutter Luise, einer geborenen Bierbrauer, waren – der Name lässt es schon erahnen – ebenfalls im gastwirtschaftlichen Bereich tätig. Es verwundert daher kaum, dass der junge Heinrich 1895 in Bingen zunächst eine Ausbildung zum Hotelier begann und sich erst später musikalischen Studien widmete, möglicherweise bereits ab 1898; nachzuweisen ist das jedoch nicht. Nicht minder unsicher sind Angaben, wonach Pfaff am Konservatorium Basel (1901–1902) und in Mailand (1902–1903, bei Edgardo Codazzi) studiert haben soll. Erst mit dem Eintritt ins Hoch’sche Konservatorium betreten wir einigermaßen sicheren Boden: Die Jahresberichte belegen für die Schuljahre 1902/03 (Pfaff war hier angeblich bereits im 3. Semester!) bis 1904/05 Studien bei Iwan Knorr (Kontrapunkt) und Eduard Bellwidt (Gesang).

Im Jahr 1904 trat Pfaff in Frankfurt/M. erstmals an die Öffentlichkeit, und zwar zunächst als Sänger einer Bach-Kantate am 28. Jan., dann mit klavierbegleiteten Liedern in mehreren Vortragsabenden am Konservatorium (4. Febr., 24. März, 9. Mai und 10. Nov.). Es folgte um 1907 eine Anstellung als Lehrer für Gesang und Kirchenmusik am Konservatorium in Mainz. Nach Zwischenstationen in Straßburg (1909, Konzertsänger und Privatlehrer) und Lahr in Baden (1909/10, Leiter des Singvereins, Organist) ließ er sich 1910 in Freiburg i. Br. nieder, wo er den Männergesangverein Concordia, die Bach-Vereinigung und den Pauluschor künstlerisch betreute sowie als Gesangslehrer und Sänger wirkte, ab 1913 mit dem Titel Musikdirektor; unterbrochen nur von einer kurzen Anstellung als Kapellmeister am Deutschen Theater in Riga (Saison 1917–1918) lebte er hier bis 1933. Im Sommer 1932 dirigierte er in Wiesbaden den ersten der neu ins Leben gerufenen Musikabende des Kampfbundes für deutsche Kultur, sodann auch die Konzerte, die während der Westdeutschen Tagung derselben Organisation in Darmstadt stattfanden.

Im Sommer 1933 wurde Pfaff zum Intendanten des Stadttheaters im fränkischen Bamberg „gewählt“ (Die Musik Juli 1933), das er als Pächter betrieb. Zugleich war er als Kapellmeister tätig; in dieser Funktion dirigierte er am 5. Nov. 1933 die postume Uraufführung von E. T. A. Hoffmanns Oper Aurora (entst. 1811/12). Bereits 1934 musste er seine Aktivitäten aufgeben – vermutlich wegen finanzieller Probleme – und zog über Kulmbach und Butschbach (Gemeinde Oberkirch, Baden) im Herbst 1936 nach Wiesbaden. Hier verzeichnet ihn das Adressbuch von 1938 als Intendant „im Ruhestand“, allerdings hatte er sich noch im Juli 1937 in Lahr als Organist an einem Wohltätigkeitskonzert beteiligt. In den ersten Kriegsjahren wurde Pfaff als Aushilfsangestellter im Amt für Wirtschaft und Ernährung bei der Wiesbadener Stadtverwaltung eingesetzt. Dann aber konnte er 1942 in sein eigentliches Metier zurückkehren und wurde, eingeschätzt als ein „Vertreter für deutschbewußte Musik“ (Brief des Direktors der Oberschule an der Oranienstraße Wagner an den Oberpräsidenten in Kassel, 23. Nov. 1942; zit. nach PriebergH), Musiklehrer an der Oberschule in der Oranienstraße. Diese Tätigkeit konnte er nach der Einnahme Wiesbadens durch US-amerikanische Truppen zunächst fortsetzen, bevor ihn die Militärregierung wegen seiner Vergangenheit als Mitglied der NSDAP (Eintritt am 1. Jan. 1931) im Mai 1945 entließ. Pfaff zog sich auf das im Familienbesitz befindliche, bei Oberkirch gelegene Gut Fürsteneck zurück. Sein letztes Lebensjahr verbrachte er in Freiburg.

WerkeKompositionen: Jery und Bätely, Singspiel (Goethe), 1907, UA Straßburg 1910 <> Der tote Gast, Komische Oper in 3 Akten, 1913–1918 (laut MüllerDML), UA Freiburg i. Br. 2. Jan. 1933 <> Die Schäfer, Spieloper, 1923 <> Prinz und Nachtwächter, Volksoper (Text von Otto Anthes), 1939; zur UA nach Mannheim geschickt, dort aber abgelehnt <> Trauer und Trost, Kantate, 1909, UA Lahr 1910 <> Verlassen (Mch.; „Von der Wanderschaft kam ich ins Dorf zurück“) op. 30, Freiburg i. Br.: Ruckmich 1913; D-B <> Gesänge an Gott (auch: Tagore-Lieder, Sst., Orch.), 1925, UA Berlin 25. März 1925 – vermutl. Teil dieser Sammlung: Gott ist gegenwärtig (Sst. bzw. beliebiges Solo-Instr., Org.), in: Organ plus one. Originalwerke und Bearbeitungen für Gottesdienst und Konzert, hrsg. von Carsten Klomp, Kassel u. a.: Bärenreiter 2011; D-FRu <> Tannenzapfe, Lieder in alemannischer Mundart (gem. Chor), Heidelberg: Hochstein [1929]; D-B <> Schrift: Volks-Musik-Erziehung. Denkschrift, dat. 19. Nov. 1942, auf dem Dienstweg der Reichspropagandaleitung übersandt; D-WIsta (Autograph)

Quellen — Personenstandsregister Bierstadt <> Personalakte (u. a. Personalfragebogen, Dokumente zur Anstellung in Wiesbaden, Verfügungen, Verträge; Details bei PriebergH); D-WIsta <> biographisches Material (u. a. Meldebogen, Korrespondenzen); D-KImi (Archiv Prieberg) <> Brief an Engelbert Humperdinck, Flörsheim 1909; D-F (s. Kalliope); Brief an Theodor Röhmeyer, Freiburg 12. Nov. 1913; D-B (s. Kalliope) <> NSDAP-Mitgliederkartei; Berlin, Bundesarchiv <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums 1903–1905 <> Adressbücher Straßburg 1909–1910 <> Adressbücher Freiburg i. Br. 1913–1914, 1920–1933 <> Erwähnungen in: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 3., 7. u. 8. Mai 1905, 9. Dez. 1910; Signale für die musikalische Welt 19. März 1924; ZfM Juli 1932, März, Apr., Aug. u. Dez. 1933, Dez. 1938 <> –es, Konzerte gelegentlich der Westdeutschen Tagung des „Kampfbundes für Deutsche Kultur“ in Darmstadt, in: ZfM Okt. 1932, S. 906 <> W. M., E. T. A. Hoffmanns „Aurora“ (Bericht über die UA in Bamberg), in: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 15. Nov. 1933 <> Nachrufe: Arthur Selb, Ein Leben für die Musik. Dem Gedenken von Heinrich Pfaff, in: Wiesbadener Leben Febr. 1981, S. 6; rs = Arthur Selb, Heinrich Pfaff zum Gedenken, in: Wiesbadener Tageblatt 2. Jan. 1981 <> HmL (Ergänzung 11, 1915)

Literatur — Jansa 1911 <> Altmann/Frank 131927 <> MüllerDML <> EwensL <> PriebergH <> NassB, S. 607, Nr. 3328 <> Art. Pfaff, Heinrich, in: Hessische Biografie (online, aufgerufen am 4. Mai 2026)

Abbildung: Heinrich Pfaff empfiehlt sich als Lehrkraft für die Musik-Ausbildung, in: Nassauer Volksblatt 19. Nov. 1940


Bernd Krause

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
  • pfaffh.txt
  • Zuletzt geändert: 2026/06/20 22:55
  • von kk
  • angelegt 2026/06/20 22:55