jeckel


(auch Jaeckel)

(1) Johann Christoph * Godetz (nicht Gondetz; heute poln. Chodecz) ca. 1731 | † Worms 16. März 1813; Orgel- und Klavierbauer

(2) Johann Christian * Worms 30. Jan. 1763 | † ebd. 4. März 1820; Klavierbauer


Johann Christoph Jeckel (1) arbeitete von 1740 (?) bis 1754 als Schreinergehilfe in Posen und war vermutlich seit den mittleren 1750er Jahren als Orgelbauer in der Werkstatt von Johann Georg Linck in Worms tätig, von 1763 bis 1767 in Frankfurt, vermutlich in der Werkstatt von Philipp Ernst Wegmann. In Erwartung des gemeinsamen Sohns Johann Christian (2) ersuchte die Witwe Lincks, Maria Salome geb. Fischer, am 10. Dez. 1762 beim Rat der Stadt Worms um Genehmigung einer Eheschließung in aller Stille mit Johann Christoph Jeckel. Dieser hatte bereits 1763 in Worms das Bürgerrecht beantragt, das er 1767 erhielt. Er vervollständigte 1763/64 den von Linck begonnenen Neubau in der Hochheimer Bergkirche, führte dessen Werkstatt fort und ist bei einer Reihe von Reparaturen zwischen Mainz (u. a. 1772 bei der Translozierung der Orgel in der Mainzer Franziskanerklosterkirche) und Worms nachweisbar, verlegte den Schwerpunkt allerdings auf den Klavierbau.

Christian Jeckel (2) baute gemeinsam mit seinem Vater Tafelklaviere, außerdem nachweislich einen Orgelneubau in Osthofen; seine Mitarbeit ist auch bei Reparaturen in Dirnstein und Westhofen verbürgt. Sechs zweifach besaitete, ungedämpfte Tafelklaviere mit Prellmechanik aus den Jahren 1779 bis 1790 sind erhalten; Jeckel bezeichnete seine frühen Tafelklaviere (bis 1784) als „Clavier“, die beiden späteren als „Bandlong“ – eine Verballhornung von „Pantalon“. Nach seinem Tod führte sein Schwiegersohn Hermann Völler (auch Voller, Föller; get. Angersbach bei Lauterbach 12. Jan. 1785, Eheschließung 1816 mit Jacobina Jeckel) die Firma fort, der noch 1839 bei Reparaturen in der Wormser Dreifaltigkeitskirche und der Martinskirche nachweisbar ist.

Werke — 1761 (Worms-) Hochheim, Bergkirche (ev.) (I/P/9), begonnen von Johann Georg Linck; 1910 durch ein Instrument von Förster & Nicolaus ersetzt, der Prospekt ist auch im Neubau der Firma Walcker (Ludwigsburg) von 1955 erhalten <> 1785 Lampertheim, Simultankirche <> 1787 Osthofen (ev.) (I/P/9); 1837 Umbau durch Landolt, 1917 Ersatz der Prospektpfeifen durch Zinkpfeifen, 1989 Restaurierung durch Förster & Nicolaus auf den Grundzustand unter Hinzufügung eines Subbaß 16’ und einer Pedalkoppel <> 1783 Clavier in der Yale Collection of Musical Instruments, New Haven (USA) <> 1785 Clavier im Händelhaus, Halle an der Saale <> 1785 Clavier im Kurpfälzischen Museum Heidelberg <> 1785 Clavier, fotografische Nachweise im Stadtarchiv Worms <> 1789 Bandlong in der Sammlung Eric Feller, Bad Harzburg <> 1790 Bandlong im Metropolitan Museum New York (USA).

Quellen — KB Angersbach; KB, Zivilstandsregister und Ehekundmachungen Worms

Literatur — Bösken 1967 <> Bösken 1975 <> Matthias Thömmes, Orgeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Trier 1981 <> Bonkhoff 1990 <> Friedrich W. Riedel, Der Orgelbau im Kurfürstentum Mainz, in: Beiträge zur Orgelgeschichte im ehemals kurrheinischen Reichskreis und in seinen Nachfolgestaaten, hrsg. von Friedrich W. Riedel, Mainz 1992 (= Die Orgel als sakrales Kunstwerk 1), S. 72–87 <> Fischer/Wohnhaas 1994 <> Hubert Henkel, Lexikon deutscher Klavierbauer, Frankfurt am Main 2000 <> Sabine K. Klaus, Forschungsgegenstand Tafelklavier, in: Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, hrsg. von Boje E. Hans Schmuhl, Michaelstein 2006, S. 19–34 (= Michaelsteiner Konferenzberichte 68) <> Michael Günther, Der frühe Tafelklavierbau im Gebiet des Mains und mittleren Rheins zwischen 1760 und 1790, ebd., S. 81–114 <> Hubert Henkel, Art. Jeckel, Jaeckel, in MGG2P (2008)

Abbildung: Tafelklavier [ca. 1790], New York, Metropolitan Museum (The Crosby Brown Collection of Musical Instruments, 1889); Fotografie ebd. (digital)


Birger Petersen

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  • Zuletzt geändert: 2022/05/21 20:50
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