jacobi


(1) (Johann) Gottfried (Dominik) * Mainz (?) ca. 1736 | † Mainz 14. Sept. 1773; Violinist

(2) (Johann) Conrad * Mainz 5. Juli 1762 (nicht 1756) | † Dessau 21. Juli 1811; Sohn von (1), Violinist


(1) Möglicherweise (aber vorläufig nicht belegbar) war Gottfried Jacobi der älteste Sohn des Mainzer Hofmusikers Paul J. († Mainz 9. Apr. 1743). Seit 1750 spielte er unentgeltlich im Hoforchester und erhielt im März 1755 erstmals eine Entlohnung, die 1757 aufgestockt wurde. Zur Unterstützung Johann Ignaz Schwachhofers rückte er 1768 zum Vizekonzertmeister auf, konnte aber aufgrund seines frühen Todes (als „expertissimus et primarius musicus aulicus et concertarum magister“) dessen ihm in Aussicht gestellte Nachfolge nicht antreten. Jacobis Tochter Maria Ursula Josepha Aloysia (1768–1816) war seit 1792 mit Johann Nepomuk Stiastny verheiratet.


(2) Seit 1782 ist Conrad Jacobi – zweifellos Schüler seines Vaters – als Substitut in der Mainzer Hofkapelle nachgewiesen. Obwohl er 1784 fest angestellt wurde, wirkte er als Geiger bzw. Musikdirektor auch in den in der Rhein- und Mainregion gastierenden Schauspielgesellschaften von Johann Heinrich Böhm und Friedrich Wilhelm Großmann mit. 1786 leitete Jacobi ein „wohlbesetztes Orchesters“ in Frankfurt, wo er bis 1795 – noch immer als kurmainzischer Hofmusikus (1793) bzw. zuletzt als einer der Entrepreneurs der Abonnementskonzerte – zuweilen auftrat. Außerdem gehörte er dem Orchester des 1788 gegründeten Mainzer Nationaltheaters an. 1794 schloss er sich der Theatertruppe von Friedrich Wilhelm Bossann an, die zuvor in Mainz und Kreuznach gastierte und nun am Hof zu Dessau über einen längeren Zeitraum hinweg engagiert wurde. Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm Rust (1796), der als städtischer und Hofkapellmeister auch die musikalische Leitung der Opernproduktionen übernommen hatte, wurde Jacobi zu seinem Nachfolger bestimmt.

Werke — Ballett mit Gesang Montgolfier oder die Luftkugel, aufgef. Wilhelmsbad (Hanau) 12. Sept. 1784 von der Böhmschen Gesellschaft, sowie Prolog mit Gesang Der Vorabend, aufgef. Dessau 9. Aug. 1794; beides verschollen <> Ernst Ludwig Gerber, der 1785 Auftritten Jacobis beiwohnte, spricht von „2 Violinconzerten, welche um 1782 in Mspt. bekannt geworden sind“, und vermutet in Jacobi ihren Verfasser; bei SchillingE (und im Anschluss daran bei Bernsdorf) werden hieraus „mehrere Concerte […], die, wo er sie öffentlich vortrug, den allgemeinsten Beifall fanden, und auch durch Abschriften sich weiter verbreitet haben“. Bei Mendel/Reissmann ist von „Concerte[n] und andere[n] Stücken für Violine“ die Rede, und EitnerQ schreibt ihm „Manches für sein Instrument“ zu. Die in RISMonline Conrad Jacobi zugewiesenen Werke für Fagott stammen aus der Feder des Coburger bzw. Göttinger Stadtmusikus und Fagottisten Carl Jacobi (1781–1852) und sind teils Abschriften von bei Simrock in Bonn seit 1826 erschienenen Ausgaben.


Quellen — KB Dessau (St. Marien), KB Mainz <> Kurmainzischer Hof- und Staats-Kalender 1769–1794 <> Frankfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten 11. Sept. 1784, 5. Sept. 1786, 4. März 1788, 30. Aug. 1791, 5. März 1793, 19. Dez. 1795 <> AmZ 26. März, 21. Aug. 1811 (Nekrolog)

Literatur — Wilhelm Köhler, Zur Geschichte des Dessauischen Hoftheaters und der Hofkapelle, Dessau 1846 <> Wilhelm Hosäus, Friedrich Wilhelm Rust und das Dessauer Musikleben 1766–1796, Dessau 1882 <> Schweickert 1937 <> Gottron 1959 <> GerberATL, SchillingE, Bernsdorf, Mendel/Reissmann, EitnerQ, StiegerO


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2022/05/20 09:48
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