hafgren


(1) (Johan) Erik (Jonsson) * Hudiksvall (Schweden) 1. März 1834 | † Berlin 25. Nov. 1913; Ehemann von (2), Vater von (3) und (4), Sänger

(2) Anna Maria geb. Malmgren * Norrköping (Schweden) 13. Dez. 1859 | † Berlin 25. Febr. 1931; 2. Ehefrau von (1), Mutter von (3) und (4), Sängerin

(3) Lill-Erik (Gustaf) * Stockholm 25. Mai 1881 | † ebd. 20. Juni 1959; Sohn von (1) und (2), Bruder von (4), Pianist, Musiklehrer, Dirigent, Komponist

(4) Lilly (Johanna Maria) * Stockholm 7. Okt. 1884 | † Berlin 27. Febr. 1965; Tochter von (1) und (2), Schwester von (3), Sängerin


Um die Mitte der 1880er Jahre brachen die Eheleute Hafgren ((1) und (2)) als „Schwedisches National-Sänger-Paar“ (so die Presse) zu einer Konzertreise auf, die u. a. nach Frankfurt/M. führte, wo sie sich im Februar 1886 im Saal des Zoologischen Gartens (und zwar in „Original-Bauern-Trachten“) mehrfach hören ließen. Nach weiteren Stationen, etwa in der Schweiz (März/Apr. sowie im Herbst 1886), verbrachten die Hafgrens (bzw. die Schwedische Sängergesellschaft Swea, der sicher auch bereits die Kinder angehörten) einige Zeit in München und reisten im Oktober 1892 erneut nach Frankfurt, da Erik ein Engagement an der Oper erhalten hatte; noch nach seiner Pensionierung (ca. 1896) lebten die Hafgrens – sicherlich um die Ausbildung und frühe Karriere ihrer Kinder zu fördern – weiterhin in der Mainmetropole. 1907 ließen sie sich scheiden, wohnten noch einige Zeit in Frankfurt, wo Anna Maria 1908 ein zweites Mal heiratete, und gingen (möglicherweise im Zusammenhang mit der Übersiedlung ihrer Tochter Lilly (3)) nach Berlin.


(3) Lill-Erik Hafgren, der bis dahin vielfach als Klavierbegleiter seiner jüngeren Schwester in Frankfurt aufgetreten war – 1901 etwa debütierte er „mit einem hübscherfundenen Liedchen“, das beide darboten, als Komponist –, gehörte seit 1903 dem Lehrkörper des Raff-Konservatoriums an, dessen Schüler er 1899 geworden war (Klavier bei Max Schwarz, Komposition bei Anton →Urspruch); gelegentlich leitete er zudem die Konzerte im Palmengarten. 1909 trat er die Nachfolge von Philipp Bade als Direktor des Konservatoriums in Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße) an und übernahm dort gleichfalls die Leitung des Oratorienvereins Liedertafel. Abgesehen von einer Verpflichtung als Generalmusikdirektor in Göteborg in den Jahren 1921 bis 1924 (zu dieser Zeit hatte er seinen Wohnsitz in Berlin) ging er beiden Tätigkeiten bis 1944 nach; anschließend lebte er in Stockholm. Hafgren schloss 1909 in Frankfurt die Ehe mit der Kaufmannstochter Lina Fanny Großmann (* Minden 1886 | † Neustadt an der Haardt 1940).

Werke — Der Teilnachlass in D-SPlb enthält neben einigen Druckausgaben Manuskripte (vielfach Autographe) zahlreicher Kompositionen (Lieder, Klavier- und Kammermusik; s. Bestandsbeschreibung); der Bestand ist in RISMonline detailliert aufgeschlüsselt. Die in den Jahresberichten des Raff-Konservatoriums (1900/01, S. 23, und 1901/02, S. 25) genannten, in den Prüfungskonzerten aufgeführten Werke (neben Liedern ein Klaviertrio und eine Romanze (Kl., Vl.)) sind nicht überliefert. Veröffentlichte Werke: Operette Die kleine Ratte (Text: Robert Hank), UA Dresden 7. März 1913; KlA. einzelner Nummern, München: Harmonie [1913]; D-B, D-Mbs <> Oper Die Gänsemagd (Text: Hafgren nach dem Märchen der Brüder Grimm), UA Mannheim 11. Nov. 1938; KlA. (Hafgren), Neustadt/W.: Selbstverlag [1937]; D-BHu, D-SPlb <> [4] Lieder (Sst., Kl.) op. 3 (2 Hefte mit je 2 Liedern; op. 3 Nr. 3 Lilly Hafgren gew.), Frankfurt: Selbstverlag [1902]; D-SPlb (2. Heft; digital) <> Lieder nach Dichtungen von Ludwig Finckh (Sst., Kl.; Abendlied, Im Mondschein, Ein altes Lied, Schwermut, Rose, Waldglück, Sein Lied), Frankfurt: C. A. André [1908; angezeigt bereits am 6. Dez. 1906 in der Frankfurter Zeitung]; D-F, D-OF (Abendlied), D-SPlb (digital, s. Abb.) <> Sonate (Kl., Vl.), München: Odeon [1916]; D-B, D-Mbs, D-SPlb <> Danklied (Mch.), Heidelberg: Hochstein [1925]; CH-Bu, D-B, D-SPlb


(4) Auch Lilly Hafgren besuchte das Raff-Konservatorium in Frankfurt (seit 1899 Gesang bei Maria Fleisch, Klavier bei Max Schwarz). Bei Schülerkonzerten und anderen Gelegenheiten trat sie, vielfach am Klavier von ihrem Bruder Lill-Erik begleitet, als Liedsängerin auf, und konnte bereits 1901 „echtes Bühnentalent“ (Frankfurter Zeitung 1901) unter Beweis stellen. 1908 debütierte sie als Freia in Bayreuth, wurde noch im gleichen Jahr Ensemble-Mitglied des Hof- und Nationaltheaters in Mannheim und wechselte 1911/12 dauerhaft an die Hofoper (seit 1918 Staatsoper) Berlin, wo sie seitdem ihren Wohnsitz hatte. Zahlreiche Gastauftritte führten sie u. a. nach Mailand, Paris, Rom und Stockholm sowie gelegentlich auch wieder nach Frankfurt. 1905 heiratete Lilly Hafgren in Frankfurt den Regierungsbaumeister Hans Waag (1876–1941) und führte seitdem den Namen Hafgren Waag. Unmittelbar nach der Scheidung (1919) ging sie eine zweite Ehe mit dem Kaufmann Georg Dinkela (* 1886) ein.


Quellen (zu 1–4) — Standesamtsregister Berlin und Frankfurt; Kirchenregister Kopenhagen <> Adressbücher Berlin und Frankfurt <> Briefe von und an Lill-Erik Hafgren, s. Kalliope; Briefe von und an Lilly Hafgren, s. Kalliope <> Jahresberichte des Raff-Konservatoriums <> Neue Zürcher Zeitung 21. März 1886 sowie weitere Notizen in der schweizerischen Presse; Allgemeine Zeitung (München) 25. Apr. 1886 u. ö.; Münchner neueste Nachrichten 26. Okt. 1892 u. ö.; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 25. Mai 1901 (Abendblatt), 14. März 1904 (Abendblatt), 20. Apr. 1904, (3. Morgenblatt), 22. Nov. 1904 (3. Morgenblatt), 6. Dez. 1906 (4. Morgenblatt), 2. Okt. 1911 (Abendblatt) und passim; Göteborgs Handels- Och Sjöfartstidning 15. Apr. 1921 und passim <> Neuer Theater-Almanach, Berlin 1909–1914

Literatur — Adolf Himmele, Ein Komponistenleben: Lill Erik Hafgren – Mensch und Werk, in: Pfälzer Bote 3 (1949), S. 44–47 <> Artur Reinhard, Lill-Erik Hafgren. Ein Porträt aus dem Pfälzer Musikleben, in: Pfalz und Pfälzer 1951, Heft 2, S. 6–7 <> Kutsch-Riemens; RiemannL 1959 (Art. Hafgren-Dinkela) <> StiegerO <> MMB

Abbildung 1: Anzeige zum Konzert des Ehepaars Hafgren im Frankfurter Zoologischen Garten; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 16. Febr. 1886

Abbildung 2: Titel der 1908 erschienenen Lieder von Lill Erik Hafgren; siehe dilibri Rheinland-Pfalz (www.dilibri.de), Vorlage in D-SPlb [Mus. 4101/1-7]

Abbildung 3: Lilly Hafgren Waag nach einer Fotografie von Georg Tillmann-Matter, Mannheim ca. 1910 (Digitalisat aus D-F, Porträtsammlung Manskopf)


Axel Beer

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