Adolph Felchner
FELCHNER, (GUSTAV) ADOLPH * Kumehnen (heute Kumatschowo) bei Königsberg 22. Jan. 1832 | † Gießen 10. Mai 1896; Musikdirektor
Adolph Felchner, der Sohn eines Färbers, erhielt seine erste musikalische Ausbildung in Königsberg und Breslau und studierte 1860–1863 am Konservatorium in Leipzig (u. a. Klavier bei Ernst Ferdinand Wenzel). Nach Chorleitertätigkeiten in Bingen und Rüdesheim wurde er 1864 Gründungsdirigent des Casino-Gesangvereins in Alzey, wo er auch den Orchesterverein leitete und an der Realschule Gesang unterrichtete. Als Felchner 1874 die Nachfolge Wilhelm Micklers als Universitätsmusikdirektor in Gießen antrat, folgte ihm in Alzey Georg Hüfner. In Gießen leitete er auch den Konzertverein sowie den Orchesterverein und erteilte am Gymnasium Gesangsunterricht. 1878 war Felchner Dirigent des 12. Sängerfests des Lahntal-Sängerbunds in Gießen. 1893 bildete er gemeinsam mit u. a. Anton Appun und dem Militärmusikdirektor Carl Krauße eine Kommission zur „Prüfung des Tones und Klanges“ der neuen Glocken in der Johanneskirche (Gießener Anzeiger 15. Mai 1893). Sein Nachfolger als Universitätsmusikdirektor war Gustav Trautmann. Mit seiner Ehefrau (Charlotte Margarethe) Marie geb. Maier (* ca. 1833 | † Gießen 1. Okt. 1910; Heirat 1866 in Alzey, Tochter eines Gerichtsvollziehers) hatte Felchner drei Töchter, die noch 1910 mit der Mutter in einem gemeinsamen Haushalt in der Gießener Goethestraße wohnten: Elisabeth (gen. Lisbeth; * Alzey 23. Juli 1868 | † Gießen 3. Nov. 1952) und Mathilde (gen. Tilla, † Gießen 23. Okt. 1916) erteilten (spätestens seit 1896, dem Todesjahr des Vaters, und noch 1913 gemeinsam) Klavierunterricht in Gießen, und (Caroline) Marie (Magdalena) (* Alzey 23. Febr. 1867 | † nicht vor 1929) machte sich einen Namen als Kunstmalerin sowie als private Mal- und Zeichenlehrerin und trat als Gesangssolistin des Gießener Konzertvereins hervor.
Werke — Bismarcklied (T: Paul Heyse) (Mch.) (belegt in Gießener Anzeiger 2. Apr. 1895) <> Abschiedslied (T: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben) (belegt in Gießener Anzeiger 23. Juni 1896) <> Vorwort, in: Oscar Paul, Moritz Hauptmann. Eine Denkschrift zur Feier seines siebenzigjährigen Geburtstages am 13. October 1862, Leipzig 1862, S. 7–8
Quellen — KB Gießen (ev.); Standesamtsregister Gießen <> Briefe von Felchner s. Kalliope <> Gustav Adolph Felchner, in: CARLA <> Adressbuch Gießen 1910 <> Jahresberichte Realgymnasium Gießen <> Süddeutsche Musik-Zeitung 23. Jan. 1865; Hof- und Staatshandbuch des Großherzogthums Hessen <> Mainzer Anzeiger 7. Okt. 1865; NZfM 5. Juni 1874, 18. Febr. 1891, 31. Aug. 1892; Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 5. Mai 1888, 30. Mai 1896; Musikalisches Wochenblatt 13. Mai 1870, 21. Mai 1896; Allgemeine Deutsche Musik-Zeitung 29. Juni 1877; Gießener Anzeiger 11. Nov. 1874, 13. Juni 1875, 12. Nov. 1875, 29. Juni 1877, 5. Dez. 1877, 30. Juli 1878, 30. Nov. 1878, 29. Jan. 1879, 27. Juli 1879, 10. Dez. 1880, 1. Febr. 1881, 22. Juni 1881, 15. Juli 1881, 14. März 1882, 6. Juli 1882, 16. Jan. 1883, 2. März 1883, 16. Nov. 1883, 13. Jan. 1885, 9. Febr. 1886, 2. März 1886, 19. Nov. 1886, 13. Nov. 1887, 6. Dez. 1887, 3. März 1888, 22. Jan. 1889, 11. Febr. 1890, 26. Febr. 1890, 30. Mai 1890, 11. Juli 1890, 18. Juli 1890, 11. Nov. 1890, 13. Jan. 1891, 20. Jan. 1891, 28. Jan. 1891, 5. Mai 1891, 2. Juli 1891, 8. Dez. 1891, 22. Juli 1892, 26. Jan. 1893, 1. März 1893, 15. Mai 1893, 21. Nov. 1893, 13. Nov. 1894, 12. März 1895, 2. Apr. 1895, 19. Nov. 1895, 6. Mai 1896, 31. Mai 1896, 10. Juni 1896, 23. Juni 1896, 10. Dez. 1896, 31. Okt. 1903 („Fruchtstück“ von Marie Felchner in Berlin ausgestellt), 31. Mai 1905 (u. ö. Bilder Maries in Gießen),19. Sept. 1913, 3. Juni 1926, 17. Juni 1929 (betr. Marie Felchner), 18. Juli 1932 (Musikschule Felchner), 23. Juni 1938 (zum 70. Geburtstag von Lisbeth Felchner), u. ö. <> Quartalblätter des Historischen Vereins für das Grossherzogthum Hessen 1 (1892), S. 195 <> Die Bauhütte 2. Sept. 1871 <> Otto Behagel, Schriftsprache und Mundart. Akademische Rede zur Feier des Jahresfestes der Großherzoglich Hessischen Ludwigs-Universität am 1. Juli 1896, Gießen 1896
Literatur — Peter J. Tonger, Conversations-Lexicon der Tonkunst, Köln 1888, Nachtrag S. 18 <> Karl Germann, Geschichte der Großherzogl. Realschule und des Progymnasiums (mit Vorschule) zu Alzey während der ersten 50 Jahre ihres Bestehêns, Bd. 2, Alzey 1891 <> Ernst Challier, Felchner, Adolph, in: Hessische Biographien, hrsg. von Hermann Haupt, Bd. 1, Darmstadt 1918, S. 151–152
Abbildung: private Todesanzeige im Gießener Anzeiger 12. Mai 1896 (1. Blatt)
Karl Traugott Goldbach