dreyschock


DREYSCHOCK, ALEXANDER * Žák (Böhmen) 15. Okt. 1818 | † Venedig 1. Apr. 1869; Pianist, Komponist

Dreyschock, der seit Ende 1838, nachdem er seine Ausbildung bei Tomaschek in Prag abgeschlossen hatte, fast ununterbrochen als Klaviervirtuose auf Konzertreisen war (Norddeutschland, Baltikum, Polen, Russland, Paris, London), kam Ende Oktober 1843 in Frankfurt an. Er nutzte die Stadt als Ausgangspunkt, um im Rhein-Main-Gebiet zu konzertieren. Auf Aufforderung Carl Guhrs spielte er am 27. Okt. und 10. Nov. im Museum, außerdem zweimal im Theater (1., 8. Nov.) und gab gemeinsam mit dem Frankfurter Liederkranz ein Konzert zum Besten der Mozart-Stiftung (18. Nov.), woraufhin er deren Ehrendiplom erhielt. Daneben trat er zweimal im Mainzer Theater (15., 20. Nov.), in Wiesbaden, Offenbach und Hanau sowie mehrfach in Darmstadt auf (u. a. 23. Nov.; 3., 25. (mit August Müller), 30. Dez.). Vom hessisch-darmstädtischen Großherzog wurde er mit dem Titel großherzoglich-hessischer Hofkapellmeister ausgezeichnet. Martin Wallenstein ist zu seinen Schülern zu zählen; weiterhin stand Dreyschock in freundschaftlichem Verhältnis zu Heinrich Esser, den er in seiner Korrespondenz mit dem Verlag →Schott stets grüßen ließ (s. Quellen). Nach weiteren Reisen (Belgien, Niederlande, Österreich) und seiner Heirat mit der Prager Weinhändlerstochter Anna Binder (1822–nach 1877; Heirat 1845) etablierte er sich 1846 in Prag, stellte aber seine Reisetätigkeit in der Folgezeit nicht ein – und ließ sich abermals in der Mittelrheinregion hören (Febr. 1859 und Jan. 1860 in Frankfurt) bzw. machte auf der Durchreise in Darmstadt halt. Seit 1862 lehrte er am Petersburger Konservatorium. Im Sommer 1867 berichtete die Presse, dass Dreyschock, „sehr leidend von Petersburg nach Deutschland gekommen ist“ und „sich zur Cur in das Bad Soden bei Frankfurt a. M. begeben“ würde (Signale 13. Juni 1867). Stattdessen finden wir ihn im August als Kurgast in Bad Ischl, an das er anschließend mit einem Album-Ischl op. 142 (Leipzig: Kistner [1868]) erinnerte, sodass man das Ausbleiben seines Besuchs in Bad Soden durchaus bedauern mag. Bemerkenswert erscheint schließlich noch, dass ausgerechnet in Speyer, wo sich bislang kein Auftritt Dreyschocks nachweisen ließ, 1897 sein Klavierkonzert vom dortigen Cäcilienverein und Richard Schefter aufgeführt (man möchte sagen ausgegraben) wurde – zu einem Zeitpunkt knapp dreißig Jahre nach seinem Ableben, als allenfalls noch einzelne seiner Salonstücke sowie sein charakteristisch starkes Spiel mit der linken Hand und diesbezügliche Wortspiele erinnert wurden.

Werke (chronolog. Auswahl, die Region betreffend) — Polonaise (Kl. 4ms), in: Der Gesellschafter. Musikalische Unterhaltungsblätter, hrsg. von Johann Daniel Anton, Mainz: Schott, 16. Apr. 1838 <> Variationen über ein Originalthema (Kl.), ebd., 30. Juli 1838 <> La Coupe. Chanson à boire sans paroles (Kl.; Widmung an Jacob Rosenhain) op. 25, Mainz: Schott [1843]; D-B, D-KA, DK-Kk – Paris: Schlesinger [1843] sowie als Beilage zur Gazette Musicale 11. Juni 1843, ebd.; E-Mn (digital), F-LYm (digital), F-Pn, I-Fc, I-Fn – London: Cocks [1843]; AUS-CAnl, ggf. GB-Lbl – Mailand: Ricordi [1845] – u. a. <> Nocturne (Kl.; Widmung an Prinz Emil Maximilian Leopold von Hessen und bei Rhein) op. 28, Mainz: Schott [1845]; CZ-Pu, D-B, DK-Kk – Paris: Bureau central de musique [1845]; F-Pn – London: Cocks; GB-Cu <> Andantino con Variazioni (Kl.; Widmung an Henriette Schott) op. 51, Mainz: Schott [1847]; CZ-Pu, D-B <> Allegro appassionato (Kl. 4ms; Widmung an Großherzogin Mathilde von Hessen und bei Rhein) op. 119, Leipzig: Siegel [1858]; CZ-Pm (digital), CZ-Pu, D-B, NL-DHnmi <> Spinnerlied (Kl.), in: Elisabeth-Fest-Album für Pianoforte-Spieler, Wien: Haslinger 1854; D-Mbs (digital), D-WRz (digital), GB-Lbl, H-SG – Kopenhagen: C. C. Lose & Delbanco [1855]; CZ-Pm (digital), DK-Kk, I-TScon – als op. 128, Offenbach: André [1862]; D-B, D-BABHkrämer (s. Abb.), D-OF, D-Mbs, F-Sn, GB-Lbl – u. a. <> Grande Variation sur l’Air: God save the queen, pour la Main gauche seule (Widmung an die Ehefrau Friedrich Wilhelms von Hessen Prinzessin Anna von Preußen) op. 129, Offenbach: André [1862]; CH-BEsu, D-B, D-Cl, D-Hs, D-OF, F-Sn, GB-Lbl, US-CAmit (digital) <> Das Elfenleben. 2 Charakterstücke (Kl.) op. 130, Offenbach: André [1862]; D-B, D-OF, F-Sn

Quellen und Referenzwerke — MMB <> KB Prag <> Briefe Dreyschocks an Schott mit Erwähnung Essers in D-B (55 Nachl 100/B, 8177, 9170, 9468), Brief an André in US-OB <> C[arl] G[ollmick], Alexander Dreyschock, in: Didaskalia 6., 9., 13. Nov. 1843 <> Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung und Didaskalia (Frankfurt) Okt.–Dez. 1843; Signale für die Musikalische Welt 10. Febr. 1859, 13. Juni 1867; Süddeutsche Musik-Zeitung 14. Febr. 1859; Neue Berliner Musikzeitung 15. Febr. 1860; Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik (Wien) 16. Mai 1860; Darmstädter Tagblatt 20. März 1858, 3. Apr. 1858, 28. Jan. 1860; Speierer Zeitung 9. März 1897

Literatur — Axel Beer, Art. Dreyschock (Fam.), in: MGG2P <> Kristina Krämer, Alexander Dreyschocks frühe Konzertreisen (1838–46): Repertoire – Organisation – Rezeption (Masterarbeit Mainz 2019, unveröffentlicht; dort weitere Quellen und Literaturangaben)

Abbildung 1: Alexander Dreyschock, fotographische Reproduktion von Sophus Williams nach dem Brustbild von E. Hader; D-BABHkrämer


Kristina Krämer

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  • von kk
  • angelegt 2019/04/01 12:23