Jakob Schultz


SCHULTZ, JAKOB * Knittelsheim (Landkreis Germersheim) 14. Febr. 1868 | † Speyer 28. Dez. 1944; Schullehrer, Chorleiter, Komponist

Über den Lebensweg des Bauernsohns Jakob Schultz, bevor er das Mannheimer Conservatorium sowie das Lehrerseminar in Speyer besuchte (hier war er sicherlich Schüler Georg Julius Orths), wissen wir nichts. Bereits 1886 fand er eine Anstellung als Schulverweser in Quirnheim bei Grünstadt (Pfalz), 1887 erfolgte seine Versetzung in gleicher Funktion nach Weingarten bei Speyer, zwei Jahre später nach Wörth am Rhein, von wo aus er nach nur sechsmonatiger Tätigkeit im November 1889 (noch immer in der Funktion eines Schulverwesers) nach Speyer zurückkehrte; im September 1891 erhielt er die Beförderung zum fest angestellten Lehrer an der dortigen Volksschule und im Dezember 1911 diejenige zum Hauptlehrer. Nach dem Tod Georg Julius Orths (1902) wurde Schultz interimistisch mit dessen Nachfolge als Seminarmusiklehrer betraut, bevor Matthias →Grießinger das Amt antrat; außerdem war Schultz Organist an St. Joseph in Speyer (seit 1903) und erteilte Gesangsunterricht an der Höheren Mädchenschule (seit 1908) sowie an der Lehrerinnenbildungsanstalt (1915). Insbesondere im musikalischen Vereinsleben Speyers und der näheren Umgebung erlangte Schultz im Laufe der Zeit eine zunehmend prominente Rolle, sodass seine Wahl zum Gründungsvorsitzenden des Speiergau-Sängerbunds im Jahre 1901 geradezu folgerichtig war. In Speyer leitete er den (gemischten) Gesangverein der Zigarrenfabrik Wellensiek und Schalk (seit 1893), den MGV Frohsinn (1895–1910), den Männerchor des Männerturnvereins von 1884 (1904–ca. 1910), die Gesangsabteilung des Turnvereins 1861 (1904–1913) und den MGV Liederkranz (seit 1908). Außerdem war er Dirigent des Gesangvereins Südwestdeutscher Bäckermeister (1910–nach 1935) sowie des MGV Cäcilia Dudenhofen (1940–1944). 1892 schloss Jakob Schultz die Ehe mit der aus dem pfälzischen Weingarten gebürtigen Bauerntochter Elisabeth geb. Benninger; gemeinsamer Sohn war Dr. Jakob Schultz, Leiter der orthopädischen Abteilung der Universitätsklinik Münster – er kam 1925, noch nicht 32 Jahre alt, bei einem Turnunfall ums Leben.

Werke (für Männerchor, wenn nicht anders angegeben) — gedruckt mit Opuszahl: Es ragen die Berge mächtig (Mch. bzw. Frauen- oder Jugendchor) op. 6, Offenbach: André [1906]; D-OF, D-SPlb <> Grüss Gott, du schöne Frühlingszeit op. 7, ebd. [1904]; D-OF, D-SPlb <> Rheinfahrt („Nun rinnen alle Quellen“) op. 8, ebd. [1906]; D-OF, D-SPlb <> Zweifacher Frühling („Es hallt und hallt“) op. 9, ebd. [1906]; D-OF, D-SPlb <> Scheiden („Ade, ade, du Elternhaus“) op. 18, Heidelberg: Hochstein [1905]; D-SPlb <> Mailust („Fahrt Grillen hin, ’s ist Narretei“) op. 19, ebd. [1906]; D-SPlb <> Das deutsche Haus (gem. Chor; „Dich hat der starke Gott gebaut“) op. 20, Köln: Tonger [1907]; ehem. D-B <> Im Walde op. 21, Trier: H. vom Ende [1907]; D-B, D-SPlb <> Ich zog durch eine Frühlingspracht op. 22, Bad Godesberg: Ullrich [1908]; D-SPlb <> Sonniger Morgen op. 23, Heidelberg: Hochstein [1905]; D-KBrlb <> 2 Männerchöre (Volksweisen; Die Blume des Lebens, Sangeslust) op. 25 Nr. 1 und 2, ebd. [1906]; D-KBrlb <> Wär ich ein Brünnlein klar (nach einer Volksweise) op. 25 Nr. 3, in: Beliebte Volksweisen, für Mch. arr. von Fritz Neuert, ebd. [1910]; D-B, D-SPlb <> Ein Lied mir durch die Seele klingt (nach einer Melodie von Felix →Mendelssohn Bartholdy) op. 26 Nr. 1, ebd. [1920]; D-SPlb <> Maienfahrt op. 26 Nr. 3, ebd. [1910]; D-SPlb <> Soldatentod op. 28, ebd. [1910]; D-B, D-SPlb <> Du herzig Pfälzer Mädel („Früh morgens, eh’ der Buchfink sein lustig Liedel singt“) op. 29, ebd. [1910]; D-SPlb <> Männerchöre (O Gott, wir preisen dich, Mein Heimatland am Rhein) op. 30 Nr. 1 und 2, ebd. [1910]; D-B, D-SPlb (Nr. 1) <> Weihnacht, wie ein Zauberwort op. 31 (Nr. 1), ebd. [1925]; D-B, D-SPlb <> Männerchöre (Willkommen, Lenz, Volkslied („Burschen singen auf der Reise“), Jugendzeit, Fidelitas („Wirtin, Wirtin, schnell herbei“)) op. 32 Nr. 1–4, ebd. [1914]; D-B, D-SPlb <> Pfälzer Heimatklänge. Volkslieder aus der sonnigen Pfalz gesammelt und für vierstimmigen Männerchor bearbeitet, ebd. [1922]; D-B, D-SPlb (jew. Nr. 2, 3, 15, 16) <> gedruckt ohne Opuszahl: Singübungen für Männerstimmen nach der Tonmethode von Carl Eitz […], Heidelberg: Hochstein [1913]; D-SPlb <> Rote Bäcklein, blaue Aeuglein (Volkslied), ebd. [1920]; D-B, D-SPlb <> Vierzehn-Nothhelfer-Lied. Zum Klausenfest in Königsbach, Pfalz 1924, Königsbach: Verlag des Pfarrcäcilienvereins [1924]; D-SPlb <> Es strahlt aus ewiger Ferne. Grablied (Mch. bzw. gem. Chor a cappella; „nach einem alten Kirchenlied“), Augsburg: Böhm [1928]; A-Wn, D-Au, D-Mbs, D-SPlb <> Vaterland (Mch., Blasorch. ad lib.; „Was klingt und brauset so mächtig“), Heidelberg: Hochstein [1930]; D-B, D-SPlb <> (3) Volkslieder (In der Laube, Ri-ra-Ritzelche, Und aller guten Dinge), ebd. [1935]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> Mein Speyer. Marschlied (Sst., Kl.; „In weitem Bogen dich umfassend“), Speyer: Selbstverlag [1937]; D-SPlb (auch autogr. Stichvorlage; digital), Stadtarchiv Speyer <> Seemanns Sturmlied („Wir zwingen das Feuer“), ebd. [1943]; D-B, D-KA, D-LEdb <> Zwei Männerchöre. Volksliedbearbeitungen (Der frohe Jägerbursch, Das jagrische Leben), ebd. [1938]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> Bearbeitungen (Auswahl): Geistlicher Liedergarten. Eine Sammlung katholischer, kirchlicher Gesänge in zweistimmiger Bearbeitung für Kirche, Schule und Haus, Speyer: Jäger 1912; D-B, D-Mbs, D-Rp, D-SPlb <> (gem. mit Bruno Leipold) Deutscher Liedergarten, 3. Heft. Die Fahne Hoch! Vaterländische Gesänge aus alter und neuer Zeit für drei gleiche Stimmen, Heidelberg: Hochstein [1933]; D-SPlb <> Arrangements für Mch. bzw. gem. Chor von Werken von Franz Abt, Johann Baptist Benz (Marienlied „O Königin voll Herrlichkeit“), Conradin Kreutzer, Felix Mendelssohn Bartholdy (s. op. 26), Mozart, Pergolesi und Jakob Scheller (Das neue Pfälzerlied) <> ungedruckt und verschollen: Messen und Kammermusik (lt. MüllerDML) sowie etliche der in der Presse genannten Chorwerke; auch der Vortrag Die Tonwortmethode (von Carl Eitz) in Schule und Verein (s. Speierer Zeitung 31. Jan. 1913) ist nicht überliefert

Quellen — KB Speyer (Dom) <> Adressbücher Speyer <> Verlagsverträge mit André in Offenbach (2, 1904); D-OF <> Speierer Zeitung 23. Apr. 1887, 9. Juni 1886, 6. Mai 1889, 25. Nov. 1889, 19. Dez. 1893, 28. Jan. 1895, 20. März 1899, 12. Aug. 1901, 4. Sept. 1901, 10. Apr. 1902, 7. Okt. 1902, 1. Dez. 1902, 3. Nov. 1904, 14. Nov. 1905, 18. Juni 1906, 27. Nov. 1906, 10. Juli 1907, 10. Apr. 1908, 13. Mai 1908, 19. Mai 1908, 14. Mai 1910, 13. Juni 1910, 7. Juni 1911, 14. Aug. 1911, 25. Nov. 1911, 30. Dez. 1911, 3. Juli 1912, 31. Jan. 1913, 11. Apr. 1913, 11. Juli 1914, 16. Febr. 1915, 22. Nov. 1917, 28. Nov. 1918; Grünstädter Zeitung 9. Sept. 1891; Viernheimer Anzeiger 3. Nov. 1925 Sängerzeitung des Gaues Westmark (Saarbrücken) 15, Nr. 10 (Jan.), 1936, S. 58 <> MMB <> Pazdírek <> freundliche Hinweise von Herrn Wolfgang Knapp M. A. (Stadtarchiv Speyer)

Literatur — MüllerDML <> PriebergH

Abbildung: Stichvorlage zu Mein Speyer. Marschlied; D-SPlb


Axel Beer