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SCHÄFFER, (FRIEDRICH) WILHELM (KARL) (gen. Willy) * Berlin-Luisenstadt 3. Aug. 1870 | † Wiesbaden 2. Mai 1938; Violinist

Bisher ließ sich nicht ermitteln, wem Willy Schäffer, der Sohn eines „Geheimen Expeditionssekretärs und Calkulators“ (so der Taufeintrag) und der Tochter des Berliner Bildhauers Wilhelm Wolff (1816–1887; Schöpfer der Löwengruppe im Berliner Tiergarten) seine musikalische Ausbildung verdankte – dass er profunden Privatunterricht erhielt, darf man angesichts der gesellschaftlichen Situierung seiner Familie und ihrer zu unterstellenden kulturellen Neigungen vermuten. Jedenfalls führte ihn sein Weg nach Wiesbaden, wo er 1894 eine Anstellung als Theatermusik-Volontär fand und 1897 als königlicher Kammermusiker geführt wird. Manches ist indes ungewöhnlich: Abgesehen davon, dass Schäffer selten explizit in Erscheinung trat und – dies als Geiger – ausgerechnet im Sektor des Musiktheaters seine schöpferische Betätigung fand, ist auch die Wahl des Stoffs für seine zweite Oper aus dem Alten Testament nicht gerade alltäglich wie auch der Ort der Uraufführung überraschend. Allerdings mag er den Dichter des literarischen Ausgangspunkts, Leopold Adler, noch aus Berlin gekannt haben; das Schauspiel Das Buch Hiob wurde in Wiesbaden 1894 (im Jahr, in dem Schäffer sich dort niederließ) aufgeführt, und nachdem Adler 1909 als Theaterdirektor nach Braunschweig versetzt worden war, stand der drei Jahre später erfolgten Premiere der Oper Schäffers mit dem von ihm bearbeiteten Text nichts im Wege. In Wiesbaden zeigte man sich seit dem Bekanntwerden der Vorbereitungen sehr interessiert am Werk des einheimischen Kammermusikers, erfuhr, dass die Oper „bei hervorragender Darstellung einen durchschlagenden Erfolg“ erzielt hatte (Wiesbadener Tagblatt 7. Okt. 1912), der „Komponist mit den Hauptdarstellern mehrfach vor der Rampe erschienen“ war „und einen Lorbeerkranz mit blaugelber Schleife entgegennehmen konnte“ (Wiesbadener General-Anzeiger 9. Okt. 1912). Ansonsten kannten diejenigen unter den Wiesbadener Kunstenthusiasten, die mitunter dem karnevalistischen Treiben nicht unverschlossen waren, den Kammermusikus Willy Schäffer auch als Mitglied der humoristischen Gesellschaft Tonica – im Februar 1897 beispielsweise trat er neben seinem Kollegen Gustav Cords, der aus einem „geheimnisvollen Schauermärchen“ las, und gemeinsam mit einem weiteren Kollegen, Hermann Hennig, in einer „Vorführung von sich als Menschen entpuppenden Musik-Automaten“ auf; sie erzielten eine „durchschlagende Wirkung“ (Wiesbadener Tagblatt 12. Febr. 1897), konnten jedoch nicht wissen, dass sie (freilich unter umgekehrten Vorzeichen) weit in die Zukunft vorausgriffen. – Verheiratet war Willy Schäffer seit 1920 mit der „Direktrice“ Karolina Sophia geb. Kienle aus Augsburg (* 1879).

Werke — Oper Signe (Libr. Max Adriano (kgl. Hofschauspieler in Wiesbaden)); UA Koblenz Febr. 1907; nicht überliefert <> Oper Das Buch Hiob (Libr. vom Komponisten nach dem 1892 entstandenen gleichnamigen Schauspiel von Leopold Adler); UA Braunschweig (Hoftheater) 6. Okt 1912; nicht überliefert

Quellen und Referenzwerte — KB Berlin-Kreuzberg (Luisenstadt); Standesamtsregister Berlin (Sterbeeinträge Renate Frida Schäffer geb. Wolff (1892) und Leopold Karl Schäffer (1895)); Standesamtsregister Wiesbaden <> Adressbücher Wiesbaden <> Personalakte; D-WIhha <> Wiesbadener General-Anzeiger 30. Jan. 1894, 16. Mai 1912, 7. Okt. 1912, 9. Okt. 1912 (Willy Schäffers „Das Buch Hiob“); Wiesbadener Tagblatt 12. Febr. 1897 (Abend-Ausg.), 11. Jan. 1906 (Morgen-Ausg.), 14. Mai 1911 (Morgen-Ausg.), 27. Sept. 1912 (Morgen-Ausg.), 7. Okt. 1912 (Abend-Ausg.), 26. Okt. 1912 (Morgen-Ausg.); Wiesbadener Bade-Blatt 31. Aug. 1912, 10. Okt. 1912; Rheinische Volkszeitung 17. Okt. 1919 (Ehrung zum Silbernen Dienstjubiläum); Nassauer Volksblatt 3. Mai 1938 (private Todesanzeige) <> StiegerO

Abbildung: private Todesanzeige im Nassauer Volksblatt 3. Mai 1938


Axel Beer

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