rudolph


(1) Heinrich (Hieronymus) * Hochstedt (heute Stadtteil von Erfurt) 7. Jan. 1823 | † Gießen 16. Juli 1867; Instrumentenhändler

(2) (Friedrich) Wilhelm (Caspar) * Gießen 31. Okt. 1853 | † ebd. 11. Nov. 1923; Sohn von (1), Instrumentenhändler


(1) Heinrich Rudolph, Sohn eines Kleinbauern, eröffnete am 1. Apr. 1851 in Gießen eine Instrumentenhandlung. Anderthalb Jahre später warb er in der Presse für seinen Vorrat an Flügeln und Tafelklavieren sowie für seine „Leihanstalt von Guitarren und Zithern“ (Gießener Anzeiger 6. Nov. 1851 u. ö.), und nach nicht langer Zeit erweiterte er das Angebot um Schreibmaterialien. Nach seinem Tod setzte seine Witwe Selma geb. John (* ca. 1827 | † Gießen 30. Nov. 1898) das Geschäft fort.

(2) Zum 1. Jan. 1879 übernahm Wilhelm Rudolph den elterlichen Betrieb, den er bereits am 1. Nov. 1887 größtenteils an Ernst Challier verkaufte – lediglich das Klaviergeschäft führte er weiter, und zwar mit Erfolg: Nachdem im Jahre 1901 das Goldene Geschäftsjubiläum begangen hatte, avancierte Rudolph im Juni 1905 zum Großherzoglich Hessischen Hoflieferanten. Im Febr. 1919 erlosch seine Firma; eine 1906 in Marburg eröffnete Zweigniederlassung bestand bis 1925. – Rudolph, der sich auch in der Gießener Armenpflege engagierte, war 1877 Mitbegründer des Kronbauer’schen Quartett-Vereins; er heiratete ein Jahr später die Kaufmannstochter Christiane Jeanette Kurz (* Gießen 15. Febr. 1858 | † ebd. 11. Nov. 1923 (wie ihr Mann)). Mit welcher Intensität sich übrigens technischer Fortschritt seinerzeit auch im Musikgeschäft ausbreitete, verrät ein Artikel im Gießener Anzeiger vom 10. Nov. 1901, aus dem die staunende Leserschaft vom „Aufsehen“ erfuhr, das der „Motor-Transportwagen“ der Frankfurter Klavierbau-Firma C. A. André (vgl. die Abbildung des Gefährts im Artikel André) erregt hatte: In gerade einmal fünf Stunden wurde die Fahrt von Frankfurt nach Gießen bewältigt, um einen Flügel für ein Konzert anzuliefern. Dass Wilhelm Rudolph, um konkurrenzfähig zu bleiben, sich entschloss, „einen ebensolchen Wagen anzuschaffen“, entnimmt man dem Artikel gleichfalls.

Quellen — KB Hochstedt und Gießen <> Standesamtsregister Gießen <> Adressbücher Gießen <> Fallakte (betr. Ernennung zum Hoflieferanten); D-DSsa <> Geschäftsrundschreiben 1. Jan. 1879; D-LEdb <> Gießener Anzeiger 31. Dez. 1851, 6. Nov. 1852, 15. Jan. 1879, 12. Okt. 1882, 19. Apr. 1887, 16. Jan. 1901, 2. Febr. 1901, 10. Apr. 1901, 10. Nov. 1901, 12. Febr. 1919, 18. Nov. 1922, 16. Nov. 1923 (private Todesanzeige), 23. Sept. 1925 und passim; Zeitschrift für Instrumentenbau 11. Apr. 1907

Abbildung: Nicht nur herkömmliche Klaviere, sondern auch musizierende Möbelstücke, die die lästige Anstellung kostspieligen Personals verzichtbar machten (… nichts Neues unter der Sonne!) wurden angeboten, wobei man notabene ausdrücklich auf den „geringen Kraftverbrauch“ (… gleichfalls nicht Neues unter der Sonne!) hinwies; Gießener Anzeiger 12. Juli 1905 – übrigens das erste Inserat, in dem Rudolph als Hoflieferant aufscheint.


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2026/09/15 08:21
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  • angelegt 2026/09/14 17:55