Edmund Ignaz Quernbach
QUERNBACH, EDMUND IGNAZ (Ignatz) * Mainz 20. Juni 1764 | † ebd. 19. Apr. 1804; Tasteninstrumentenbauer
Über den Bildungsweg Edmund Ignaz Quernbachs – Sohn aus 1763 geschlossener zweiter Ehe des Mainzer Schreiners Andreas (André) Quernbach (1708–1767; erste Ehe 1737 mit Katharina Kilbert, sie † 1762) mit Katharina Metzler aus Sindlingen (der Protokollant der Todesmeldung unseres Probanden macht daraus „Catherine Meckler […] de Singlingen“) – ist nichts bekannt. Erstmals konkret greifbar wird er 1791 in Mainz über eine Geschäftsempfehlung im Gothaer Blatt Der Anzeiger (ab 1793 bekannt als Reichs-Anzeiger), wonach er in der Altenmünstergasse am Tiermarkt (heute: Schillerplatz) in seinem Wohnhaus eine Werkstatt führte. Darin wird auch sein Tätigkeitsfeld umrissen: Er baute Klaviere „in verschiedenen Gattungen[,] theils deutschen, theils englischen“ (gemeint sind Wiener und englische Mechanik) in unterschiedlichen Größen „wie auch Flügelpianoforte“ sowie Kombinationsinstrumente (Orgelklaviere, Claviorgana), d. h. „Pianoforte mit einem oder mehreren Orgelregistern verbunden“, wobei sowohl Klavier als auch Orgel separat oder gemeinsam gespielt werden konnten. Lautete seine Berufsbezeichnung hier noch „Klavierinstrumentenmacher“, so verzeichneten ihn Le guide de la ville de Mayence von 1800 als „Orgelbauer, facteur d’orgues“, die Volkszählung (Recensement) desselben Jahres sowie schließlich die Beurkundung seines Todes als „faiseur de Clavecins“, also als Cembalobauer. Sein Wohn- und Arbeitsort befand sich zuletzt in der Mailandsgasse. – Quernbach war verheiratet mit der aus Strasbourg stammenden Katharina Schneider. Von seinen (mindestens sieben) Kindern verstarben die meisten früh; musikalische Aktivitäten sind nicht nachweisbar.
Werke — Bekannt ist nur ein Hammerflügel, signiert „Edmund Ignaze Quernbach, Clavier-Instrumenten-Macher in Mainz“, gebaut zwischen 1780 und 1790, detailliert beschrieben (Maße, Tonumfang, Mechanik, Besaitung etc.) bei Clinkscale, bis Anfang der 1940er Jahre Teil der Sammlung Neupert (D-Ngm), dann veräußert ans Händel-Haus Halle (D-HAh), im Krieg verloren gegangen; die Behauptung, wonach sich dieses Instrument im Besitz Mozarts befand (Le Cri de Lyon 1937: „un piano de Mozart fabriqué par Querenbach [!] à Mayence“), kann nicht bestätigt werden.
Quellen — Kirchenbuchkartei Mainz <> Zivilregister (frz.) Mainz <> Recensement de l’an VIII, Mai 1800 <> N. N., Kunstsache (Geschäftsempfehlung), in: Der Anzeiger. Ein Tagblatt zum Behuf der Justiz, der Polizey und aller bürgerlichen Gewerbe (Gotha) 28. Juli 1791, Sp. 152 <> Le guide de la ville de Mayence contenant la dénomination de ses six sections, rues, maisons et de leurs numéros, ainsi que des habitans avec leurs qualités, états, professions ou métiers, Mainz: Pfeiffer 1800, S. 85 <> N. N., Un musée des instruments de musique à Nuremberg (Kurzbericht über die Neueröffnung der Musikinstrumentensammlung Neupert), in: Le Cri de Lyon. Hebdomadaire indépendant de critique et d’information 23. Juli 1937
Literatur — Franz Josef Hirt, Meisterwerke des Klavierbaus. Geschichte der Saitenklaviere, 1440–1880, Olten 1955, S. 490 (nur Erwähnung) <> Gottron 1959 <> Konrad Sasse, Katalog zu den Sammlungen des Händel-Hauses in Halle, Bd. 5, Musikinstrumentensammlung. Besaitete Tasteninstrumente, Halle/Saale 1966, S. 56f. (mit Foto) <> John Henry van der Meer, Die klavierhistorische Sammlung Neupert, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 1969, S. 255–266, hier: S. 255, Nr. 87 <> Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano, 1700–1820, New York, 1993, S. 223 <> Donald H. Boalch, Makers of the Harpsichord and Clavichord 1440–1840, Oxford 31995, S. 152 <> HenkelLdK
Abbildung: Eintrag in Le guide de la ville de Mayence, 1800
Bernd Krause