(1) Carl (I) * Horchheim (heute Stadtteil von Koblenz) 27. Okt. 1811 | † Koblenz 28. Aug. 1892; Klavierbauer

(2) Carl (II) (Joseph) * Koblenz 30. Juli (nicht 28.) 1846 | † ebd. 26. Dez. 1906; Sohn von (1), Klavierbauer


(1) Der Sohn des Hochheimer Schreiners und Winzers Nikolaus Manth konnte sich – vertrauen wir dem Nekrolog – aufgrund seines außergewöhnlich guten Gehörs bereits als 15jähriger Klavierstimmer in der Region einen Namen machen; Joseph Andreas Anschuez soll ihn als „Mozart im Stimmen“ bezeichnet haben. Seit 1827 erlernte Mand in Wien das Klavierbauerhandwerk und gründete nach seiner Rückkehr 1835 in Koblenz eine eigene Firma. Die Fabrikation von Tafelklavieren und Flügeln – in den Jahren 1838–1840 unterstützt durch den vermögenden Komponisten Franz →Hünten – gestaltete sich erfolgreich, wobei ein Konzert im August 1839 in Koblenz als eigentlicher Durchbruch gewertet werden kann: Sigismund Thalberg zeigte sich begeistert von dem ihm zur Verfügung gestellten Instrument, und der Geiger Charles-Auguste de Bériot bestellte sich einen Mand-Flügel für seinen persönlichen Gebrauch. Geradezu folgerichtig war 1853 die Ernennung zum Hoflieferanten von Prinzessin bzw. (seit 1861) Königin (und ab 1871 Kaiserin) Augusta sowie 1875 zum Hofpianoforte-Fabrikanten des Landgrafen von Hessen. Die Gründung einer gemeinsam mit →Heinrich Wendel (1850–1883) geführten Wiesbadener Filiale fällt vermutlich in dieselbe Phase; die Filiale ist bis 1885 nachweisbar. Ein (undatierter) Verlagsprospekt rühmt die Erzeugnisse von „Fabrik und Kontor Mand Gegr. 1835.“ als die „einzigen deutschen Fabrikate, welche in 15 Jahren mit 19 nur ersten Preisen ausgezeichnet wurden“. Das Koblenzer Adressbuch führt 1863 Carl Mand als Dirigenten des Männergesangvereins Orpheus sowie 1868 Mand (ohne Vornamen) in gleicher Funktion an. Ob wir hierin einen Beleg für die Vielseitigkeit des Klavierbauers erblicken dürfen oder einen Irrtum (in Form einer Verwechslung mit dem zur gleichen Zeit tätigen Musiklehrer Aloys Mand) anzunehmen haben, sei zunächst dahingestellt.

Abbildung 1: Tafelklavier von Carl Mand (I) (op. 632, ca. 1850), Orgel Art Museum Rhein-Nahe Windesheim, Mand-Sammlung Koblenz in der Festung Ehrenbreitstein; Foto: Birger Petersen



(2) Carl Mand jun. leitete gemeinsam mit seinem Vater ab 1868 das Familienunternehmen und wurde 1875 Teilhaber; als Carl Mand sen. 1882 in den Ruhestand trat, übergab er seinem Sohn Carl jun. die Geschäftsführung. Dieser wurde unter anderem zum Hoflieferanten der Kaiserin und Königin von Preußen ernannt. Mand war Mitbegründer des Vereins Deutscher Pianofortefabriken.

Nachdem Carl Mand jun. ohne Nachkommen verstorben war, wurde das Unternehmen 1907 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Rheinische Pianofortefabriken A.-G. vormals C. Mand überführt, die im gleichen Jahr auch die seit 1832 ebenfalls in Koblenz ansässige Konkurrenzfirma Heinrich Knauss und Söhne übernahm. Anders als Vater und Sohn Mand, die sich vor allem um den Inlandsmarkt bemühten, betrieb die Aktiengesellschaft verstärkt den Export ins Ausland. 1911 gründete sie unter Paul Kappler eine dritte Fabrik in Andernach; 450 Mitarbeiter produzierten jährlich über 3.000 Instrumente. 1929 wurde die Produktion als Folge der Weltwirtschaftskrise eingestellt; das Unternehmen wurde am 13. Oktober 1930 endgültig aufgelöst.

Zu den auffälligsten Konstruktionen Carl Mands jun. gehört der achteckige Mand-Olbrich-Flügel, dessen Gehäuseform um 1900 vom Jugendstilarchitekten Joseph Maria Olbrich für den Musiksalon Großherzog Ernst Ludwigs entworfen wurde (Mathildenhöhe Darmstadt und Berliner Musikinstrumentenmuseum); zwei kleinere Flügelformen, den „Glockenflügel“ und den „Eckflügel“, ließ sich Carl Mand jun. patentieren, außerdem „Klangstäbe“, die im Resonanzboden des Flügels als „Tonsammler“ dienen sollen, und „T-Rippen“ zur Verstärkung. Die meisten erhaltenen Instrumente der Familie Mand befinden sich in Privatbesitz; das Landesmuseum Koblenz unterhält eine Sammlung in der Festung Ehrenbreitstein.

Abbildung 2: Carl Mand (II), in: Carl Mand †, in: Zeitschrift für Instrumentenbau 11. Jan. 1907, S. 309

Abbildung 3: Carl Mands Eck-Glockenflügel, in: Zeitschrift für Instrumentenbau 21. Juni 1905, S. 806

Abbildung 4: Briefkopf der Firma Carl Mand auf einem Schreiben vom 29. Dez. 1890; D-KBsta (Best. 623 Nr. 5278, S. 318)


Quellen — KB Koblenz (St. Kastor); KB Horchheim; Familienbuch Horchheim <> Standesamtsregister Wiesbaden <> Adressbücher Koblenz und Wiesbaden <> J. C., Carl Mand †, in: Zeitschrift für Instrumentenbau 21. Sept. 1892, S. 740 (mit Porträt), 749, 751 <> Carl Mand, Carl Mand’s neue T-Rippen für Resonanzböden, ebd. 1. Sept. 1894, S. 826–828 <> N.N., Klangstäbe (Tonsammler) an Klavier-Resonanzböden, ebd. 21. Juli 1899, S. 885 <> N.N., Der Mandolbrich-Flügel und die Darmstädter Künstler-Kolonie, ebd. 19. Juni 1901, S. 676–678 (mit Innenansicht) <> N.N., Der Mandolbrich-Flügel, ebd. 1. Sept. 1901, S. 885 (mit Außenansicht) <> W. Maase, Die Musikinstrumente auf der Düsseldorfer Industrie-, Kunst- und Gewerbe-Ausstellung, ebd. 21. Juli 1892, S. 813–817 <> N.N., Carl Mands Glockenflügel, ebd. 11. Sept. 1903, S. 972–973 <> N.N., Carl Mands Eck-Glockenflügel, ebd. 21. Juni 1905, S. 806–807 <> N.N., Carl Mand †, ebd. 11. Jan. 1907, S. 309 (mit Porträt)

LiteraturFaszination Klavier. 300 Jahre Pianofortebau in Deutschland, hrsg. von Konstantin Restle, München 2000 <> HenkelLdK <> Florian Speer, Ibach und die anderen. Rheinisch-Bergischer Klavierbau im 19. Jahrhundert, Wuppertal 2002, S. 274–276 <> Wolfgang Schütz, Koblenzer Köpfe. Personen der Stadtgeschichte – Namensgeber für Straßen und Plätze, Mülheim-Kärlich 22005, S. 363


Birger Petersen

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  • angelegt 2019/09/13 22:11