Sebastian Limbach
LIMBACH, SEBASTIAN * (Mainz-) Bretzenheim 19. Nov. 1773 | † Mainz 11. Juni 1850; Perückenmacher, Lithograph
Limbach, Sohn des Bretzenheimer Schullehrers Jakob Limbach, verlor bereits in seinem vierten Lebensjahr seine Eltern und dürfte bei seinem älteren Halbbruder Bonifaz Limbach (* ca. 1754) aufgewachsen sein. Dieser hatte 1768 sein Studium (Poetik) an der Mainzer Universität aufgenommen und war im Sept. 1777 Adjunkt seines Vaters geworden, bevor er nach dessen wenig später erfolgten Tod die Stelle übernahm. Sebastian Limbach ergriff hingegen einen handwerklichen Beruf: 1799 heiratete er in Mainz als Perückenmacher und wird im Adressbuch 1800 als Friseur bezeichnet. Dass er in musikalischen Kreisen verkehrte, zeigt der Eintrag seiner zweiten Eheschließung als Witwer im Jahr 1814, der ihn einerseits als „Bimboletier“ (i. e. Hersteller von Spielzeug, Souvenirs oder Nippes) verzeichnet, aber Johann Joseph Schott und Johann Arnold als Trauzeugen ausweist. Limbach revanchierte sich 1821 als Trauzeuge für Arnold und die verwitwete Elisabeth Linse und wird in diesem Eintrag wiederum als Musikant bezeichnet. Seit spätestens 1818 war er für Schott tätig, wobei er laut Lohnbuch u. a. für die Herstellung von Blasinstrumentenkästen bezahlt wurde (es ist ungewiss, ob er die Auskleidung und Fertigstellung oder auch Schreinerarbeiten übernahm). 1820–1822 kommen Posten für Zeichenstunden hinzu, die er vermutlich auf Kosten des Verlags zur Fortbildung erhielt (als Lehrer käme Heinrich Coentgen infrage; gleichwohl ist nicht gänzlich auszuschließen, dass sich die Einträge auf von Limbach gegebene Zeichenstunden beziehen könnten). Dass er durch seinen ersten Beruf über gute handwerklich-künstlerische Anlagen verfügte, ist anzunehmen, und sicherlich war der Kontakt zur Familie Linse ausschlaggebend für sein Erlernen der Lithographie. Von 1821 bis 1823 ist er als Lithograph mehrerer Schott-Ausgaben bzw. -Titelseiten nachzuweisen, die keinen Zweifel an seinen Fähigkeiten zulassen und teils deutlich an die Titelillustrationen Heinrich Coentgens erinnern. Auch steuerte Limbach 1823 eine lithographierte Beilage zur Mainzer Zeitschrift Der Spiegel (Lith. Nr. 10, 19. Nov. 1823) bei. Auf welchen Limbach sich der im Lohnbuch erwähnte „Klein Limbach“ bezieht, der wohl auch zur Bezeichnung Sebastian Limbachs als „Limbach Vater“ führte, ist unklar. Aus der ersten Ehe mit Catharina Joseph Kuch († Mainz 26. Jan. 1814) gingen keine Kinder hervor, aus der zweiten Ehe mit Elisabeth Schmutter nur die Tochter Margaretha Limbach (* Mainz 13. Jan. 1817 | † München 2./3. Apr. 1864), die zu diesem Zeitpunkt zu jung gewesen wäre. Limbach schied vor 1833 aus dem Verlag aus und ist auch im Mainzer Adressbuch nur bis 1836 (zuletzt als Privatier) geführt. Mutmaßlich beschränkte er sich nun darauf, die Karriere seiner Tochter zu fördern. Diese war als Sängerin tätig und kam – so fasst es die Neue Berliner Musikzeitung vom 28. Mai 1851 zusammen – „zuerst unter diesem Namen [Frl. Limbach] in Mainz als Choristin zum Theater […], [ist] dann zur Frau Freimüller metamorphosirt, später wieder zum Frl. Limbach zurückverwandelt und unter diesem Namen z. B. in Schwerin engagirt und jetzt in Mad. de Fontaine verpuppt.“ Ihr erster Ehemann Ignaz Freymüller (* Klagenfurt 31. März 1804 | † Regensburg 13. Sept. 1877) war ebenfalls Sänger – der zweite Ehemann Henri Louis Stanislaus Mortier de Fontaine (1816–1883) Pianist und Komponist (er widmete ihr sein Lied Für Dich op. 10 (Kassel: Luckhardt [1851])). Letzteren hatte sie vermutlich 1850 in Wiesbaden kennengelernt, wo beide bei Kurkonzerten mitwirkten. Weitere Gastpiele am Mittelrhein gab Margarethe Limbach 1845 (Mainz) und 1846 (Frankfurt/M.) und sie war 1850/51 am Mainzer Theater engagiert. Zu ihrer Bühnenlaufbahn vgl. Kutsch/Riemens.
Quellen und Referenzwerke — KB Bretzenheim (St. Georg), KB Leipzig (St. Trinitatis), KB Klagenfurt (Dom) <> Kirchenindexkarten Mainz; Zivilstandsregister und Familienregister Mainz <> Adressbücher Mainz <> Briefe an Schott (2, 1821, 1833); D-Mbs <> Einträge im [Schott] Taglohn und Arbeiter Zalungs[!] Buch [1818–1822]; D-MZsch <> Verzeichnis der Studierenden der alten Universität Mainz, Lieferung 1, Wiesbaden 1979, S. 524 <> Art. Limbach, Margarethe und Freimüller, Ignaz, in: Kutsch/Riemens 42003
Abbildung: Titelseite des Klavierauszugs zu Carafas Le Solitaire, gezeichnet „S. Limbach, Lith.“, Mainz: Schott [1823]; D-Mbs (digital)
Kristina Krämer