Friedrich Wilhelm Kiel
KIEL, (JOHANN) FRIEDRICH WILHELM * Abtsbessingen (Kyffhäuserkreis) 26. Sept. 1777 | † Sondershausen 27. März 1857; Sänger, Musiklehrer, Komponist
Über die Jugend Friedrich Wilhelm Kiels ist nichts bekannt; man wird aber annehmen dürfen, dass er durch seinen Vater, den Kantor Georg Gottfried Kiel, eine musikalische Ausbildung erhielt. Erstmals greifbar wird er 1804 als Sänger und Mitglied der Magdeburgischen Schauspielgesellschaft. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mit (Josepha) Karoline (Franziska) geb. Gauß (* Stuttgart 2. Apr. 1785 | † Detmold 30. Juli 1874; Eheschließung mutmaßl. 1802) verheiratet, deren Eltern am Stuttgarter Hoftheater als Hofmusiker und Sängerin tätig waren. Das Sängerehepaar Kiel lässt sich im Anschluss an das Magdeburger Engagement in Hamburg (1804/05), Bremen (1806), Kassel (1808), Stuttgart (1808/09) und Karlsruhe nachweisen. Das von Friedrich Wilhelm Kiel 1810 in der Presse angezeigte Vorhaben, nach seinem Ausscheiden aus dem Karlsruher Theater dort weiter als Gesangs- und Gitarrenlehrer wohnhaft zu bleiben, scheint er allenfalls für zwei Jahre umgesetzt zu haben. In dieser Zeit erschienen von ihm komponierte Lieder in Mainz und Karlsruhe im Druck. Die Widmungsträgerin der Karlsruher Publikation, Gräfin Amalia von Hochberg, hatte zuvor bereits als Taufpatin von Kiels Tochter Amalie (Christine) (* Karlsruhe 17. März 1810) fungiert. 1812 und 1813 kamen Söhne des Ehepaars in Wiesbaden zur Welt (Taufzeuginnen wie Hofschauspielerin Louise Feige und Prinzessin Auguste von Nassau mögen einen Hinweis auf die gesellschaftliche Stellung des Paars geben), ehe sich die Kiels nach Kassel wandten. Am dortigen Theater unter der Leitung von Carl Guhr war die Familie – die Töchter und späteren Sängerinnen (Catharina Caroline Kunigunde Antoinette Friederike) Franziska (* Kassel 23. Jan. 1808 | † Braunschweig 7. Aug. 1870, verheir. Cornet) und die bereits erwähnte Amalie traten hier in Kinderrollen auf – 1814/15 tätig, bevor sie an das reorganisierte Theater nach Braunschweig kam (hier gehörte Wilhelm Gollmick zu ihren Sängerkollegen). Die Stadt blieb für mehrere Jahre der Lebensmittelpunkt der Familie. Friedrich Wilhelm Kiel zog sich im Jahr 1820 von der Bühne zurück und eröffnete eine Singschule. Seine Frau war noch bis mindestens 1824 am Theater als Sängerin und Schauspielerin, teilweise auch auswärts für Gastspiele (u. a. 1821 in München, Kassel und Frankfurt/M.), engagiert. Um 1827 kam Kiel als Regisseur an das Hoftheater in Sondershausen und wurde bei dessen Wiedereröffnung 1841 Inspektor desselben, ehe er in den Ruhestand ging.
Der Ehe mit Franziska Kiel entsprangen mehrere musikalische Kinder – neben den oben erwähnten Töchtern Franziska und Amalie sind weiterhin zu nennen: der Sänger (Carl) Ludwig Adolph Kiel (* Wiesbaden 1. Apr. 1812 | † Schwerin 5. Okt. 1857), der Geiger (Spohr-Schüler) und Kapellmeister August (Clemens Carl) Kiel (* Wiesbaden 26. Mai 1813 | † Detmold 28. Dez. 1871), Schauspielerin (Henriette Wilhelmine) Marie Kiel (* Braunschweig 23. Juni 1823; seit 1846 verh. Rohde) und der Sondershausener Bürgermeister und Liedertafeldirigent Wilhelm Kiel (* Braunschweig 20. Dez. 1820 | † (Berlin-) Friedrichshain 12. Jan. 1885). Keine Verwandtschaft bestand hingegen zum Komponisten Friedrich Kiel (1821–1885).
Werke — 1) gedruckt (zur hs. Überlieferung einzelner Stücke daraus siehe RISMonline): IV Lieder (Sst., Kl.; 1. Romanze, 2. Der Traum im Wiesenthale, 3. Beruhigung, 4. Mein Liebchen), Mainz: Schott [1810]; D-B, D-Mbs (digital) <> Zehn Lieder (Sst., Git.; 1. „Siehst du nicht auf jenem Hügel“, 2. Der Hirtin Nachtlied, 3. Adeleide, 4. Die Alpen, 5. An die Rose, 6. Klage, 7. Beruhigung [wie oben], 8. Mein Liebchen [anders als oben], 9. Erinnerung, 10. Aria aus der Schweizerfamilie von Weigl) (Widmung an Gräfin Amalia von Hochberg), Karlsruhe: Orth [1811]; D-KA (digital), D-Mbs
2) nicht im Druck erschienen: Nach Trennung Wiedersehn (Sst., Git.); Ms. in D-KA, s. RISM ID 450013302 <> Arrangements: Anon., Aria „Dein gedenk’ ich wenn die Morgenfeier“ (Sst., Git.); Ms. in D-KA, s. RISM ID 450014151 und 450020138 <> Solié, Air. Aus dem Geheimniss (Sst., Git.); Ms. in D-KA, s. RISM ID 450014152 und 450020140 <> Della Maria, Romance. Aus den Gefangenen (Sst., Git.); Ms. in D-KA, s. RISM ID 450020139
Quellen — KB Abtsbessingen; KB Stuttgart (ev.); KB Kassel (luth.); KB Karlsruhe (luth. Stadtkirche); KB Wiesbaden (ev.); KB Schwerin (Schloss); KB Detmold (luth.); KB Braunschweig (St. Magni); KB Sondershausen (ev.); KB Friedrichshain (St. Andreas) <> Briefe an Spohr (2, 1824, s. Spohr-Briefe) <> Almanach fürs Theater, Berlin 1807–1808, 1811–1812; Journal des Kurfürstlich Hessischen Hoftheaters zu Cassel, Cassel 1815–1816; Taschenbuch für Schauspieler und Schauspielfreunde für das Jahr […], Stuttgart/München 1816–1817, Wien 1821–1823 <> Der Freimüthige 14. Mai 1804, 14. Jan. 1805; Zeitung für die elegante Welt 10. Nov. 1804, 13. Nov. 1806, 21. Apr. 1814, 23. Apr. 1814, 9. Juli 1814, 8. Okt. 1814, 29. Okt. 1814, 2. Febr. 1815, 3. Febr. 1815, 27. Febr. 1815, 9. Mai 1815, 21. Aug. 1815, 19. Sept. 1815, 28. Okt. 1815, 25. Apr. 1816, 4. Okt. 1816, 25. Febr. 1817, 17. Okt. 1817, 31. Okt. 1817, 19. März 1818, 9. Juni 1818, 31. Okt. 1818, 18. Febr. 1819, 1. Apr. 1819, 2. Juli 1819, 17. Dez. 1819, 8. Apr. 1820, 10. Apr. 1820, 24. März 1821; Morgenblatt für gebildete Stände 30. Apr. 1808, 29. Dez. 1808, 5. März 1814, 29. März 1814, 12. Aug. 1814, 28. Jan. 1815, 18. Nov. 1818; Karlsruher Zeitung 2. Juni 1810; Großherzoglich Badisches Anzeige-Blatt 21. Juli 1810; Großherzoglich-Badische Staatszeitung 24. Juli 1811; Casselische Polizei- und Commerzien-Zeitung 9. Apr. 1814 (2. Beilage); AmZ 5. Okt. 1814, 17. Mai 1815, 23. Aug. 1815, 8. Okt. 1817, 23. Juni 1819, 11. Apr. 1821, 5. Juni 1822; Der Gesellschafter 7. Apr. 1820, 4. Okt. 1822, 17. Sept. 1824, 17. Juni 1826; Der Beobachter am Main und Rhein 29. Juni 1821, 14. Juli 1821; Flora (München) 31. Juli 1821, 3. Aug. 1821; Fürstlich Schwarzburgisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt (Sondershausen) 31. Jan. 1836; Didaskalia 29. Okt. 1841; Allgemeine Theater-Chronik 22. Okt. 1852 (betr. goldene Hochzeit des Ehepaars Kiel und deren Familie)
Referenzwerke und Literatur — Günther Lutze, Die Fürstliche Hofkapelle zu Sondershausen von 1801–1809. Festschrift zur Hundertjahrfeier der Lohkonzerte 1901, Sondershausen 1901, S. 37f. <> Richard Müller-Dombois, Die Fürstlich Lippische Hofkapelle, Regensburg 1972 <> Art. Cornet-Kiel, Franziska und Kiel, Ludwig, in: Kutsch/Riemens 42003
Abbildung 1: Titelseite der IV Lieder, Mainz: Schott [1810]; D-Mbs
Abbildung 2: Titelseite der Zehn Lieder, Karlsruhe: Orth [1811]; D-KA
Kristina Krämer