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HÖLZER, (FRANZ) ANTON * Langenschwalbach (heute Bad Schwalbach) 1. Jan. 1858 | † Berlin 28. Jan. 1894 (nicht 1893); Zitherist

Als Sohn des Langenschwalbacher Kurhausbesitzers wird Anton Hölzer frühzeitig mit allen Vergnüglichkeiten des Kurbetriebs – inkl. der vielen Formen musikalischer Zerstreuung – in Kontakt gekommen sein. In Frankfurt wurde er Schüler Philipp Grasmanns, ließ sich dort als Zitherlehrer nieder und warb 1882 auch in Wiesbaden um Schülerinnen und Schüler; dies natürlich nicht ohne seinen Meister, den „berühmten Zithervirtuosen Ph. Grasmann“ zu nennen. 1886 nahm er seinen Wohnsitz als „Zitherlehrer und Komponist“ in Berlin (Adressbuch 1887), trat mit seinen Schülern gemeinsam auf und eröffnete im folgenden Jahr eine „Zither-Akademie“. 1889 kamen ein Musikalienverlag (insbesondere zum Zweck der Verbreitung der eigenen Kompositionen) sowie 1891 eine Musikalien- und Instrumentenhandlung namens „Arion“ hinzu. Bereits im März 1893 bot Anton Hölzer sein Geschäft „in belebtester Gegend Berlins“ (nach einigen Umzügen zuletzt in der Spandauer Str.; Berliner Tageblatt 22. März 1893) aus gesundheitlichen Gründen zum Verkauf an; wenig später verstarb er – wir zitieren aus der zeitgenössischen Zither-Fachpresse: „Der Musikdirektor Anton Hölzer in Berlin, Inhaber einer „Zither-Akademie“ daselbst, hat sich am 28. Januar l[aufenden] J[ahres] aus dem 4. Stocke des Untersuchungsgefängnisses, woselbst er wegen eines Sittlichkeitsverbrechens inhaftiert war, in das Erdgeschoss heruntergestürzt. Der Tod trat sofort ein. Hölzer hatte sich erst einige Tage vor Ausführung des Selbstmordes verlobt.“ (Echo vom Gebirg 1. März 1894). Unmittelbar nach dem tragischen Ereignis hatte bereits die Berliner Gerichts-Zeitung (30. Jan. 1894) berichtet: „Durch einen verzweifelten Sprung machte am Sonntag Mittag der im Moabiter Untersuchungsgefängnis internierte Zither-Virtuose Oelzel [!] seinem Leben ein Ende. Die Gefangenen hatten ihren mittäglichen Rundgang beendet und gingen die gewundenen Treppen zu ihren Zellen hinauf, als, am Absatz der dritten Treppe angelangt, H. [!] sich plötzlich aus der Reihe löste, die Stufen des vierten Stockwerkes mit Windeseile erklomm und sich kopfüber in die Tiefe stürzte […].“ Natürlich und am selben Tag unterrichtet auch die Berliner Morgen-Zeitung die Öffentlichkeit, wobei unser unglücklicher Zither-Virtuose hier „Helzer“ heißt. Das verbleibende Halbdutzend an Tagesblättern der Hauptstadt mögen unsere Leserinnen und Leser bei Interesse selbst duchsehen …

Werke — Hölzers Kompositionen für Zither (Tänze, Variationen, „Tongemälde“, Bearbeitungen mit Opuszahlen bis 35; weiterhin 1891 ein Schulwerk Der Zitherlehrer) erschienen seit 1881 bei Stoll in Leipzig sowie seit 1886 in Berlin bei Simrock und vor allem im Selbstverlag; sein Abschied aus der Mittelrheinregion wie auch seine Ankunft im Spree-Athen dokumentierte er mit den Walzern Erinnerung an Frankfurt op. 6 und Mein Gruss an Berlin op. 12 (beide 1886 bei Stoll erschienen). Das Spektrum der Zithermusik zeigt sich daneben angesichts der Bearbeitungen von Liedern Johannes →Brahms’ (dessen opp. 49 Nr. 4, 71 Nr. 5 und 84 Nr. 4 als Hölzers op. 32, Simrock [1889]) und Hans Schmidts (dessen op. 5 innerhalb Hölzers op. 31, ebd. [1889]). Überliefert sind nur wenige Werke in D-B.

Quellen — KB Langenschwalbach <> Adressbücher Berlin <> Todesmeldung in: Berliner Gerichts-Zeitung 30. Jan. 1894, Berliner Morgen-Zeitung 30. Jan. 1894, Echo vom Gebirg. Fachblatt für die Interessen des Zitherspieles (Tölz) 1. März 1894 <> Wiesbadener Tagblatt 28. Febr. 1882, 4. März 1882; Berliner Tageblatt 25. Sept. 1886, 22. März 1893 <> MMB; Pazdírek

Literatur — Hans Kennedy, Die Zither in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Tölz 1896, S. 153, 174–176 <> Art. Hölzer, Franz Anton, in: FiedlerL <> Margit McCorkle, Johannes Brahms. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis, München 1984, S. 202, 305, 351

Abbildung: Anzeige Hölzers im Wiesbadener Tagblatt 28. Febr. 1882


Axel Beer

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