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BÜTTINGER, CARL CONRAD * Mainz 25. Sept. 1788 | † ebd. 17. Jan. 1832; Violinist, Musikdirektor und Komponist

Carl Conrad Büttinger entstammte einer wohlhabenden Mainzer Weinwirtsfamilie, die seine musikalischen Talente und Interessen umfänglich förden ließ, wobei über die Lehrer vorläufig nichts bekannt ist. Der Tod des Vaters (1812) und der – wohl kriegsbedingte – Verlust des Vermögens durch die Mutter ließen das zunächst beiläufige Musikmachen zum existenziellen „Brotstudium“ werden (Nekrolog in der Didaskalia). In der Rückschau attestierte Schilling (s. u.) dem Musiker aufgrund häufig wechselnder Aufenthaltsorte und Tätigkeiten eine „geniale Lebensweise”; er „durchschiffte“, wie der Nekrolog in der Neuen Mainzer Zeitung berichtet, „20 Jahre hindurch das wilde Meer der Welt“: Zuerst wird er greifbar als Stuttgarter Hofmusiker, der zudem am königlichen Musikinstitut Violinunterricht gab (1815/16); über Preßburg gelangte er nach Hanau, wo er als Musikdirektor einer Schauspielgesellschaft engagiert war (Ende 1816); im Februar 1817 bot er in der Mainzer Presse seine Dienste als Gitarren-, Violin- und Kompositionslehrer an und fand um die Mitte des Jahres kurzzeitig eine Anstellung als Geiger im Mainzer Theaterorchester. Im Winter 1817/1818 begann Büttinger mit drei bzw. vier weiteren Musikern (teils als „Quintcordium“ bezeichnet) eine ausgedehnte Konzertreise, die ihn u. a. nach Krefeld (Jan. 1818), Münster (März und Oktober 1818), Düsseldorf, Brüssel (Juli 1818), Aachen (Aug. 1818), Amsterdam (Sept. 1818), Hannover, Berlin (Okt. 1818), Paderborn, Bielefeld, Herford, Minden (Okt., Nov. 1818), Hamburg (Jan. 1819), Berlin (Febr., März 1820), Kopenhagen (Apr. 1820) und Speyer (Konzert am 22. Jan. 1821) führte und bei der vor allem „der vierstimmige Gesang der gedachten Herren“ (Morgenblatt; s. u.), die auch wechselweise als Instrumentalisten auftraten, Gefallen fand. Anschließend wurde Büttinger (als Mitglied der Waltherschen Schauspielergesellschaft) für kurze Zeit Musikdirektor des Theaters in Halle (hier heiratete er – gleichsam auf der Durchreise – bereits am 13. Nov. 1820) und siedelte etwa 1823 nach Freiburg über, wo er als Herausgeber und Bearbeiter von Musikalien für den Verlag Herder tätig war. Ende 1827 machte er sich auf den Weg nach Breslau und gab 1828 in der Nähe von Namslau privaten Musikunterricht. Wenig später kehrte er, nachdem er „der nordischen Cholera“ ausgewichen war, „bereits krank in seine Vaterstadt“ Mainz zurück (Nekrolog in Didaskalia) und wurde bei der konstituierenden Sitzung der Mainzer Liedertafel am 31. Okt. 1831 zu deren Gesangsdirektor gewählt. Das erste, noch von ihm geplante Konzert der Liedertafel am 23. Jan. 1832 stand unter Leitung von Theaterkapellmeister Adolph →Ganz, der noch bei den allerersten Auftritten des „Quintcordiums“ mitgewirkt hatte, und war Büttingers Andenken gewidmet; der Erlös kam der Witwe und den Kindern zugute. Nach interimistischer Leitung der Liedertafel durch Ganz wurde Franz Messer am 30. Apr. 1832 auf die Stelle des Ersten Musikdirektors berufen und somit Büttingers eigentlicher Nachfolger.

Werke

a) Kompositionen — Vokalmusik: Mathilde, Oper (komp. bis 1817; ungedr., Ouverture aufgef. Berlin 1820); daraus Duett „Vorwärts richte deine Blicke“ mit Git.-Begl. in D-Kbeer (Ms.) <> Der Kyffhäuserberg (nach Kotzebue; ungedr., aufgef. Halle ca. 1822); daraus Ouverture und Chor in D-HAmi (Ms.) <> Große Messe (ungedr., lt. Schilling) <> Jehovas Lobgesang (ungedr., lt. Schilling) <> Instrumentalbegleitung zum [deklamierten] Vater Unser von Siegfried August Mahlmann (ungedr.; aufgef. Leipzig 1828) <> 3 Lieder (mit Git.- und Fl.-Begl.), Mainz: Schott [1813]; ehem. D-B <> VI Lieder mit Begleitung einer Guitarre, ebd. [1813]; D-Kbeer (s. Abb.), D-Mbs (digital) – einzelne Lieder separat als Nrn. 45–47 der Reihe Auswahl von Arien mit Guitarre Begleitung, ebd. [1813]; D-Mbs <> Treue. Ballade von Meyer (m. Kl.-Begl.), Hamburg: Cranz [1819] <> Romanze Der ritterliche Sänger (m. Kl.-Begl.), Mainz: Schott [1823]; D-Tu – dass. mit Git.-Begl. als Nr. 41 der Auswahl von Arien im Octav-Format, ebd. [1823]; D-B, D-Mbs (digital) <> Abendklänge eine Sammlung von Liedern Duettinos und Terzetten (m. Kl.-Begl.), 3 Hefte, Freiburg: Selbstverlag [ca. 1825]; D-KA (digital) <> weitere Lieder teils in Sammelwerken (s. u.); Lieder und Gesänge im Ms. s. RISMonline, darunter: Zur Geburtsfeyer von Johann Franz Xaver →Sterkel (1811), Ms. in D-MS (RISM ID 453006572) — Instrumentalmusik: Polonaise (Fl., Orch.), Offenbach: André [1817]; D-KA, D-MT (Abschrift), D-OF <> Quintetto (Fl., StrQu.), ebd. [1816]; D-BABHkrämer, D-KA (digital), D-OF <> Sonate (Git.), Mainz: Schott [1817]; D-B, DK-A <> Fantaisie et Polonaise (Fag. m. Begl. v. Vl., Va., Fl., Vc.) op. 7, Hamburg: Böhme [1819]; D-B <> Adagio et Thême varié (Besetzung wie op. 7) op. 8, ebd. [1819]; US-IO (Abschrift) <> Thême varié (Besetzung wie op. 7) op. 9, ebd. [1819]; DK-Kk <> Redouten-Walzer (Kl.), 1. Heft, Freiburg: Selbstverlag [um 1825]; D-KA (digital)

b) Herausgaben [die Reihenwerke sämtlich mit Beiträgen Büttingers, von dem vermutlich auch die Rahmentexte stammen] — Lyra, eine Sammlung von Liedern Balladen, Duettinis der vorzüglichsten Komponisten (m. Kl.- u. Git.-Begl.), Freiburg: Herder, 4 Bde. [1824]; vgl. FellingerPM, S. 672ff.; CH-Bu <> Musikalisch-dramatische Blumenlese (m. Kl.-Begl.), ebd., 4 Bde. [1824–1825]; vgl. FellingerPM, S. 679ff.; D-Kbeer, D-KA, D-Mbs (Bd. 2–4), D-SPlb <> Polyhymnia eine Sammlung vierstimmiger Gesänge ohne Begleitung, ebd., 4 Bde. [1824–1825]; vgl. FellingerPM, S. 736ff.; D-FRh <> Vierstimmige Gesänge, arrangiert aus Opern Webers, Rossinis etc. 2 (?) Hefte, ebd. [1825] <> Schul- und Gesangbuch für die Singanstalt zu Freiburg, ebd. 1827

c) Bearbeitungen — Euryanthe (C. M. v. Weber), erleichterter KlA., Freiburg: Herder [1824] (vgl. hierzu Allgemeine Zeitung; s. u.); D-Dl, D-HAu, D-KA, D-Mbs, D-WRh (digital), D-WÜu <> Arrangements von Liedern anderer Komponisten (Carl Nicola, Wilhelmine von Tschiersky) für die Reihe Auswahl von Arien im Octav-Format (m. Kl./Git.-Begl.), Mainz: Schott [1823]; D-Mbs (digital Nr. 38, 39, 40, 42), D-Tu <> Lehrbuch der Anfangsgründe der Musik in Fragen und Antworten (freie Übersetzung von Bonifazio Asiolis Principi elementari di musica, Mailand 1811), Mainz: Schott 1823; D-B, D-Mbs (digital), D-MZs, D-Rp

Quellen — KB Halle (Marktkirche) und Mainz (St. Quintin), Familienregister Mainz <> Akte Büttinger in D-DSsa (D 12, 5/55; digital) <> Akten des kgl. württembergischen Musikinstituts; D-LUs (digital) <> NN., [Nekrolog] (An die edeln Kunst- und Menschenfreunde in Mainz), in: Neue Mainzer Zeitung 20. Jan. 1832 (Beilage) <> NN., [Nekrolog], in: Didaskalia 23. Jan. 1832 <> AmZ (s. Reg.); Mainzer Zeitung 25. Febr. 1817; Crefelder Wochenblatt 28. Jan. 1818; Münsterisches Intelligenzblatt 24. März 1818, 3. Apr. 1818, 9. Okt. 1818; Aachener Intelligenz-Blatt 30. Jul. 1818, 6. Aug. 1818, 15. Aug. 1818; Sonntagsblatt (Minden) 15. Nov. 1818; Originalien aus dem Gebiete der Wahrheit, Kunst, Laune und Phantasie (Hamburg) Jan. (Nr. 1) 1819; Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg 9. Jan. 1819, 16. Jan. 1819; Kongelig allene privilegerede Adresse-Avis og Avertissementstidende (Kopenhagen) 30. Apr. 1819; Morgenblatt für gebildete Stände (Stuttgart) 6. Juli 1819; Berlinische Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen 15. Febr. 1820, 17. Febr. 1820, 29. Febr. 1820; Hallisches patriotisches Wochenblatt 18. und 25. Nov. 1820; Neue Speyerer Zeitung 20. Jan. 1821; Allgemeiner deutscher Theater-Almanach für das Jahr 1822, Braunschweig 1822, S. 405; Allgemeine Zeitung (Augsburg) 15. März 1824 (Beilage Nr. 50); Leipziger Zeitung 22. Jan. 1828 <> HmL, MMB <> Festschrift 1884 <> weitere Quellen in D-MZl <> freundliche Mitteilungen von Herrn Dr. Franz Stephan Pelgen (Nierstein)

Literatur — Carl Julius Adolf Hoffmann, Die Tonkünstler Schlesiens, Breslau 1830, S. 481 <> Peth 1879, S. 178f. <> SchillingE <> StiegerO <> FellingerPM <> MDB

Abbildung: Titel der VI Lieder mit Begleitung einer Guitarre, Mainz: Schott [1813]; D-Kbeer


Axel Beer (unter Benutzung von Vorarbeiten von Günter Wagner †)

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