FUCHS, HUGO * Dessau 24. Nov. 1837 | † Wiesbaden 24. Apr. 1900; Cellist, Klavierhändler, Hotelier
Vor allem wegen seines eher unkonventionellen Lebenswegs sei dem Musiker ein kleines Denkmal gesetzt – auch nebenbei deshalb, weil sein Vater (Christian) Heinrich (Leberecht) Fuchs (* Dessau 18. Febr. 1791 | † ebd. 14. März 1849), seit 1822 als Hornist Herzoglicher Hofmusiker in Dessau, 1843 mit seinem Concertino für Horn und Orchester op. 6 Autor des Verlags Schott in Mainz wurde. Hugo, ohne Zweifel Heinrichs Schüler, war seit etwa 1860 Cellist des Wiesbadener Theaterorchesters. In den Jahren 1868 bis 1872 gehörte er auch dem von Joseph Rebicek angeführten Quartett-Ensemble an, dessen Kammermusik-Soiréen zu den besonderen Attraktion des Wiesbadener Musiklebens zählten. Nachdem Fuchs in September 1869 weiterhin ein Piano-Magazin eröffnet hatte, in dem Instrumente „neuester Construction aus den besten und renommirtesten Fabriken zum Verkaufen und Vermiethen“ anbot (Wiesbadener Tagblatt 1. Sept. 1869 u. ö.) und das bis Ende 1872 bestand, begab er sich unter die Hotelbesitzer: Zu Beginn des Jahres 1873, zu dem Zeitpunkt also, da der Kurbetrieb in städtische Hände überging, erwarb er den Europäischen Hof; genauer gesagt: Seine Gattin Marie Amalie (1848–1903) – die Eheschließung lag noch nicht anderthalb Jahre zurück – wird ihn von ihrem Vater, dem im Juni 1872 verstorbenen „Badewirth“ Philipp Christian Hoffmann, geerbt haben. Die Lage des Hauses am Kochbrunnenplatz war insbesondere für musikliebende Gäste günstig, denn seit 1873 sorgten das Kurorchester bzw. eine Militärkapelle während der Saison bereits morgens zwischen sechs und acht Uhr für gute Laune an der berühmten heißen Quelle. Vielleicht trug der Hotelchef auch bisweilen selbst als Musiker zur Unterhaltung bei. Dass Fuchs weiterhin, wenn auch in eingeschränktem Maße, öffentlich spielte, weiß man: 1878 beispielsweise trat er in einer der Kammermusik-Soiréen Rebiceks auf, in denen während derselben Saison auch bereits Carl Heymann, Louise Langhans-Japha, Benno Voigt und Martin Wallenstein zu hören gewesen waren.
Quellen — KB (ev.) und Standesamtsregister Wiesbaden <> Adressbücher Wiesbaden <> Briefe Heinrich Fuchs’ an Schott (1840–1846, 1848); D-B, D-Mbs <> Louis Kindscher, Nekrolog (Fuchs sen.), in: NZfM 5. Apr. 1849 <> Wiesbadener Tagblatt 9. Nov. 1868, 1. Sept. 1869, 12. Apr. 1872, 4. Febr. 1873, 23. März 1878, 24. Apr. 1900 (Todesmeldung), 30. Apr. 1900 (private Todesanzeige) u. ö. <> Neue Berliner Musikzeitung 4. Apr. 1878
Abbildung: Hugo Fuchs macht auf seine „Geschäfts-Eröffnung“ aufmerksam; Wiesbadener Tagblatt 1. Sept. 1869
Axel Beer