William Dayas


DAYAS, WILLAM HUMPHFREYS (Humphries, Humphrey) * New York 12. Sept. 1863 | † Manchester 3. Mai 1903; Pianist, Organist, Pädagoge, Komponist

William Humphreys Dayas, Kind musikaffiner Eltern, bekam ersten Klavierunterricht bei Rafael Joseffy (1852–1915) und Sebastian Bach →Mills (1839–1898); das Orgelspiel lehrte ihn Samuel Prowse Warren (1841–1915), so dass er nach dem frühen Tod von Vater und Mutter ab 1877 seinen Lebensunterhalt als Klavierlehrer und Organist in New York (Fifth Avenue Presbyterian Church und St. Andrew’s Church) selbst bestreiten konnte. 1881 zog er nach Berlin und setzte seine musikalische Ausbildung fort bei Heinrich Ehrlich (1822–1899), Theodor Kullak (1818–1882; Kl.), Carl August Haupt (1810–1891; Org.) und Heinrich Urban (1837–1901; Komposition). Wenig später ging er nach Weimar, wo er Schüler Franz Liszts war; dessen große Sonate in h-moll wurde zum festen Bestandteil von Dayas’ Repertoire als Pianist und von diesem häufig auch in Leipzig vorgetragen. Als Nachfolger von Ferruccio Busoni trat er 1890 am Konservatorium in Helsinki eine Professur für Klavier an.

Dayas heiratete am 26. Juni 1891 in Peterborough, England, Margaret (Margarethe) Vocke (Fokke; * ca. 1870), die zeitgleich mit ihm Schülerin Liszts war. Aus der Ehe ging die Pianistin Karin (Elin Nadja) Dayas (* Helsinki 13. Mai 1892 | † Cincinnati, Ohio (USA) 4. März 1971) hervor, die in Weimar und Köln studierte und sich vorrangig zeitgenössischer Musik widmete; sie heiratete 1916 in Berlin den Königlichen Kammermusiker Auguste Ernest Söndlin (* Paris 18. Apr. 1883 | † Cincinnati, Ohio (USA) 26. März 1966).

Nachdem Dayas im März 1895 noch in Berlin zu hören war, wurde er ab dem 22. Apr. desselben Jahres in Wiesbaden – dem dortigen Publikum war er nach der Aufführung einiger seiner Werke kein ganz Unbekannter mehr – Nachfolger von Harold von →Mickwitz als Professor für Klavier am Freudenberg’schen Konservatorium, das in dieser Zeit von Albert Fuchs geleitet wurde. Zu seinen wenigen belegbaren Auftritten in Wiesbaden gehört ein Konservatoriumskonzert am 15. Mai 1895 im Casinosaal des Kurhauses – die Anstellung in Wiesbaden blieb nämlich eine kurze: Auf Einladung von Franz Wüllner wurde Dayas als Nachfolger von Eduard Mertke (1833–1895) ab Sept. 1895 Klavierlehrer am Konservatorium in Köln. Zu seiner Schülerschaft zählten hier, wie den Berichten über Vorspiele der „Klasse Dayas“ in der Tagespresse entnommen werden kann, vor allem junge Damen. Sein Wohnort blieb in dieser Zeit weiterhin Wiesbaden: Die amtlichen Fremdenlisten für Köln (Kölner General-Anzeiger von 17. Sept. 1895 bis 3. Apr. 1896) verzeichnen ihn als wohnhaft im Hotel Kaiser Friedrich und fast immer als „Pianist“ (ab Apr. 1896 meist: „Prof.“) mit Herkunftsort Wiesbaden; erst ab 16. Apr. 1896 erscheint er in Konzertankündigungen als „aus Köln“, in den Fremdenlisten weiterhin als „aus Wiesbaden“ (bis 5. Aug. 1896). Außer in Köln trat Dayas auch in Frankfurt/M. auf (Mitwirkung an einem Klavierabend von Alexander Siloti (1863–1945, ebenfalls Schüler Liszts, lebte zu dieser Zeit in Frankfurt) am 28. Okt. 1895 im Saalbau).

Aber auch in Köln hielt es ihn nicht lange: Im Herbst 1896 führte ihn sein Weg an das Royal Manchester College of Music in Manchester, wo er als Nachfolge von Charles Hallé (1819–1895) bis zu seinem Lebensende aktiv war. Nachfolger in Köln wurde der Däne Fritz Schousboe (1857–1898); in Manchester folgte ihm Arthur Friedheim (1859–1932), wie Dayas Schüler von Franz Liszt. Das College vergibt alljährlich den William Humphreys Dayas Prize für Komposition.

WerkeKompositionen: Polonaise (Kl.) op. 1, Berlin: Ries & Erler [1883]; D-B <> 2 Klaviersonaten op. 2, Berlin: ebd. [1884]; D-B <> 2 Salon-Compositionen (Fantasiestück und Scherzo; Kl.) op. 3, ebd. [1883]; D-B <> 4 Lieder (Sst., Kl.) op. 4 (Das verlassene Mädchen, Sag’, ich lass’ sie grüßen, Am Friedhof, Der alte Mühlbursche), ebd. [1883]; D-B <> Orgelsonate Nr. 1 op. 5, Leipzig: Kistner [1886]; D-B; von Adolf Wald aufgef. Marktkirche Wiesbaden 28. Okt. 1887 <> Der 23. Psalm (Chor) op. 6, Nr. 3, ebd. [1887]; D-B <> Orgelsonate Nr. 2 op. 7, ebd. [ca. 1888]; D-B, D-Mbs <> 12 Walzer (Kl. 4ms) op. 8 (2 Hefte), ebd. [1888]; D-B <> Streichquartett op. 9, ebd. [1889], UA Wiesbaden 29. Juni 1889 (Halir-Quartett; Konzert bei der 26. Tonkünstlerversammlung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins), vgl. NZfM 24. Juli 1889; D-B <> Stimmungsbilder (Sst., Kl.) op. 10 (2 Hefte), Leipzig: Fritzsch 1895; D-B, D-Mbs <> Violinsonate op. 11, Leipzig: Kistner [1898]; D-B <> Cellosonate op. 12, Carl Fuchs gewidmet, ebd. [1901]; D-B <> ohne Opuszahl: 2 Orgelsonaten, komp. in Amerika vor 1881 <> Bye-lo-land, Lullaby (Sst., Kl.), Cincinnati: John Church Co. 1888 Digitalisat <> How beautiful upon the Mountains, Christmas Anthem, Ney York: Schirmer 1888 <> Wanderlied (Sst., Kl.), erwähnt in Rheinischer Merkur 29. Juli 1896 <> Einst (Sst., Kl.), 1896; D-KNh (Abschrift; siehe RISMonline) <> Thompson nennt außerdem eine Suite (Streichorch.) <> Bearbeitungen: Übersetzungen (englischsprachige Ausgaben) von Muzio Clementi, Gradus ad Parnassum; Johann Baptist Cramer, 57 Etüden; Carl Czerny, Schule der Verzierungen, Vorschläge, Mordenten und Triller op. 355 und Kunst der Fingerfertigkeit op. 740 als The Art of Facility; alle Berlin: Schlesinger 1888; D-B <> Einrichtungen von Werken von Arthur Bird, Adolf Hesse, Josef Rheinberger; D-B

Quellen — Zivile Indices Heiraten und Sterbefälle England und Wales <> Zivilstandsregister Berlin-Wilmersdorf (Heiratsurkunde der Tochter) <> Nachlass (Briefe, Heiratsurkunde, Ernennungsurkunde Manchester, Manuskript eines Vortrags über Liszt, Fotos u. a.), CDN-HNu (siehe Bestandsbeschreibung) <> weitere Briefe von und an Dayas in D-B, D-Mbs (siehe Kalliope) <> August Göllerich, Biographie Liszts. Zweiter Teil, Leipzig [um 1890], S. 131–137 (Verzeichnis der Schülerinnen und Schüler Liszts) <> für die Zeit in Weimar und Leipzig: NZfM, Musikalische Rundschau, Monthly musical record, Kastner’s Wiener musikalische Zeitung; Leipziger Tageblatt und Anzeiger <> für die Zeit in Wiesbaden: Adressbücher Wiesbaden (1895–1896); Wiesbadener Tagblatt, Wiesbadener General-Anzeiger, Wiesbadener Bade-Blatt <> für die Zeit in Köln: N. N., Das Kölner Conservatorium, in: Kölnischer Anzeiger 6. Sept. 1895; N. N. Aus Kunst, Wissenschaft und Leben, Abschnitt Am Kölner Conservatorium, in: Neue Bonner Zeitung 8. Sept. 1895; weitere Nachweise in: Kölnische Zeitung, Kölner General-Anzeiger, Rheinischer Merkur; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt <> zum Wechsel nach Manchester: Signale für die musikalische Welt, Musikalisches Wochenblatt <> Kurzbesprechungen der Orgelsonaten opp. 5 u. 7 („sehr schwer“), in: Bernhard Kothe u. Theodor Forchhammer, Führer durch die Orgel-Litteratur, Leipzig 1890, S. 95 <> N. N., Rezension der Violinsonate op. 11, in: Schweizerische Musikzeitung und Sängerblatt 1899, S. 46 <> Nachruf: Arthur Johnstone, The Late Mr. W. H. Dayas, in: The Musical Times and Singing Class Circular 1. Aug. 1903, S. 530–532 (mit Portrait), dazu im Anhang Würdigungen von Busoni und Lady Hallé <> HmL, Pazdírek, MMB

Literatur — W. J. Baltzell, Dictionary of Musicians, Boston u. a. 1911, Art. Dayas, William Humphries, ohne Seitenzählung <> Riemann 121959 (Personenteil) <> Michael Kennedy, The history of the Royal Manchester College of Music, 1893–1972, Manchester 1971 <> Thompson 101975, S. 525

Abbildung 1: Konzertankündigung, Wiesbadener General-Anzeiger 15. Mai 1895
(man beachte den „unterbrochenen“ und verschobenen Namen)

Abbildung 2: Konzertankündigung, Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 15. Okt. 1895


Bernd Krause