Joseph Benedikt Treu
TREU, JOSEPH (auch Josef) BENEDIKT * Obergünzburg (Ostallgäu) 14. Apr. 1823 | † Speyer 6. Juni 1869; Verwaltungsbeamter und Hobbymusiker (Zitherist)
Joseph Benedikt Treu, erst im Vorfeld seiner 1858 erfolgten Eheschließung legitimierter Sohn eines seinerzeit in Bamberg tätigen Gutsverwalters, schlug wie dieser eine Beamtenlaufbahn ein. Dass gleichwohl „Musik ein Erbstück in der Familie Treu war“, dass Großtante Rosalie aufgrund ihres „herrlichen“ Harfen- und Klavierspiels wie auch Gesangs vom Mainzer Kurfürsten „berufen“ worden sei und Treu bereits als neunjähriger Violinist Begabung zeigte, entnehmen wir (teils mit Skepsis) der 25 Jahre nach dem Tod des Musikers von Hans Kennedy veröffentlichten Schilderung, der man durchaus glauben mag, dass Treu sich während seines Jura-Studiums in München mit der Zither anfreundete, „gerade als sie sich in ihrem musikalischen Crescendostadium befand.“ (Kennedy 1895). Seit Ende der 1840er Jahre begegnet Treu als Angestellter („Accessist“) bzw. Rechtspraktikant in München, wo er vermutlich 1845 mit der Veröffentlichung von Zither-Kompositionen im Verlag Falter begann, dann seit spätestens 1850 unentgeltlich (und neben renommierten Hofmusikern) in der Blindenanstalt Unterricht auf seinem Instrument erteilte und bei unterschiedlichen Gelegenheiten öffentlich auftrat. Die Präsentation seiner Zitherspielmethode brachte ihm die Silberne Medaille von Herzog Max sowie ein „höchst ehrendes Begleitschreiben“ von dessen Hand ein (Kurier für Niederbayern 28. Apr. 1853), was seine Reputation als Zitherist beträchtlich steigerte. Zu Beginn des Jahres 1857 erfolgte ein beruflich richtungweisender Schritt, indem Treu (zunächst provisorisch) als königlich bayerischer Regierungssekretär für die Pfalz nach Speyer berufen wurde; es schloss sich 1858 die Beförderung zum Landeskommissariats-Aktuar in Homburg/Saar an, von wo er in gleicher Funktion 1862 ins pfälzische Frankenthal versetzt wurde. Zu Beginn des Jahres 1866 schließlich erhielt er auf sein Ansuchen die Stelle des Bezirksamtsassessors in Speyer, wo er dreieinhalb Jahre später starb – dem Nekrolog zufolge „gewissenhaft als Beamter, bieder und brav von Charakter“ wie auch „in weiteren Kreisen bekannt durch sein meisterhaftes Citherspiel und seine anziehenden Compositionen für dieses Instrument“ (Pfälzer Zeitung 7. Juni 1869). Tatsächlich erlangte er vor allem durch die Herausgabe des Mannheimer Zither-Journals (ab 1858) sowie durch seine pädagogischen Werke beträchtliche Bekanntheit im Bereich der Zithermusikszene; zu seinen Schülern zählte Peter Eduard Hoenes. 1858 schloss Treu in Speyer die Ehe mit Johanna Jakobäa Maria Brantner, einer Tochter des Verwalters der kgl. Besserungsanstalt in Speyer; sie begegnet noch 1875 im Speyerer Adressbuch als „Treu, J. Benedict, k[öniglicher] Bezirksamtsassessor, Wittwe“.
Werke (Auswahl: wenn nicht anders angegeben, für Zith.) — Erinnerung an’s Allgäu. Ländler, München: Falter [1846]; D-Mbs <> Erinnerung an Kreuth. Ländler, ebd. [1848]; A-Wst, D-Mbs, DK-Kk <> Das Zither-Kränzchen. Album für eine oder zwei Zithern (Herzog Maximilian in Bayern gewidmet), 12 Hefte und Supplement (darin Treus Opera 11ff.), München: Selbstverlag [1851]; D-Mbs (digital) – 1853 Mannheim: Heckel [1853] – 3. Aufl. ebd. [1856]; F-Sn (unvollst.) <> Liebäugel’n op. 23, München: Selbstverlag [ca. 1852] – 1856 Mannheim: Heckel <> Praktische Zitherspiel-Methode, oder gründliche Belehrung, sich selbst auf der Schlag-Zither nach einem einfachen Systeme mittelst einer einfachen aus der Accordlehre gefolgten Fingerordnung zu unterrichten, München: Selbstverlag [1852/53] – 3. Aufl. als Praktische Zitherschule, Mannheim: Heckel [1855] – 4. Aufl. als Theoretisch-praktische Zither-Schule, oder gründliche Belehrung […] op. 24, ebd. [1856] <> Zither-Almanach (12 Hefte; Treus Opera 39ff. enthaltend), Mannheim: Heckel [1861]; D-BAs, D-Mbs (einzelne Hefte) <> 6 Lieder (Sst., Zith.) op. 49, Mannheim: Heckel [1861] <> 6 komische Lieder (Sst., Zith.) op. 50, ebd. [1861] <> Herausgaben: Auserlesene Sammlung von Schnadahüpferln, Volks- und Gebirgsliedern mit Zither-Begleitung, 6 Hefte, München: Falter [1849/50]; D-B <> Schnadahüpfeln, Volks- und Gebirgsmelodien, [2. Folge] (darin Treus Opera 26ff.), Mannheim: Heckel [1854/56] <> Mannheimer Zither-Journal, Mannheim: Heckel [1857ff.] ab Bd. 2 [1858] bis Bd. 7 [1863] (letzter von Treu edierter Band); A-Ssp, D-Dl (Bd. 3–8 digital), D-Mbs (einzelne Hefte), GB-Lbl (Bd. 2–4) <> Schrift: Der bayerische Wehrpflichtige […], Speyer: Selbstverlag 1861; D-Mbs (digital) – 2. verb. Auflage ebd. 1869; D-BAs (digital)
Quellen — KB Obergünzburg; Zivilstandsregister Speyer <> NN., [Nekrolog], in: Pfälzer Zeitung (Speyer) 7. Juni 1869 (danach auch u. a. in der Landshuter Zeitung 9. Juni 1869) <> Adressbuch München 1856, Adressbuch Speyer 1875 <> Hans Kennedy, Zum Todestage von J. B. Treu. 6. Juni 1869, in: Echo vom Gebirge. Einziges illustriertes Fachblatt für Zitherspiel (Tölz), 1. Juni 1895, S. [85]–86 <> Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (München) 18. Juli 1849, 2. Sept. 1850, 15. Mai 1851, 7. Dez. 1852, 3. Juli 1855 u. ö.; Münchener Herold 18. März 1852; Tag-Blatt der Stadt Bamberg 2. März 1853; Augsburger Tagblatt 4. Febr. 1857; Kurier für Niederbayern (Landshut) 28. Apr. 1853: Königlich Bayerisches Kreis-Amts-Blatt der Pfalz 16. Febr. 1857, 11. Dez. 1857, 31. März 1862, 31. Dez. 1867; Pfälzer Zeitung (Speyer) 11. Dez. 1856, 11. Mai 1858, 7. Juni 1869 (private Todesanzeige) u. ö.; Bayerische Zeitung 30. Jan. 1866 <> MMB <> Herrn Franz Schenk (Göttingen) besten Dank für seine freundlichen Hinweise
Literatur — Hans Kennedy, Die Zither in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Tölz 1896, S. 72 <> Art. Treu, Benedikt, in: FiedlerL
Abbildung 1: Joseph Benedikt Treu nach einem Scherenschnitt; Echo vom Gebirge 1. Juni 1895, S. 86
Abbildung 2: Subskriptions-Einladung zum 2., nun von Treu herausgegebenen Jahrgang des Mannheimer Zither-Journals, Pfälzer Zeitung 11. Mai 1858
Axel Beer