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SEITER, VALENTIN * Gossersweiler (südliche Weinstraße) 5. (nicht 8.) Apr. 1821 | † St. Ingbert 8. Juli 1888; Lehrer, Organist, Gastwirt, Komponist

Dem Beispiel seines Vaters Andreas (ca. 1785–1853; auch Bürgermeister in Gossersweiler) folgend ergriff Valentin Seiter den Lehrerberuf. Nach seiner Ausbildung am Seminar in Kaiserslautern, wo er auch Gelegenheit fand, seine musikalisch-praktischen Kenntnisse zu vertiefen, fand er eine Anstellung als Schulgehilfe im südwestpfälzischen Dahn, von wo er Ende 1840 in gleicher Funktion an die katholische Schule in St. Ingbert versetzt wurde; weitere kurze Gehilfendienste absolvierte er in Albersweiler (Weinstraße) und Ensheim (heute Stadtteil von Saarbrücken). Um die Mitte des Jahres 1845 wurde Seiter auf Beschluss der königlichen Regierung mit der Aufgabe des Kirchendieners (Küster) und Organisten in St. Ingbert betraut. Aus welchen Gründen er von diesen Verpflichtungen zurücktrat (Nachfolger als Organist wurde Franz →Woll), wissen wir nicht – da er aber, wie wir dem Nachruf entnehmen, „als Gesellschafter […] die angenehmsten Eigenschaften“ besaß, verwundert es nicht, dass er sich 1862 als Cafetier bzw. Gastwirt („Restaurateur“) etablierte und seine Räumlichkeiten ein Zentrum des geselligen Lebens der Stadt St. Ingbert darstellten. Den Zeitgenossen war Seiter insbesondere als Sänger („liederreicher Mitbürger“; St. Ingberter Anzeiger 13. Apr. 1886) bekannt, der bei vielen Gelegenheiten seine „kräftige Bruststimme“ erklingen ließ (Nachruf) und der in den 1870er Jahren mit einem Doppelquartett auftrat; seine musikalischen Aktivitäten gingen jedoch auch über den engeren Wirkungskreis hinaus: 1855 übernahm er für die Pfalz die Alleinvertretung der Münchner Zitherfabrik von Johann Haslwanter und vertrieb seitdem auch Saiten und Instrumente der Wiener Firma von Anton Kiendl. 1886 sorgte die Pressemitteilung für Aufsehen, dass Seiter nicht nur Otto von Bismarck eine Liedkompositionen zum 71. Geburtstag hatte zukommen lassen, sondern dass er „den verbindlichsten Dank des Herrn Reichskanzlers für die freundliche Aufmerksamkeit“ in schriftlicher Form entgegennehmen durfte (St. Ingberter Anzeiger 13. Apr. 1886). Verheiratet war Seiter mit Eleonore geb. Riedinger, nach ihrem Tod (1865) in zweiter Ehe mit Elisabeth Rosalie Friederike Bertha geb. Deutsch.

WerkeDrei heitre Lieder (Sst., Kl.; Kuriose Geschichte, Das verrenkte Herz, Die Lumpen-Glocke), Leipzig: Grude [1884] – 1901 an Glaser in Leipzig; D-B <> Lieder aus der Pfalz (Sst., Kl.; Die Sprache des Waldes, Saurer Wein), ebd. [1889] – 1901 unter Einbeziehung der vorgenannten Lieder als [5] Lieder aus der Pfalz an Glaser in Leipzig; D-B, D-KBrlb (Das verrenkte Herz), D-SPlb (dto.; digital) <> O du Veronica. Kneip-Humoreske zum Salvator (Sst., Zith.; „Die Augen veilchenblau“) und ’s Nesterl. Kärntner Lied (Sst., Zith.; „Wer an Nesterl will bau’n“), in: Liederkranz. Sammlung beliebter Lieder Heft 28 und 29, Trier: Hoenes [1887] (auch einzeln)

Quellen — KB Gossersweiler (St. Cyriakus); Standesamtsregister St. Ingbert <> Königlich Bayerisches Amts- und Intelligenzblatt für die Pfalz (Speyer) 27. Nov. 1840, 8. Okt. 1842, 15. Jan. 1845, 18. Juli 1845, 13. Dez. 1862, 6. Jan. 1863; St. Ingberter Anzeiger 14. Febr. 1875, 18. Nov. 1875, 16. Apr. 1876, 16. Febr. 1879, 16. Okt. 1884, 16. Apr. 1885, 13. Apr. 1886, 9. Juli 1888 (Nachruf), 11. Juli 1888 (Bericht von der Beisetzung) u. ö.; Pfälzer Zeitung 20. Juni 1855, 23. Apr. 1863 (Todesanzeige des Vaters), 20. Sept. 1865, 24. Febr. 1885 (Todesanzeige Eleonore Seiter) u. ö.

Literatur — Art. Seiter, Valentin, in: FiedlerL

Abbildung 1: Valentin Seiter nach einem Stahlstich; in: J. Christ [i.e. Paul Rudigier], Darstellung der Zither in ihrem Wesen und ihrer Geschichte, Trier: Hoenes [ca. 1890], S. 118

Abbildung 2: Da wird sich der Välte gefreut haben! — Glückwünsche zum Namensfest des Musikers pünktlich am Valentinstag; St. Ingberter Anzeiger 14. Febr. 1875


Axel Beer

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  • angelegt 2026/04/18 15:05