Paul Polster
POLSTER, (GOTTFRIED FRIEDRICH) PAUL * Scheuder (bei Dessau) 28. Aug. 1863 | † Dessau 5. Febr. 1909; Dirigent, Pianist, Komponist
Der Pfarrerssohn Paul Polster mag zunächst Schüler seines Taufpaten Ludwig Parrey, des Kantors und Organisten im benachbarten Jeßnitz, gewesen sein, bevor er in Leipzig den Unterricht des Pianisten Martin Krause genoss. Was ihn veranlasste, sich (vermutlich von Leipzig aus) nach Gießen zu begeben, ist nicht bekannt – jedenfalls ließ er sich dort im Spätsommer 1893 nieder, bot sich als Privatlehrer für Klavier und Gesang an und nahm Kontakt mit der musikalischen Prominenz der Stadt auf: Mit (5)|Franz Bauer, Carl Krausse „und unter Hinzuziehung weiterer namhafter Kräfte“ initiierte er einen Kammermusikzyklus (Gießener Anzeiger 20. Okt. 1893), und im Kronbauer’schen Quartett-Verein unter Leitung von Leopold Geller engagierte er sich nicht nur als Sänger, sondern auch „stets fleißiger Helfer am Klavier“ (ebd. 8. Jan. 1898). Abgesehen davon, dass er seit 1895 als Nachfolger Franz Bauers den Bauer’schen Gesangverein dirigierte (mit ihm gastierte er u. a. in Frankfurt, Bad Homburg und Bad Kreuznach) und der jüdischen Gemeinde als Organist verbunden war, gehörte Polster als Musik- und Gesangslehrer dem Kollegium des Großherzoglichen Gymnasiums an. Im Frühjahr 1905 fasste er den Entschluss, „aus Gesundheitsrücksichten“ (eine spätere Darstellung spricht von einem „schweren Nervenleiden“; Gießener Anzeiger 25. Okt. 1925) Gießen zu verlassen und nach Dessau zu ziehen, wo er nach nicht langer Zeit verstarb. Zum Abschied hatten ihn seine Gießener Sangesbrüder zum Ehrenmitglied des Bauer’schen Vereins ernannt; Paul Polsters Nachfolger wurde der Lehrer und Organist Otto Görlach (1862–1931).
Werke — Albumblatt (Kl.), Leipzig: Wild [1893]; D-B <> Ueber die Berge (Sst., Kl.), ebd. [1893]; D-B <> Rheingruss (MCh.), Gießen: Challier [1899] <> Grüßt mir das blonde Kind am Rhein (Sst., Kl.), Leipzig: Schuberth [1900]; D-B <> „Du hast ein Herz, das ist mir ergeben“ (Sst., Kl.), ebd. [1900]; D-B <> Trois Morceaux (Kl.), Leipzig: Junne [1900]; D-B <> Sängerfahrt (Mch.) op. 7, Leipzig: Schuberth [1901]; D-B <> Leben am Rhein (Mch.) op. 8, ebd. [1901]; D-B <> O Frühlingszeit, o Lieb’ und Leid (Mch.) op. 9, ebd. [1901]; D-B <> Trauungsgesang (Mch.) op. 10, ebd. [1901]; D-B <> La Violetta, Gavotte (Kl.) op. 11, ebd. [1902]; D-B <> La Danseuse, Petite Valse de Salon (Kl.) op. 12, ebd. [1902]; D-B <> Souvenir de Bal, Mazurk de Salon (Kl.) op. 13, ebd. [1902]; D-B <> Wirt, hast du nicht ein volles Faß (Mch.) op. 14, ebd. [1902]; D-B <> O wunderbares tiefes Schweigen (Mch.) op. 15, ebd. [1903]; D-B <> Der gold’ne Amor (Mch.) op. 16, ebd. [1903]; D-B <> Ich weile gern im Wald allein (Mch.) op. 17, ebd. [1903]; D-B
Quellen — KB Scheuder, KB Dessau (St. Petrus) <> Adressbücher Gießen <> Gießener Anzeiger 4. Okt. 1893, 10. Okt. 1893, 17. Okt. 1893, 20. Okt. 1893, 23. Sept. 1894, 17. Jan. 1895, 30. Jan. 1896, 4. Nov. 1896, 1. Juli 1897, 8. Jan. 1898, 12. März 1899, 18. Juli 1900, 16. Jan. 1901, 6. Apr. 1903, 29. Apr. 1903, 20. Mai 1903, 9. Juni 1904, 27. März 1905, 19. Apr. 1905, 29. Okt. 1925; Musikalisches Wochenblatt 7. Dez. 1893 <> //Katalog des Musikalien-Verlags von J. Schuberth & Co. Leipzig, [Leipzig 1906] <> MMB; Pazdírek
Literatur — NN., Gießener Musikleben, in: Gießener Anzeiger 29. Okt. 1925, (5. Blatt), S. 35–36 <> Heinrich Blass, Vom Männerchorwesen in Gießen, in: Gießener Anzeiger 9./19. Juli 1938 (4. Blatt)
Abbildung: Ein während des gut zehnjährigen Aufenthalts Polsters in Gießen so und in dieser Art immer wieder begegnendes Inserat – womit der „Capellmeister“-Titel zu rechtfertigen ist, bleibt jedoch ein Rätsel; Gießener Anzeiger 4. Okt. 1893
Axel Beer