(auch Anschütz)

(1) Franz Caspar (Carl) * in Thüringen oder Sachsen um 1710 | † Koblenz 6. Mai 1795; Trompeter, Organist und Komponist

(2) Eva Margaretha * ca. 1739 | † Koblenz 19. Febr. 1814; Tochter von (1), Sängerin

(3) (Maria) Elisabeth (Barbara) * Ehrenbreitstein 13. Sept. 1742 | † ebd. 24. Juni 1799; Tochter von (1)

(4) Joseph Andreas (Maria) * Koblenz zw. 14. u. 19. März 1772 | † ebd. 26. Dez. 1855; Enkel von (1), Jurist, Komponist und Dirigent

(5) Carl (Friedrich Nikolaus) * Koblenz 10. Jan. 1818 | † New York 30. Dez. 1870; Sohn von (3), Dirigent und Komponist


(1)


Franz Caspar Anschuez absolvierte seine Ausbildung auf der Trompeterschule in Dresden und erhielt anschließend das Patent eines Lehrprinzen der Trompeter. 1741 kam er als Trompeter an den kurtrierschen Hof in Koblenz-Ehrenbreitstein und wurde 1758 zusätzlich Hoforganist, nachdem ihm die Aufgabe bereits etliche Jahre zuvor zugefallen war und er – gemeinsam mit Georg Friedrich Cron – schon 1743 Orgelreparaturen durchgeführt hatte. Die Stellung als Organist hatte er zunächst bis 1773 inne – ihm folgten (bis 1778) sein Schwiegersohn Andreas Bergmann und anschließend Joseph →Hemmerlein – sowie 1784 bis 1791, wobei ihm während der letzten drei Jahre Daniel →Hünten zur Seite gestellt wurde. Von Bergmann übernahm er nach dessen Tod weiterhin die Funktion des Klavierstimmers.

WerkeSalve Regina (S, Str.), D-TRs (Ms.); s. RISMonline <> ein Schuldrama des Koblenzer Jesuitenkollegs mit Musik von Anschuez (1745) ist verschollen


(2)


Eva Margaretha Anschuez, die schon 1751 als Sängerin der Ehrenbreitsteiner Hofkapelle besoldet worden war, erhielt in den Jahren 1756–1758 in Mannheim weitere Gesangsausbildung und wurde nach ihrer Rückkunft mit jährlichem Gehalt endgültig angestellt. Seit 1769 war sie mit dem Hofmaler Heinrich Foelix (1732–1803) verheiratet. 1783 zählte sie zu den „Invaliden“, trat aber noch gelegentlich aushilfsweise auf.


(3)


Elisabeth Anschuez wurde 1773 Ehefrau des Ehrenbreitsteiner Hofmusikers (seit 1771 als Violinist angestellt), Hoforganisten (1773–1778) und Klavierstimmers Andreas (Joseph) Bergmann (* Erbach im Rheingau 17. Sept. 1743 | † Ehrenbreitstein 27. Juli 1779), der in der Saison 1776/1778 öffentliche Konzerte in Koblenz veranstaltete.


(4)


Joseph Andreas Anschuez, ein Sohn des kurtrierschen Kammerkanzlisten Franz Heinrich Anschuez (1740–1826) und dessen Ehefrau Anna Katharina geb. Lamaire, erhielt früh Unterricht im Klavierspiel und im Generalbass beim Großvater, so dass er als Fünfjähriger nicht nur Lieder nach dem Gehör spielen konnte, sondern auch selbst einen Text von Christian Fürchtegott Gellert vertont haben soll. Trotz seiner musikalischen Begabung begann Anschuez 1788 ein Jurastudium und wurde 1797 Gerichtsschreiber am französischen Departemental-Kriminalgerichtshof in Koblenz. Seine spätere Tätigkeit als preußischer Staatsprokurator hinderte ihn nicht, sich sowohl als Dirigent als auch als Komponist zu betätigen. Seine Bemühungen, das vormals reiche Musikleben des Hofs in bürgerlicher Verantwortung wieder aufleben zu lassen, führten 1808 zur Gründung des Musik-Instituts zu Koblenz, das zum einen an die höfische Kirchenmusiktradition anknüpfen und zum anderen Nachwuchs für den Chor heranbilden sollte. Die Funktion des Musikdirektors gab Anschuez 1842 an seinen Sohn weiter und übernahm selbst das neu geschaffene Amt des Intendanten, das er bis 1846 innehatte.

Werke — siehe Paul Schuh, Joseph Andreas Anschuez (= BzrhM 25), Köln 1958, sowie RISMonline (unter Johann Andreas Anschütz) und Kat. Simrock 1897

Abbildung: Joseph Andreas Anschuez, Portrait (Original im Mittelrhein-Museum in Koblenz) auf einem Ersttagsbrief aus Anlass des 200jährigen Bestehens des Koblenzer Musik-Instituts (2008); D-Hbierwisch


(5)


Carl Anschuez war in den 1830er-Jahren Schüler von Friedrich Schneider in Dessau und wurde 1842 Nachfolger seines Vaters als Musikdirektor des Koblenzer Musik-Instituts. Diese Position wurde ihm 1847 aufgrund disziplinarischer Probleme gekündigt. Vermutlich in Folge der damaligen Auswanderungswelle verließ er 1848 Deutschland, um sich zunächst in London und ab 1857 in den Vereinigten Staaten als Lehrer und Dirigent zu betätigen. 1866 gründete er das Anschutz’s Musical Institute in New York, zu dessen Kollegium der ebenfalls aus Koblenz gebürtige Joseph Noll gehörte.

Werke (Auswahl der gedruckten) — Les Adieux. Impromtu (Klar. o. Vl., Vc., Kl.), Bonn: Simrock [1839]; GB-Cu <> Fest-Hymne „Hohenzollern lebe hoch“ (T, 4st. Mch., Militärmusik) op. 2, Köln: Mompour [1841] <> 6 Lieder (4st. Mch.) op. 3, ebd. [1841] <> 3 Gesänge (Sst., Kl.) op. 4, Koblenz: Greis [1841] <> Nocturno (Fl., Ob., 2 Klar., 2. Hr., 2 Fag.) op. 5, ebd. [1842] <> Soldatenlieder (Sst., Kl.) op. 6, Koblenz: Geswein [1842] <> 6 Gesänge (4 Mst.) op. 10, ebd. [1842] <> Quatuor Benedictiones (gem. Chor, Orch.) op. 13, ebd. [1842]; D-F, DK-Kk


Quellen (zu 1–4) — KB Koblenz (St. Kastor); KB Erbach (St. Markus) <> Briefe von Joseph Andreas Anschuez s. Kalliope

Literatur (zu 1–4) — Wilhelm Josef Becker, Zur Geschichte des Coblenzer Jesuitendramas, in: Trierische Chronik 14 (1917/18), S. 81 <> Karl H. Wörner, Art. Anschütz, Karl Friedrich Nikolaus, in: MGG1 <> Paul Schuh, Joseph Andreas Anschuez (= BzrhM 25), Köln 1958 <> Bereths 1964 <> Uwe Baur, Ausgewählte Kapitel aus der Geschichte des öffentlichen Konzertwesens in Koblenz, in: MittAGm 34 (1977), S. 258–271 <> Hans Schmidt, Musik-Institut Koblenz, Koblenz 1983 <> Baur 2008 <> Uwe Baur, Vom „ungeratenen Sohn“ zum Weltstar. Das abenteuerliche Leben des Koblenzer Dirigenten Carl Anschuez (1818–1870), in: MittAGm 90 (2018), S. 3–51


Uwe Baur (†) | Axel Beer (Werke)

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  • Zuletzt geändert: 2025/11/19 09:59
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  • angelegt 2018/09/22 14:31