(1) Georg (Heinrich Wilhelm) * Kassel 6. Mai 1832 | † Halberstadt 29. Dez. 1883; Organist und Musiklehrer
(2) Helene (Henrike) geb. Harken * Jever 27. Juli 1841 [nicht 1845] | † New York 6. Nov. 1910; Ehefrau von (1), Altistin
(1) Ersten Klavierunterricht erhielt Hüfner, Sohn des Inspektors der Kasseler Armen-Kommission Georg Christian Hüfner, in Kassel; in Celle, wo Heinrich Wilhelm Stolze (1801–1868) ihn später im Orgelspiel unterwies, ist Hüfners Tätigkeit als Musiklehrer und Leiter eines Gesangvereins ab 1856 dokumentiert. 1858 hielt er sich für einige Monate in Frankfurt/M. auf, um weitere Unterweisung von Aloys →Schmitt zu erhalten, der ihn im August des Jahres an Louis Spohr in Kassel empfahl – über das Resultat ist nichts bekannt. 1861 bekam er eine Stelle als Organist in Jever, die mit der Leitung des Singvereins und der Liedertafel sowie dem Gesangunterricht am Gymnasium und der höheren Knaben- und Töchterschule verbunden war. Die Leitung des Singvereins legte er 1866 zunächst nieder wegen einer „Verstimmung, […] deren eigentlicher Grund sich nicht mehr feststellen lässt“ (Bader, S. 70), nahm sie ein Jahr später wieder auf, um sich dann bis 1868 endgültig mit dem Chor zu zerstreiten. 1866 bewarb er sich vergeblich als Organist der Lambertikirche in Oldenburg. 1874 wurde Hüfner als Nachfolger von Adolph →Felchner Musikdirektor des gemischten Casino-Gesangvereins in Alzey, mit dem er 1879 am 9. Mittelrheinischen Musikfest in Mannheim unter der Gesamtleitung von Vinzenz Lachner mitwirkte. In Alzey leitete er auch den Orchesterverein sowie den Männergesangverein Harmonie und erteilte den Gesangunterricht an der Realschule. 1880 wechselte er als Organist an die Liebfrauenkirche in Halberstadt, wo er jedoch kurze Zeit später starb.
Werke — Nun lobt und dankt Gott allzusammen und Wie wird uns sein, wenn endlich, in: Evangelisches Kirchen- und Haus-Choralbuch für der Herzogthum Oldenburg, hrsg. von C. Oelze, Oldenburg: Bültmann und Gerriets 1874, S. 44 und 59
Quellen — KB Kassel (Entbindungs- und Armenanstalt) <> Empfehlungsbrief von Aloys Schmitt an Louis Spohr vom 1. Aug. 1858 in Spohr-Briefe <> NZfM 8. Febr. 1856, 13. Nov. 1857, 19. Apr. 1861, 1. Okt. 1880; Deutsche Musik-Zeitung 13. Apr. 1861; Musikalisches Wochenblatt 24. Jan. 1879, 24. Sept. 1880; Signale für die musikalische Welt Nr. 23 1874, Nr. 12 1884; Alzeyer Zeitung 28. März 1876, 27. Juni 1876, 17. Dez. 1876
Literatur — Karl Germann, Geschichte der Großherzogl. Realschule und des Progymnasiums (mit Vorschule) zu Alzey während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens, Bd. 2, Alzey 1891 <> Franz Bader, Die Pflege der Musik in Jever, Jever 1895 <> Georg Linnemann, Musikgeschichte der Stadt Oldenburg, Oldenburg 1956, S. 71
(2) Helene Harken, Tochter des Kaufmanns Hinrich Albers Harken und seiner Frau Helene Catharine geb. Diesendorf, studierte 1858–1861 am Stern’schen Konservatorium in Berlin Gesang. Auf Rat von Ferdinand Hiller begann sie anschließend ein Gesangsstudium bei Franziska Cornet (der Tochter von Friedrich Wilhelm Kiel) in Hamburg, das sie bei Ernst Koch in Köln fortsetzte. Von hier engagierte sie Franz Abt an das Theater in Braunschweig, von wo sie jedoch bereits nach einem Vierteljahr an das königliche Opernhaus nach Berlin wechselte. Als sie 1865 Georg Hüfner heiratete, gab sie auf Wunsch ihres Mannes ihre Bühnentätigkeit auf, wirkte aber weiterhin nicht nur in dessen Musikproduktionen mit (sowohl als Solistin als auch 1879 beim Mittelrheinischen Musikfest als Chorsängerin), sondern unter dem Namen Hüfner-Harken auch in Konzerten im Gewandhaus Leipzig, dem Gürzenich in Köln und dem Museum in Frankfurt/M. Nach dem Tod ihres Mannes unterrichtete sie ab 1884 für ein Jahr am Chicago Musical College, wo sie anschließend als Privatmusiklehrerin wirkte, den Damenchor Concordia leitete und für den Frauenverein des deutschen Altenheims die Bühnenaufführungen organisierte.
Quellen — KB Jever <> AmZ 1. Apr. 1868, 10. Dez. 1873; NZfM 1. Mai 1874; Signale für die musikalische Welt 27. März 1868; Neue Berliner Musikzeitung 5. Jan. 1870, 2. Febr. 1870, 11. Mai 1870; Musikalisches Wochenblatt 5. Jan. 1872; Die Tonhalle 9. Mai 1870; Dresdner Journal 9. Jan. 1870; Didaskalia 18. Nov. 1873; Urania Nr. 5 1882; Musical Courier 27. Aug. 1884; Rock Island Argus 1. Mai 1895; Abendpost (Chicago) 5. Apr. 1899; The San Francisco Call 20. Febr. 1910; New York Times 8. Nov. 1910 (Nachruf) <> Einschreibungsliste des Stern’schen Konservatoriums (digital)
Literatur — Alfred Theodore Andreas, History of Chicago, Bd. 3, Chicago 1886, S. 635 <> Franz Bader, Die Pflege der Musik in Jever, Jever 1895, S. 96–97 <> Brockhaus’ Konversations-Lexikon, 14. Aufl., Bd. 4, Leipzig 1898, S. 168
Karl Traugott Goldbach