Reinhard Fehling


FEHLING, (HERMANN HEINRICH) REINHARD * Hameln 27. Jan. 1863 | † Eisenach 20. Sept. 1923; Militärmusiker, Kapellmeister

Der Malerssohn Fehling begann seine Laufbahn als Militärmusiker (Bass-Posaune) am 13. Apr. 1886 mit seinem Diensteintritt beim 2. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 15 in Minden. Dass er als Violin-Solist bei einem Konzert der Kapelle auftrat und über Inserate in der Mindener Presse Klavierunterricht anbot, lässt seine musikalische Vorbildung erahnen. Um 1891/92 wechselte er zum 1. Hannoverschen Inf.-Rgt. Nr. 74 nach Hannover und studierte daneben von Okt. 1892 bis Ostern 1895 Posaune bei Julius Kosleck an der Königlichen Musikschule in Berlin. Nach erfolgreich abgeschlossenem Musikmeister-Examen wurde Fehling 1895 Nachfolger Hermann Baunacks als Stabshoboist beim 2. Nassauischen Inf.-Rgt. Nr. 88 in Mainz. Mit dieser Kapelle konzertierte er regelmäßig auch andernorts, insbesondere in Alzey – hier veranstaltete er seit 1897/98 jeden Winter drei Abonnements-Konzerte, bei denen er mitunter Gelegenheit bot, „[e]twaige Wünsche betreffs der zu spielenden Stücke […] einreichen“ zu wollen, die „soweit wie angängig, die sorgfältigste Berücksichtigung“ fanden (Alzeyer Zeitung 17. Nov. 1898). Zahlreiche Konzerte sind außerdem in Wiesbaden (darunter auch sog. Monster-Militär-Konzerte mit acht bis neun Militärkapellen), einzelne in Weinheim, Bad Ems, Schierstein und Biebrich belegt, zudem unternahmen die „88er“ 1903 Reisen zu Gastauftritten nach München (hier erhielt Fehling das Militär-Verdienstkreuz des Prinzregenten Luitpold) und Leipzig. 1908 wurde Fehling, der seit 1905 den Titel eines Königlichen Musikdirigenten bzw. Obermusikmeisters trug, Nachfolger des verstorbenen August Kalkbrenner in Frankfurt/M. und leitete fortan die dort garnisonierte Kapelle des 1. Kurhessischen Inf.-Rgts. Nr. 81 (den Posten in Mainz übernahm Wilhelm Jung). Mit ihr gab er im Zoologischen Garten seit der Auflösung der dortigen Zivilkapelle (zuletzt unter Iwan →Schulz) besonders häufig Konzerte – und es gelang im Laufe der Zeit, selbst jenen besonders kritischen Rezensenten „Musikus“ der Zeitschriften Frankfurter Leben und Die Fackel zu überzeugen, der von Fehlings Programmgestaltung über seine Praxis, auf Publikumswünsche einzugehen (bezeichnet als „Mätzchen“, Die Fackel 13. Nov. 1909) bis hin zu einzelnen Instrumentalisten an fast allem etwas auszusetzen fand, sodass dieser schließlich schrieb „[d]ie Kapelle kann unter ihrem genialen Dirigenten sich zu unseren besten Militär-Kapellen zählen“ (ebd. 26. Febr. 1910). Während des Ersten Weltkriegs ist ein Konzert Fehlings im besetzten Nesle in Nordfrankreich belegt. 1915 wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Ende des Kriegs gab er noch 1918 Konzerte in Frankfurt mit seinem nun meist als „Garnison-Kapelle“ bezeichneten Orchester; 1919 erfolgte die Auflösung des Inf.-Rgts. Nr. 81. Fehling war zuletzt als Mitglied der Reichswehr in Eisenach stationiert, trat aber als Gastdirigent noch von Dez. 1922 bis Jan. 1923 in Frankfurt auf. Er war seit 1895 verheiratet mit Frieda (Ella) Hartmann aus Hannover.

WerkeBearbeitungen: Willem Vanderwell, Victoria, Au Secours, Marche (Militär-Musik), Mainz: Schott [1898] <> Engelbert Humperdinck, Potpourri aus der Oper Hänsel und Gretel (14–24 stimm. Orch.), ebd. [1899] <> Richard Wagner, Fantasie aus Der fliegende Holländer (16–24 stimm. Orch.), Berlin: Fürstner [1902]; D-Mbs, D-SWl <> Ders., Die Meistersinger von Nürnberg Potpourri (Militär-Orch.), Mainz: Schott [1908]; D-Cl, D-Mbs (spätere rev. Ausg.) <> Franz Naumann, Festmarsch zum XI. deutschen Turnfest in Frankfurt/M. (Militärmusik); vgl. Frankfurter Musik- und Theater-Zeitung 18. Juli 1908

Quellen — KB Hameln (St. Bonifatius), Hannover (Dreifaltigkeitskirche), Eisenach (ev. Militärgemeinde) <> Adressbücher Frankfurt <> Militair-Musiker-Almanach 1889, 1892, 1899; Militär-Musiker-Adreßbuch 1902, 1905, 1909, 1913 <> MMB <> Studierendenliste Königliche Hochschule Berlin (Liste des Sophie Drinker Instituts) <> zahlreiche Nennungen in der regionalen Presse – u. a. Minden-Lübbecker Kreisblatt 30. Okt. 1886, 30. Dez. 1886; Wiesbadener General-Anzeiger 9. Mai 1895, 27. Juni 1901, 14. Apr. 1908; Grünstadter Zeitung 19. Sept. 1896; Alzeyer Zeitung 1. Nov. 1898, 17. Nov. 1898, 9. Mai 1901, 27. Juni 1903, 9. Apr. 1908; Wiesbadener Tagblatt 11. Sept. 1900 (Morgenausg.), 20. Juni 1903 (Abendausg.), 10. Juli 1903 (Abendausg.), 20. Okt. 1905, 22. Okt. 1905, 7. Apr. 1908, 16. März 1914; Wiesbadener Bade-Blatt 4. Juli 1907, 19. Sept. 1907; Frankfurter Leben 31. Mai 1908, 17. Okt. 1909, 23. Okt. 1909; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 21. Juni 1908 (3. Morgenbl.), 18. März 1910 (dto.), 24. Juni 1911 (dto., 19. März 1912 (dto.); Frankfurter Musik- und Theater-Zeitung 18. Juli 1908; Die Fackel 3. Apr. 1909, 13. Nov. 1909, 27. Nov. 1909, 15. Jan. 1910, 26. Febr. 1910, 19. März 1910, 22. Okt. 1910, 29. Okt. 1910, 14. Jan. 1911, 23. Dez. 1911, 2. Nov. 1912, 13. Okt. 1922; Frankfurter Nachrichten und Intelligenz-Blatt 19. Jan. 1915, 22. Mai 1915, 8. Nov. 1918 (Morgen-Ausg.); Kleine Presse (Frankfurt/M.) 25. Mai 1915; Hochheimer Stadtanzeiger 29. Sept. 1923


Kristina Krämer