(1) Johann Peter * Darmstadt 17. Jan. 1821 | † ebd. 19. Juli 1891; Hofmusiker
(2) Peter * Darmstadt 18. Mai 1851 | † ebd. 30. Apr. 1915; Neffe von (1), Militär- und Hofmusiker, Zitherist
(1) Johann Peter Dern, Sohn des großherzoglichen Rentamtsdieners Caspar D. (1784–1861), ist seit 1855 als Hofmusik-Aspirant in Darmstadt nachgewiesen; eine reguläre Anstellung erhielt er 1860, wurde 1880 zum Kammermusiker befördert und 1884 auf eigenen Wunsch pensioniert, nachdem ihm das Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen worden war. Verheiratet war Dern mit Henriette Juliane, einer Tochter des Hofbuchbinders Carl Ludwig Pfersdorff.
Quellen — KB Darmstadt (Stadt- bzw. Militärpfarrei) <> Personalakte; D-DSsa <> Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 30. Jan. 1860 (Beilage 4), 8. Dez. 1880 (Beilage 27), 23. Mai 1884 (Beilage 10), 10. Juni 1884 (Beilage 13)
(2) Peter Dern, dessen Vater Adam Theobald (1818–1875), von Beruf Schneidermeister und Hoftheatergarderobier, ein Bruder von (1) war, diente bereits seit 1864 als (damals 13jähriger) Hautboist im Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 115, dessen Musikcorps seit etwa 1868 unter Leitung von Musikmeister Theodor Adam stand. 1871 kam er als Aushilfsmusiker zur Darmstädter Hofkapelle, erlangte 1879 eine definitive Anstellung und wurde 1884 zum Hofmusiker (III. Flötist) sowie 1898 zum Kammermusiker befördert. 1909 erhielt er die gleiche Ehrung wie sein Onkel, die 1914 aus Anlass des Goldenen Dienstjubiläums mit der Krone zum Ritterkreuz eine Aufwertung erfuhr. Dern ließ sich noch im selben Jahr in den Ruhestand versetzen. Dass er auch „etwas abseits von seiner ‚dienstlichen‘ Berufstätigkeit“ aktiv war, schildert das Darmstädter Tagblatt (27. Okt. 1914) anlässlich des besagten Jubelfests so anschaulich, dass wir gerne daraus zitieren: Dern fand „eine besondere Freude an der Beschäftigung mit einer Musikgattung, die ihre ureigenste Heimat in den Bergen, den Alpen, hat. Die Zither, die ‚Klampfen‘ kurzum alle ‚Zupfinstrumente‘ hatten es ihm angetan. Schon in jungen Jahren erreichte er eine erstaunliche Beherrschung all dieser Lieblinge der Gebirgsbewohner. Die Folge davon war, daß er, dank auch der vielen Beziehungen, die er als Kind Darmstadts besaß, bald einen großen Kranz von Schülern um sich scharte und dieser so anmutigen und wenig geräuschvollen Art von Hausmusik in Darmstadt eine zweite Heimat schuf. In der Tat ist die hiesige weitverzweigte Pflege des Zither-, Gitarre- und Mandolinenspiels ein unbestreitbares Verdienst der unermüdlichen Anregung und Anleitung Peter Derns. Bis in die höchsten Kreise hinein war und ist er heute noch ein sehr begehrter Lehrer.“ 1879 – im Jahr seiner Eheschließung und seiner Festanstellung in der Hofkapelle – hatte Dern den Darmstädter Zitherclub ins Leben gerufen, der mit seinen jährlichen Konzerten im Darmstädter Saalbau auch in der überregionalen Fachpresse Anerkennung fand, und mit dem einzigen gedruckten Werk aus seiner Feder verknüpfte er mittels der Kombination von Zither und Flöte die private und die berufliche Seite seines Musikerdaseins. Dern war verheiratet mit Katharina Neumeyer, einer Tochter des Darmstädter Kupferdruckers Heinrich Neumeyer; die aus der Ehe hervorgegangene Tochter Elisabeth (1880–1933; Heirat 1903 mit dem späteren Museumsdiektor Ludwig Theodor List, einem Sohn des Klavierfabrikanten →Jakob List) trat zumindest bei einem der Konzerte des Zitherclubs (März 1896) als Pianistin auf. Die Zitherkomposition Frühlingszauber op. 24 von Eduard Hoenes ist „Herrn Kammermusiker P. Dern in Darmstadt hochachtungsvoll gewidmet“.
Werke — Vier Stücke für Zither und Flöte arrangirt ([Emil] Neumann: „Wenn du noch eine Mutter hast“; Mozart: Duett und Marsch aus Titus sowie Ständchen aus Don Juan; Josef Weber: Der kleine Harlekin. Polka française), Trier: Hoenes [1891] <>
Quellen — KB Darmstadt (Stadtpfarrei) <> Personalakte; D-DSsa (digital) <> Darmstädter Tagblatt 6. Sept. 1879, 27. Okt. 1914 (zum 50. Dienstjubiläum), 28. Okt. 1914, 7. Nov. 1914, 2. Mai 1915 (private Todesanzeige); Echo vom Gebirge 1. Mai 1884, 1. Apr. 1885, 1. Mai 1886, 1. Mai 1887, 1. März 1888, 1. Juni 1889, 1. Dez. 1891, 1. Okt. 1892, 1. Okt. 1893, 1. Okt. 1894, 1. Okt. 1896, 1. Okt. 1898; Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 24. Nov. 1884 (Beilage 26), 1. Nov. 1904 (Beilage 27), 14. Dez. 1909 (Beilage 29), 25. Sept. 1914 (Beilage 18), 27. Nov. 1914 (Beilage 22) <> MMB <> Herrn Franz Schenk (Göttingen; s. Zither-Geschichte) besten Dank für den Hinweis auf die Widmung von Eduard Hoenes
Abbildung: Anzeige im Darmstädter Tagblatt 6. Sept. 1879
Axel Beer