(1) Anton * Ehrenbreitstein 10. Sept. 1764 | † Koblenz 23. Mai 1849; Musiker
(2) Franz * Ehrenbreitstein 29. Juli 1809 | † Köln 6. Apr. 1855; Sohn von (1), Violinist
(3) Georg * Koblenz 22. Febr. 1813 | † ebd. 4. Mai 1882; Sohn von (1), Violinist
(4) Nina (eigentl. Anna Maria Angelica) * Aachen 30. Aug. 1836 | † Kassel 24. Febr. 1903; Tochter von (2), Sängerin
(5) Franz (Michael) * Koblenz 30. März 1841 | † ebd. 21. Apr. 1911; Sohn von (3), Instrumentenmacher
(6) Friedrich fl. 1831; Komponist
Anton Hartmann, Sohn des Militärtrompeters Michael Hartmann in Ehrenbreitstein, wird noch 1806 (bei seiner 2. Eheschließung mit Elisabeth geb. Schuster) und 1809 dort als „musicus“ erwähnt. Wenig später verlegte er seinen Wohnsitz nach Koblenz – der in den 1820er Jahren ohne Vornamen als Instrumentallehrer für das Musik-Institut tätige (s. Schmidt, S. 105) wie auch der im Adressbuch 1823 als Lehrer für Flöte und Gitarre genannte Hartmann wird mit dem 1840 als Stadtmusicus aufscheinenden A. Hartmann, mithin mit Anton Hartmann, identisch sein. Neben Anton Hartmanns Söhnen Franz (2) und Georg (3) sei auch seine Tochter (Anna) Clara (* Koblenz 19. Febr. 1824) erwähnt, die als junge Pianistin 1838 in Köln mehrmals als Begleiterin ihrer Bruders Franz genannt wird; anschließend hört man nichts mehr von ihr.
Quellen — KB Ehrenbreitstein (Heilig Kreuz); KB Koblenz (Liebfrauen) <> Adressbücher Koblenz <> Kölnische Zeitung 5. Sept. 1838 u. ö. (Clara Hartmann betr.)
Literatur — Paul Schuh, Joseph Andreas Anschuez, Köln 1958, S. 65 <> Hans Schmidt, Musik-Institut Koblenz, Koblenz 1983, S. 105
Im Rechenschaftsbericht des Koblenzer Musik-Instituts vom 6. Dezember 1822 sind neun „Zöglinge, die auf Kosten des Instituts Unterricht erhalten“, verzeichnet, darunter der 13jährige Geiger Franz Hartmann, der schon „im verflossenen und laufenden Jahre“ aufgetreten war (zit. nach Schmidt, S. 104); auch später gastierte er als Solist in den Konzerten des Musik-Instituts, so 1825, 1827 und 1833. Unter dem 11. Okt. 1825 hält das Protokoll des Musik-Instituts fest, dass ihn Louis Spohr auf der Durchreise in Koblenz gehört und ihm angeboten hätte, ihn unentgeltlich zu unterrichten (s. Schmidt, S. 115) – 1826/27 verbrachte Hartmann (finanziert von Koblenzer Bürgern) etwa ein Jahr als Schüler Spohrs in Kassel. Seit 1829 – offenbar nach einer Konzertreise und einem rund einjährigen Aufenthalt in Hamburg – war er als Erster Violinist (unter Carl Guhr) Mitglied des Frankfurter Nationaltheaters. In diese Zeit fallen mehrere Konzertauftritte als Solist in Frankfurt selbst und außerhalb, etwa 1829 in Offenbach und 1831 in Bonn, sowie gemeinsam mit einer in der Mainmetropole mit Kollegen gegründeten Quartettgesellschaft. 1832, im Jahr seiner Eheschließung mit der Koblenzer Bäckerstochter Maria geb. Melzenbach (* 19. Dez. 1811; Heirat am 13. Juni 1832), diente er vorübergehend als Hautboist im 24. Regiment in Koblenz, und 1834 fand er eine Anstellung als Erster Violinist am Städtischen Theater in Aachen, wo er im folgenden Jahr auch die Position eines 2. Musikdirektors innehatte. 1836 schließlich erfolgte seine Verpflichtung als Konzertmeister in Köln – zu seinen weiteren Tätigkeiten dort im Einzelnen vgl. Arlt, S. 36–37. Seine Heimatstadt Koblenz besuchte Hartmann in der Folgezeit häufig.
Werke — Der von Wulf Arlt (S. 37) gegebene Überblick versammelt mehrere Irrtümer; aufgrund der Häufigkeit des Namens ist bislang nicht mit Sicherheit festzustellen, welche mit „F. Hartmann“ gezeichneten und veröffentlichten Kompositionen unserem Franz Hartmann zuzuweisen sind – mit einer Ausnahme: Variations (Vl., Orch./Kl.) op. 3, Bonn: Mompour [1837] (aufgeführt vom Komponisten in Köln am 1. März 1836; s. Kölnische Zeitung 28. März 1836). Die (lt. Rheinblüthen 22. Juli 1830) geplante Veröffentlichung von „Fünf Duetten für Violine und Bratsche, dergleichen fünf Duetten für zwei Violinen“ bei Schott in Mainz kam ebenso wenig zustande wie die „Herausgabe einer ausgezeichneten Violinschule analog der großen Hummel’schen Klavierschule“ bei André in Offenbach. Derselben Quelle entnimmt man, dass eine „Messe […] aus dem Manuscript aufgeführt wurde“ wie auch „mehrere vierstimmige Gesänge [… und] Gesänge für Solostimmen, die jetzt schon in Frankfurt im Munde des Volks leben“. Die Musik zum 1833 in Hamburg aufgeführten Goethe-Singspiel Jery und Bätely stammt nicht (wie StiegerO meint) von Franz Hartmann, sondern von Fritz Hartmann (1807–1875; s. Uhde, S. 64).
Quellen — KB Aachen (St. Foillan); KB Ehrenbreitstein (Heilig Kreuz); KB Koblenz (St. Kastor sowie Militär) <> Briefe Franz Hartmanns an Louis Spohr (1826, 1840; s. Spohr-Briefe, hrsg. von Karl Traugott Goldbach) <> Adressbücher Koblenz und Köln <> Akten in D-KBsta (623/4516) <> Akten in D-KBa (441/3597; 441/25889) <> L[udwig] Bischoff, Nachruf an Franz Hartmann, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 14. Apr. 1855, S. [113]–115 <> weitere Notizen und Erwähnungen in der Fachpresse s. Arlt <> C-r, Eingesandt aus Coblenz [betr. Hartmanns Kompositionen], in: Rheinblüthen. Beilage zum Kölnischen Correpondenten 22. Juli 1830 <> NN., Franz Hartmann, in: Jahrbücher des deutschen Nationalvereins für Musik und ihre Wissenschaft (Karlsruhe) 9. Juni 1842, S. 183 <> Didaskalia 15. Apr. 1829, 26. Apr. 1829, 4. Mai 1829, 12. Okt. 1829, 28. Okt. 1829, 29. Okt. 1830; Coblenzer Anzeiger 4. Okt. 1830, 10. Juni 1831, 17. Juli 1838, 24. Juli 1838, 31. Juli 1838, 17. Dez. 1841; Bonner Wochenblatt 6. März 1831; Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten 25. Juni 1833; Allgemeiner musikalischer Anzeiger 17. Okt. 1833; Rhein- und Mosel-Zeitung 10. und 13. Febr. 1835, 18. und 19. April 1836, 3. Juli 1837, 24. Aug. 1838; Stadt-Aachener-Zeitung 16. Juni 1834, 5. Nov. 1835; Düsseldorfer Zeitung 27. März 1836; Kölnische Zeitung 28. Febr. 1836, 1. Sept. 1837 u. ö.; Echo der Gegenwart (Aachen) 10. Apr. 1855 (Todesmeldung); Niederrheinische Musik-Zeitung 21. Apr. 1855 (betr. Konzert in Köln „zum Besten der Hinterlassenen des Concertmeisters Franz Hartmann“) <> freundliche Hinweise von Herrn Dr. Karl Traugott Goldbach (Kassel)
Literatur — Hermann Uhde, Das Stadttheater in Hamburg 1827–1877, Stuttgart 1879 <> Paul Schuh, Joseph Andreas Anschuez, Köln 1958, S. 82 <> Wulf Arlt, Art. Hartmann, Franz, in: RhM 3 (1964), S. 36–37; dort weitere Literatur- und Quellenangaben <> Hans Schmidt, Musik-Institut Koblenz, Koblenz 1983, S. 103, 115 <> Baur 2008 <> Karl Traugott Goldbach, Louis Spohrs Kasseler Schüler. Herkunft, Finanzierung des Studiums, Karriere, in: Konservatoriumsausbildung von 1795 bis 1945, hrsg. von Annkatrin Babbe und Volker Timmermann, Hildesheim 2021, S. 280–295, bes. S. 286 <> StiegerO
Georg Hartmann, der seit 1840 als Musiker im Koblenzer Adressbuch aufscheint, war den Musikfreunden, abgesehen von seiner Aktivität als privater Musiklehrer, seit spätestens 1838 und über viele Jahrzehnte hinweg bekannt als Dirigent der Hartmann’schen Gesellschaft, die bei diversen Gelegenheiten in Koblenz und Umgebung (u. a. zur Badesaison 1866 in Bad Ems als Vertretung für die aufgelöste Kurkapelle von Adolf Hempel) mit kurzweiligem Repertoire für musikalische Unterhaltung sorgte. Außerdem veranstaltete er gemeinsam mit Richard Kugler „klassische“ Konzerte und Quartett-Soireen. 1849 wurde er zum Nachfolger von Mathias Kradochwill als Konzertmeister des Musik-Instituts berufen. Ein Augenleiden zwang ihn 1872, seinen Posten aufzugeben. Verheiratet war Georg Hartmann seit 1840 mit Anna Maria geb. Schaefer aus Mayen; als Trauzeuge fungierte Carl Anschuez.
Werke — Tänze (Kl.; Erinnerungspolka, Soldatenpolka, Lieblingspolka), Koblenz: Reiff [1846] <> Casino-Tänze (Kl.; Walzer, Sylvestergalopp, Irisgalopp, ebd. [1846]
Quellen — KB Koblenz (Liebfrauen); Standesamtsregister Koblenz <> Adressbücher Koblenz <> Akten in D-KBsta (623/4513, S. 91; 623/4515, S. 243 u. 256ff.) <> Akten in D-KBa (441/25889) <> Coblenzer Anzeiger 17. Juli 1838, 24. Juli 1838, 31. Juli 1838, 2. Juni 1842 u. ö.; Süddeutsche Musik-Zeitung 29. Okt. 1866 <> MMB
Literatur — Josef Eisenach, Die Hartmannsche Musikkapelle in Koblenz, in: Koblenzer Heimatblatt 7, Nr. 23 (1930), S. 4 (fehlerhafte Angaben zur Familie) <> Hans Schmidt, Musik-Institut Koblenz, Koblenz 1983, S. 158–159, 163, 166, 200 <> Baur 2008
Nina Hartmann, die ihre musikalische Grundausbildung zweifellos ihrem Vater Franz verdankte, studierte seit 1852 Gesang am Kölner Konservatorium. Erste Auftritte erfolgten seit 1853 in Köln, bevor sie 1856 ein kurzes Engagement in Aachen fand und 1861 einen Dreijahresvertrag mit dem Theater in Frankfurt/M. einging; noch im gleichen Jahr schloss sie in München die Ehe mit dem gleichfalls in Frankfurt angestellten Tenor Max Zottmayr (* München 16. Sept. 1833 | † Kassel 13. Dez. 1903). Beide waren seit 1865 am Grazer Stadttheater verpflichtet (Max Zottmayr zwischenzeitlich auch am Wiener Hofoperntheater) und fanden schließlich 1869 eine Anstellung am Hofoperntheater in Kassel. Gemeinsam mit ihrem Bruder Carl (get. Koblenz 1. Sept. 1834), der ebenfalls eine Gesangsausbildung erhalten hatte, veranstaltete Nina Hartmann im Dez. 1855, acht Monate nach dem Tod ihres Vaters, in Koblenz ein „Concert zum Vortheil“ ihrer Familie.
Quellen — KB Aachen (St. Foillan); Standesamtsregister Kassel <> Adressbücher Kassel <> SchülerInnen Konservatorium Köln (Liste des Sophie Drinker Instituts) <> Deutscher Bühnen-Almanach 1863ff. <> Kölnische Zeitung 2. Apr. 1854 u. ö.; Niederrheinische Musik-Zeitung 8. Apr. 1854, 16. Dez. 1854, 16. Sept. 1854, 12. Jan. 1856, 20. Apr. 1861; Feuilleton der Neuen Frankfurter Zeitung 22. Okt. 1861, 27. Nov. 1861 u. ö.; Grazer Zeitung 24. Juni 1863, 27. Nov. 1863, 16. Febr. 1865 u. ö.; Wiener Theater-Chronik 19. Juni 1869; Signale für die musikalische Welt 16. Sept. 1869
Literatur — Kutsch/Riemens (zu Fam. Zottmayr)
Franz (Michael) Hartmann figuriert in den Koblenzer Adressbüchern zunächst (ab 1868) als Schreiner, später (ab 1894/95) als Schreiner und Instrumentenmacher sowie (ab 1897) nur noch als Instrumentenmacher. Sein Spezialgebiet waren (wenigstens über einen bestimmten Zeitraum hinweg) Kontrabässe; 1891 wurden sie – wahrscheinlich auf einer Gewerbeausstellung – mit einer Goldenen Medaille ausgezeichnet. Sein Sohn Joseph (Friedrich) (* Koblenz 28. März 1868; aus der 1860 geschlossenen Ehe mit Maria geb. Seith aus Mayen) begegnet in den Jahren 1909–1913 für kurze Zeit gleichfalls als (Schreiner und) Instrumentenmacher, als der er zunächst in der väterlichen Werkstatt tätig war. Nicht lange nach dem Tod des Firmenseniors erwarb der just zuvor aus Basel zugezogene Geigenbauer und Musikalienhändler Ludwig Paulus (* Markneukirchen 7. Apr. 1881 | † verm. Bendorf, nicht vor 1954) dessen „Geigenbau-Atelier“ käuflich und verlegte es in andere Räumlichkeiten in Koblenz.
Werke — Überliefert sind nach gegenwärtiger Kenntnis in Privatbesitz drei Kontrabässe und ein Violoncello von der Hand Franz Michael Hartmanns.
Quellen — KB Koblenz (Liebfrauen und St. Kastor); Standesamtsregister Koblenz <> Adressbücher Koblenz <> Meldekarte Ludwig Paulus; D-KBsta (623,9) <> Zeitschrift für Instrumentenbau (Leipzig) 1. Sept. 1911, S. 1295 <> freundliche Mitteilungen von Frau Judith Höhn-Engers (Stadtarchiv Koblenz) und Herrn Bernd von Ostrowski (Hamburg)
Allen Bemühungen zum Trotz ließ sich jener Friedrich Hartmann, der 1831 in der Presse einen von ihm für Klavier komponierten Koblenzer Lieblingswalzer anzeigte, bisher nicht zuordnen – ein Sohn Antons (1) war er jedenfalls nicht. Vielleicht ist der im Adressbuch 1844 aufscheinende Musikus C. F. Hartmann derselbe.
Quellen — Adressbuch Koblenz 1844 <> Coblenzer Anzeiger 10. Juni 1831
Abbildung 1 (zu 2): Konzertanzeige Franz Hartmanns im Bonner Wochenblatt 6. März 1831
Abbildung 2 (zu 3): Programmzettel zu einem „Concert zum Vortheil der Herren Concertmeister [Georg] Hartmann und Correpetitor [Richard] Kugler“; D-KBsta (KH 54)
Abbildung 3 (zu 5): 1893 von Franz (Michael) Hartmann gefertigter Kontrabass mit dem im Corpus befindlichen Bauzettel; besonders bemerkenswert ist neben der außergewöhnlichen Holzqualität die Violinform mit sogenannten „wrapped corners“ – entweder eine Reminiszenz an die Zwitterartigkeit des Kontrabass an sich (aus Gamben- und Violinfamilie) oder an den zu jener Zeit hoch angesehenen englischen Kontrabassbau. Privatbesitz Bernd von Ostrowski (Hamburg), dem wir für die Fotos, die Abbildungserlaubnis und für die speziellen Informationen zu seinem Instrument danken.
Uwe Baur (†) | Ergänzungen: Axel Beer