Gustav Brode


BRODE, GUSTAV * Wiedemar (Nordsachsen) 18. Nov. 1859 | † Wiesbaden 11. Febr. 1899; Instrumentenmacher und Klavierstimmer

Gustav Brode wurde in die Familie eines Schneidermeisters hineingeboren; wir wissen nicht, welche (mutmaßlich handwerkliche) Ausbildung er durchlief und wie seine spätere berufliche Spezialisierung zustandekam. Jedenfalls finden wir ihn seit März 1886 in Wiesbaden als Mitarbeiter der Pianoforte-Handlung von Carl Wolff – seine genaue Funktion aber ist unklar: Während er sich selbst, als er sich Ende Februar 1888 selbständig machte, in einer Presse-Anzeige als („erfahrener“) Instrumentenmacher und Klavierstimmer bezeichnete, der „längere Zeit“ bei jener Firma tätig gewesen war (Wiesbadener Tagblatt 28. Febr. 1888), ließ sein ehemaliger Chef – offenbar wenig amüsiert – die Öffentlichkeit schon tags darauf wissen, dass jener „nur als Arbeiter und nicht als Stimmer“ sowie lediglich kurze Zeit für ihn gearbeitet hätte, was Brode wiederum zu einer weiteren „Notiz“ (ebd. 1. März 1888) veranlasste: Ihr verdanken wir den Zeitraum seiner Anstellung bei Wolff sowie die Kenntnis der Tatsache, dass er währenddessen („wegen Mangel an Arbeit“ in Wiesbaden) in Berlin über acht Monate hinweg Gelegenheit fand, sich „im Stimmen tüchtig auszubilden“, was Wolff angeblich veranlasste, erneut auf Brodes Mitarbeit zurückzugreifen. Wie dem auch sei: Nach einem von Brode erbauten Instrument wird man wohl nicht zu suchen haben, während andererseits kein Zweifel daran besteht, dass hinsichtlich kompetenter Serviceleistungen für Liebhaberinnen und Liebhaber des Klavierspiels wie auch für die Profis auf diesem Gebiet im kaiserzeitlichen Wiesbaden beträchtliche Nachfrage bestand. Einen guten Namen scheint Brode, der das Publikum in wöchentlichen Inseraten an seine Dienstleistungen als Stimmer und an seine Reparaturwerkstatt erinnerte, sich erarbeitet zu haben; andernfalls hätte Karl Reppert wohl nicht unmittelbar nach Brodes Tod versucht, mit Verweis auf seine Schülerschaft bei ihm gleichsam sein Erbe in Sachen „Clavierstimmen u. Reparatur […] in prompter u. gewissenhafter Ausführung“ (Wiesbadener Tagblatt 18. Febr. 1899) anzutreten. – Im Januar 1889 hatte Brode in Offenbach die Ehe mit der Landwirtstochter Margaretha geb. Jöst geschlossen.

Quellen — Kirchenbücher Wiedemar; Standesamtsregister Offenbach und Wiesbaden <> Adressbücher Wiesbaden <> Wiesbadener Tagblatt 28. Febr. 1888 (3. Beilage), 29. Febr. 1888, 1. März 1888, 18. Febr. 1899 (2. Beilage, Morgen-Ausgabe), 15. Apr. 1888 und passim

Abbildung: Erste Anzeige Brodes als (selbständiger) Klavierstimmer; Wiesbadener Tagblatt 28. Febr. 1888


Axel Beer