BRAUM, FRITZ (eig. Friedrich) * Bingen am Rhein 3. August 1889 | † nach 1955; Musiker, Komponist, Kornettist
Über Fritz Braums familiäre Herkunft und Ausbildung ist nichts bekannt. Ende Juli 1907 bot der Binger Musiker Fritz Braum dem Musikverlag André seine Bravour Polka „Griseldis“ (s. Werke) an. André nahm die Komposition nicht zum Verlag an und sandte sie wohl erst nach mehrmaligem Nachfragen im Dezember 1907 wieder zurück. Zu dem Zeitpunkt war Braum als Hoboist im Fußartillerie-Regiments General-Feldzeugmeister (Brandenburgisches) Nr. 3 in Mainz stationiert und beklagte, dass man „zur Zeit keine guten Verdienste“ (Brief vom 9. Dez. 1907) machen könne. Das Werk wurde erst 1909 bei Kittlitz-Schott & Bieger veröffentlicht. Am 22. Juli 1911 spielte Braum unter Julius Klippe (mit der Kapelle des genannten Regiments) in Wald (Solingen) bei der „Goldene[n] Jubelfeier“ der Wald-Merscheder Turnvereins. Am 6. Juli 1912 war er im Wiesbadener Kurhaus im Abend-Konzert mit der Fantasie Edelweiss vom Semmerling von Theodor Hoch für Piston-Solo zu hören. An dem Tag spielte bereits am Vormittag das städtische Kurorchester unter Erich Wemheuer und am Nachmittag unter Wilhelm Sadony. Auch bei einem weiteren Konzert mit der Kapelle am 6. März 1913 war Braum mit seiner Rheinischen Fantasie zu hören und musste sich „auf eindringliches Verlangen zu einer Zugabe entschließen“ (Wiesbadener neueste Nachrichten 8. März 1913). Beim „Großen Oster-Konzert“ am 4. April 1915 in Mannheim war er abermals mit der Regimentskapelle zu hören. Braum war seit spätestens 1928 Mitglied des Reichsbundes ehemaliger Militärmusiker und spielte in Darmstadt bei einem dortigen Vereinskonzert. Die Bezeichnung als „früheren Solisten am Philharm. Orchester Berlin“ (Darmstädter Tagblatt 2. Sept. 1928) wirft die Frage nach einem Engagement in der Hauptstadt auf, das sich bislang nicht anderweitig nachweisen ließ. Bei zwei Konzerten „zum besten der Winterhilfe“ 1932 in Flörsheim spielte er mit der Feuerwehrkapelle unter Georg Mohr und wurde als „Pistonvirtuose […]“ bezeichnet. Am 23. September 1934 wirkte er beim Musik- und Liederabend der Ortsgruppe Flörsheim der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ mit. Er war bereits am 1. April 1933 in die NSDAP eingetreten (Mitgliedsnummer: 1820231). Als Beruf ist hier Reichsbanksekretär angegeben, als Bankbeamter arbeitete er auch nach dem Krieg. Für das Jahr 1938 ist er als Musikzugführer der 2. SS-Standarte in Frankfurt/M. nachweisbar. Eine Verwandtschaft mit dem Mainzer Musiker Erich (Georg) Braum (1909–1989) und dessen Vater Johann Heinrich Braum (1885–1962, Hilfshoboist im Infanterie-Regiment Nr. 88) ist wahrscheinlich, konnte jedoch trotz intensiver Bemühungen bislang nicht erwiesen werden.
Werke — Griseldis, Bravour-Polka (Cornet à Pistons, Kl.), Mainz: Kittlitz-Schott & Bieger [1909] – (Cornet à Pistons, Orch.), Heilbronn: Schmidt [1909]; D-B <> Rheinische Fantasie für Pistonsolo, ab 1913 mehrfach aufgeführt
Quellen — Briefe an André (4; 1907) in D-OF <> Walder Zeitung 20. Juli 1911; Wiesbadener General-Anzeiger 13. Mai 1911, 5. Juli 1912; Wiesbadener Bade-Blatt 6. Juli 1912, 1. April 1915, 21. Mai 1915; Wiesbadener Tagblatt 6. Juli 1912, 20. Mai 1915; Wiesbadener neueste Nachrichten 8. März 1913, 1. Apr. 1915, 21. Mai 1915; Rheinische Volkszeitung 1. Apr. 1915, 21. Mai 1915; Wiesbadener Zeitung 1. Apr. 1915, 21. Mai 1915; Taunus-Bote 27. Apr. 1916; Darmstädter Tagblatt 2. Sept. 1928; General-Anzeiger der Stadt Mannheim und Umgebung 3. Apr. 1915; Flörsheimer Zeitung 20. Jan. 1912, 15. März 1932, 19. Apr. 1932, 8. und 20. Sept. 1934; Innsbrucker Nachrichten 23. Juli 1938 <> MMB <> Adressbücher Frankfurt/M. 1934–1940, 1955 <> NSDAP Ortsgruppenkartei; US National Archives <> Freundliche Auskünfte der Stadtarchive Bingen (Petra Tabarelli) und Mainz (Carola Bolte), sowie von Frau Margit Rinker-Olbrisch (Worms)
Literatur — PriebergH (zu Erich Georg Braum)
Abbildung: Ausschnitt aus den Ankündigungen der Wiesbadener Kurhaus-Veranstaltungen mit Fritz Braum als Solisten. Man achte auch auf das allseits beliebte Das Herz am Rhein von Wilhelm Hill einen Programmpunkt davor. (Wiesbadener Tagblatt 20. Mai 1915)
Martin Bierwisch