Christoph Weickhart


WEICKHART (auch Weighardt, Weickert), CHRISTOPH * Zschopau? | † nicht vor 1606, Schulmeister

Weickhart studierte ab 1576 an der Universität Leipzig. Ab 1580 war er Kantor in Zschopau. Kurz vor seiner Heirat 1584 in Zschopau mit Anna geb. Lehmann wurde er zunächst Unterlehrer an der Lateinschule in Büdingen, ab 1588 erster Lehrer, 1589 jedoch bereits wegen „Verachtung des ganzen Predigeramtes und aller andern liberalium artium“ entlassen (Thudichum, S. 251). Vermutlich kehrte er von hier zunächst in sein altes Amt nach Zschopau zurück; möglicherweise wirkte er auch eine Zeitlang als Kantor in Joachimsthal (heute Jáchymov) in Böhmen. Um 1593 trat Weickhart das Amt des Kantors und zweiten Knabenlehrers in Döbeln an. 1600 erscheint sein Name in Zschopauer Akten. Indem er Schriften des dort verstorbenen Pfarrers und theosophisch-mystischen Schriftsteller Valentin Weigel (1533–1588), mit dem er zusammen gearbeitet hatte, abgeschrieben habe, sei die Stadt so „mit enthusiastischer und schwenkfeldischer Schwärmerei irre“ gemacht worden (Fuchs, S. 348). Da er mit seinem Pfarrer in „vngelegenheit gerathen“ (Schünemann, S. 183), verließ er 1604 Döbeln und bewarb sich vergeblich in Freiberg und Gera (wo der Döbelner Pfarrer vor ihm warnte). Anschließend ist er 1605–1606 in Mühlberg/Elbe als Kantor der Kommunalschule nachgewiesen.

WerkeGaudium Musicum (fünfstimmige Motette zur Hochzeit des gräflich büdingischen Cellerars Heinrich Seulberg mit Maria Emmel aus Hanau, 1586); Archiv der Fürst zu Stollbergischen Verwaltung in Ortenberg

Quellen — [Wilhelm Ernst Tentzel], Monatliche Unterredungen Einiger Guten Freunde von Allerhand Büchern und andern annemlichen Geschichten […], Leipzig: Gleditsch Januar 1692, S. 263

Literatur — Georg Thudichum, Geschichte des Gymnasiums in Büdingen, nebst Nachrichten von dem dasigen Kirchen- und Schulwesen überhaupt, Büdingen 1832, S. 21 <> Carl Robert Bertram, Chronik der Stadt und des Closters Mühlberg, Torgau 1865, S. 42 <> Carl W. Hingst, Chronik von Döbeln und Umgebung, Döbeln 1872, S. 170 <> Johann von Rittersberg, Die Tonkunst in Böhmen von den ältesten bis auf die gegenwärtigen Zeiten, in: Christian d’Elvert, Geschichte der Musik in Mähren und Oesterr.-Schlesien mit Rücksicht auf die allgemeine, böhmische und österreichische Musik-Geschichte, Brünn 1773, Anhang, hier S. 6 <> August Israel, M. Valentin Weigels Leben und Schriften, Zschopau 1888, S. 24, 27, 31, 34, 41 und 166 <> Georg Friedrich Fuchs, Valentin Weigels Theosophie, in: Der Beweis des Glaubens 25 (1889), S. 343–354 <> Reinhard Kade, Christoph Demant 1567–1643, in: Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft 6 (1890), S. 469–552, hier S. 492 <> Reinhard Vollhardt, Geschichte der Cantoren und Organisten von den Städten im Königreich Sachsen, Berlin 1899 <> Georg Schünemann, Die Bewerber um das Freiberger Kantorat (1556–1798), in: Archiv für Musikwissenschaft 1 (1918), S. 179–204 <> Karlhans Weber, Musik in der Residenz Büdingen zu Zeit der Renaissance, 2. Teil, in: MittAGm 22 (1971), S. 247–254, hier S. 250–251 <> Karlhans Weber, Art. Büdingen, in: MMM1, Bd. 1, S. 16 <> Horst Pfefferl, Christoph Weickhart als Paracelsist. Zu Leben und Persönlichkeit eines Kantors Valentin Weigels, in: Analecta Paracelsica. Studien zum Nachleben Theophrast von Hohenheims im deutschen Kulturgebiet der frühen Neuzeit, hrsg. von Joachim Telle, Stuttgart 1994, S. 407, 423 <> EitnerQ (unter Weighardt)


Karl Traugott Goldbach