KOLB, CHRISTIAN ANTON * Veitshöchheim (nicht Würzburg) 26. Aug. 1826 | † Amberg 9. Okt. 1871; Militärmusiker, Komponist
Christian Anton Kolbs Vater war der seit 1826 im Königlich Bayerischen Infanterie-Regiment Nr. 12 in Würzburg als Musikmeister dienende und mit Anna Hügel verehelichte Anton Kolb (1803–1851). Er vermittelte seinem Sohn Grundkenntnisse auf den Instrumenten Violine und Klarinette, bevor dieser Klavier-, weiteren Violin- und später auch Kompositionsunterricht bei Johann Valentin Hamm (Königliche Musikschule Würzburg) erhielt. Nach dem Schulabschluss 1843 besuchte Christian Anton das Lehrerbildungsseminar in Würzburg, trat dann aber 1848 als Musiker in das Regiment seines Vaters ein (auch sein jüngerer Bruder Georg diente hier als Hoboist). Als Unteroffizier wurde er noch im selben Jahr mit dem Königlich Bayerischen Infanterie-Regiment Nr. 6 in die Reichsfestung Landau in der Pfalz versetzt, wo er sich im Kampf gegen Aufständische bewährte und dafür von seinem Kommandeur, Prinz Karl Theodor von Thurn und Taxis, 1849 mit der goldenen Ehrenmünze des Verdienst-Ordens der bayerischen Krone ausgezeichnet sowie zum Musikmeister befördert wurde. Kolb bedankte sich mit seinem Taxis-Marsch. Das Regiment wurde wenig später nach Amberg verlegt (Ankunft am 2. März 1851), wo Kolb mit seinem Musikkorps das Musikleben maßgeblich prägte, etwa durch Standkonzerte, Serenaden, Auftritte im Rathaus oder in den örtlichen Wirtschaften, bei Begräbnissen etc.; er leitete auch die Amberger Liedertafel, die ihn 1852 zu ihrem Ehrenmitglied machte.
Als das Regiment in dieser Zeit nach Sulzbach (Oberpfalz, heute Sulzbach-Rosenberg) verlegt wurde, der Stab aber in Amberg blieb, pendelte Kolb regelmäßig zwischen den beiden Städten hin und her. In Sulzbach lernte Kolb Elisabeth Birner kennen, die er 1851 in Amberg heiratete. 1853 bekam das Regiment einen neuen Dienstherren und trug fortan den Zusatz „König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen“; im Rahmen der Neubenennung wurde Kolb mit der Königlich preußischen kleinen goldenen Medaille für Kunst geehrt. Erneut revanchierte er sich musikalisch – mit gleich drei Märschen. Von Okt. 1854 bis Febr. 1855 leitete Kolb als Musikdirektor das Amberger Stadttheater, bevor er Ende 1855 aufgrund einer Verlegung seiner Einheit vorübergehend nach Germersheim zog. Auch dort wirkte er als Musikdirektor am Stadttheater, nachgewiesen für die Saison 1858/59. Nach seiner Rückkehr nach Amberg bekam das Regiment, in dem Kolb bis zu seinem Lebensende diente, 1861 mit König Wilhelm I. von Preußen einen weiteren neuen Inhaber; dieses Mal entstanden gleich zwölf Märsche, zugeeignet dem König und seiner Gemahlin. 1861 partizipierte er mit dem Amberger Gesangverein am Großen Deutschen Sängerfest in Nürnberg, und in den folgenden Jahren (bis 1870) verzeichnet ihn der Deutsche Bühnen-Almanach erneut als Musikdirektor bzw. zuletzt als Kapellmeister am Stadttheater Amberg.
Als 1866 der Preußisch-Österreichische Krieg ausbrach, musste Kolb mit seiner Regimentskapelle mehrere Gewaltmärsche zurücklegen, die ihn innerhalb weniger Wochen – mit seiner Einheit stets an der Spitze des Trosses marschierend, um für die Einhaltung des Marschtempos zu sorgen – u. a. nach Schweinfurt, Roßdorf, Hammelburg und Roßbrunn führten. Nach seiner Rückkehr ließ er sich endgültig in Amberg nieder; offizieller Wohnsitz war bis dahin Veitshöchheim gewesen. Von 1867 bis 1870 war er als Lehrer für verschiedene Blasinstrumente am Gymnasium (Königliches Studien-Seminar) zu Amberg tätig. Nach Einführung umfassender Reformen im bayerischen Militär musste Kolb 1869 erneut ins Feld ziehen, dieses Mal jedoch lediglich zu Manövern, in deren Rahmen auch musikalische Wettbewerbe stattfanden, von denen Kolbs Kapelle einige für sich entscheiden konnte. 1870 wurde seine Einheit ins Elsaß verlegt, um sich am Deutsch-Französischen Krieg aktiv zu beteiligen. Aufgrund einer schweren Lungenentzündung wurde Kolb zunächst in Landau, dann in Amberg im Militärspital untergebracht, wo er starb. Ein knapper Nachruf würdigte ihn als „reiches und strebsames Talent“ und „Stern der bayer. Militärmusik“ (Zweibrücker Zeitung 20. Okt. 1871).
Werke — vokal (sämtlich verschollen): Oper Fürst und Wildschütz, UA Regensburg 19. Jan. 1863; Vorabbesprechung in: Regensburger Tagblatt 13. Jan. 1863; Rezension in: Süddeutsche Musikzeitung 30. März 1863 <> Bühnenmusik zum Schauspiel Traumbilder (Autor unbekannt, möglicherweise eine Adaption nach Gedichten von Heinrich Heine), aufgef. Amberg Winter 1855/56 (siehe Mettenleiter 1867, S. 105) <> Begleitmusik zum Vortrag „mit lebenden Bildern“ von Schillers Glocke, aufgef. zum Schillerfest Amberg 9. Nov. 1859 (siehe Regensburger Tagblatt 14. Nov. 1859) <> Musik zu Charlotte Birch-Pfeiffer, Der Leiermann und sein Pflegekind, Volksschauspiel mit Melodram und Gesang, aufgef. Ansbach 13. Okt. 1861, ebd. 5. Jan. 1868, Würzburg 27. Juni 1869 <> An das Deutsche Lied, Chor mit Blechbläsern, aufgef. Amberg 8. Okt. 1864 <> Friedrich Konrad Müller von der Werra nennt Kolb in seinem Buch der Lieder, Leipzig: Denicke 1866, ohne nähere Angaben als Vertoner („Tonsatz von …“) seiner Gedichte (in Klammern Datierung der Dichtung) Lenzgeläute (1866), Im Frühling, ja im Frühling! (1863), Wohl über Nacht! (1866), Freut euch des Lebens! (1863) und Ossian’s Liedesblume (1866) <> Nicht ganz ernst zu nehmen sein dürfte die Nennung Kolbs als Komponist der Pfaffenhofner Melodie (Chor) „für Bauernvereine und solche, die es werden wollen“, belegt in: Münchner Grog. Humoristisch-satirisches Originalblatt, 3. Juli 1870, S. 6 (mit Abdruck des Textes) <> instrumental (vgl. RISMonline): Taxis-Marsch, Prinz Karl Theodor von Thurn und Taxis gewidmet, Regensburg: Feuchtinger 1849; D-Mbs (Abschrift); zu weiteren Ausgaben siehe HmL; Neuausgabe: Deutsche Armeemärsche, Bd. 2, Berlin/Wiesbaden: Bote & Bock, 1976, Nr. 253 <> Post-Marsch (Militärkapelle), ca. 1850; A-ST (Abschrift) <> 3 Märsche für vollständige Regiments-Musik, „Seiner Durchlaucht des Herrn Fürsten Theodor von Thurn und Taxis Excellenz … gewidmet“ (Defilier-Marsch, Cavallerie-Marsch, Inspections-Feldschritt), 1854, ungedruckt; D-Rtt (nicht D-B) <> Zwölf Märsche für vollständige Regiments-Musik, 1860, davon 6 Märsche „Seiner Königlichen Majestät dem allergnädigsten Könige Wilhelm I.“, weitere 6 „Ihrer Königlichen Majestät der allergnädigsten Königin Auguste in allertiefster Ehrfurcht zugeeignet“ (die Angabe bei Schnebel 1988, S. 177, wonach jeweils zwei dieser Märsche Kronprinz Friedrich Wilhelm und Kronprinzessin Victoria sowie jeweils ein Marsch Prinz Friedrich und Prinzessin Luise gewidmet sein sollen, lässt sich nicht verifizieren); D-B (Abschrift), D-Mbs (Abschrift) <> Festmarsch zum 7. Bayerischen Turntag, 16. Aug. 1868 (vgl. Amberger Tagblatt 17. Aug. 1868) <> Marsch, komponiert anlässlich des Musikwettbewerbs im Manöverlager Schweinfurt 7. Sept. 1869 (siehe Amberger Tagblatt 7. Sept. 1869, Regensburger Tagblatt 8. Sept. 1869) <> Schleswig-Holstein-Marsch (Kl.), undatiert; D-Mbs (Abschrift) <> Erinnerungen an Kronach, Autorschaft unsicher; das angebliche Autograph, 2025 aus Privatbesitz übergeben an die Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach, trägt die Signatur „A. H.“ und das Datum „15.06.1888“ (siehe Grund 2025)
Quellen — KB Amberg (St. Martin) (Heirat 1851) <> Personalakte Christian Anton Kolb; D-Mhs <> Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs Bayern 1842, 1843 <> Gedenkbuch des in der Stadt Nürnberg 1861 begangenen Großen Deutschen Sängerfestes, Nürnberg 1861, Anhang: Verzeichnis der Sänger, S. 1 <> Jahresberichte über das K. Gymnasium und die Lateinische Schule zu Amberg für die Studienjahre 1867/68, 1868/69, 1869/70 <> Georg Eßl, Gedenk-Buch des Amberger Liederkranzes, 1844–1894, zur Feier des 50jährigen Bestandes, Amberg: Böes 1894 <> zum Einsatz in Landau 1849: Der praktische Katechet in Kirche und Schule, Bd. 2, Sittenlehre, Würzburg 1879, S. 308f. <> Deutscher Bühnen-Almanach, Ausgaben 1861–1870 <> Berichte und Ankündigungen in (Auswahl): Amberger Tagblatt, Amberger Volks-Zeitung für Stadt und Land, Wochenblatt der Stadt Amberg; Aschaffenburger Zeitung, Der Eilbote. Tageblatt für die Stadt und den Bezirk Landau, Ansbacher Morgenblatt (fortgesetzt als Fränkische Zeitung), Regensburger Tagblatt <> Pazdírek, HmL, MMB
Literatur — PriebergH <> Franz Murmann, Geschichte des kgl. bayer. Infanterie-Regiments „König Friedrich Wilhelm von Preußen“, München 1856 <> Dominikus Mettenleiter, Musikgeschichte der Oberpfalz, Amberg 1867 <> Karl Stapp, Geschichte des kgl. bayer. Infanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm, König von Preußen 1725–1891“, Berlin 1891 <> Hanns-Helmut Schnebel, Christian Anton Kolb, Militärmusiker und Komponist (1826–1871), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 1988, S. 175–179 <> Manuel P. Grund, Die geheimen Wege der Partitur. Eine Untersuchung der Militärorchester-Komposition „Erinnerungen an Kronach“, in: Kronach.aktuell Heft 1 2025, S. 24–27
Abbildung 1: Konzertankündigung, in: Der Eilbote. Tageblatt für die Stadt und den Bezirk Landau 27. Juli 1850
Abbildung 2: Sterbeanzeige Christian Anton Kolb, in: Amberger Volks-Zeitung für Stadt und Land 11. Okt. 1871
Bernd Krause