Carl Eugen Gross


GROSS, CARL EUGEN * Göllheim (Donnersbergkreis) 2. Febr. 1851 | † Reichenbach (heute Ortsteil von Reichenbach-Steegen; Pfalz) 4. Febr. 1923; Jurist und Komponist

Der Gastwirtssohn Carl Eugen Gross studierte in München (seit 1871) und Tübingen (seit 1872) Jura. Als geprüfter Rechtskandidat hatte er seit 1875 seine ersten Anstellungen in Kusel und Freinsheim inne; 1878 wurde er zum Polizeianwalt bei den Landgerichten Wolfstein und Lauterecken (Amtssitz Wolfstein) befördert, wenig später rückte er zum Amtsanwalt in Landau auf, von wo er 1882 als Sekretär zum Landgericht in Zweibrücken wechselte. Von Lauterecken, wo er anschließend als Oberamtsrichter wirkte, ließ er sich 1899 in gleicher Funktion nach Landstuhl versetzen. Nicht lange nachdem er dort 1911 seine Beförderung zum Amtsgerichtsrat erhalten hatte, erfolgte „wegen nachgewiesener Dienstunfähigkeit“ (Münchner Neueste Nachrichten 24. Juli 1913) im Juli 1913 seine Versetzung in den Ruhestand. Gross’ juristische Laufbahn, die wir vorläufig nur lückenhaft nachzeichnen können, ließ mancherlei Freiraum zu: Nicht nur, dass er sich während seiner Kandidatenzeit als Hobbyhistoriker betätigte (s. Schriften) – insbesondere im Bereich des Chorwesens genoss er hohe Anerkennung, wobei wir über seine diesbezügliche Ausbildung vorläufig nichts wissen; dass die vielfältigen Veranstaltungen im Wirtshaus des Vaters wenigstens die eine oder andere Weiche gestellt haben mögen, darf man annehmen. Jedenfalls gehörte Gross bereits während seiner Studienzeit in München dem Akademischen Gesangsverein der Stadt an, und ohne Zweifel nahm er auch in der Folgezeit an den musikalische Aktivitäten an seinen Wohnorten und darüber hinaus teil. Abgesehen von der zunehmenden Präsenz der Chorkompositionen aus seiner Feder im Repertoire der Gesangvereine war auch der komponierende Jurist selbst, insbesondere nachdem er sich im pfälzischen Landstuhl niedergelassen hatte, als Gast bei zahlreichen Veranstaltungen gern gesehen sowie vor allem als Fachmann begehrt: Neben Karl August Krauss agierte er als Preisrichter bei zahlreichen Wettbewerben des Speiergau-Sängerbunds; gemeinsam mit ihm wurde er 1906 zum Ehrenmitglied der Vereinigung ernannt. Sein Spielmannslied op. 36 Nr. 1 widmete er Jakob Schultz.

Werke (für Mch., wenn nicht anders angegeben) — mit Opuszahlen: Drei Mailieder (Auferstehn („Ihr Maienglocken zart und klein“), Frühlingslied („Bald erblüht die Welt“), O du fröhliche Maienzeit („Und wenn die Priemel schneeweiß blickt“); „Dem Musikverein in Landau gewidmet“) op. 2, Leipzig: Leuckart [1882]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> Zwei Männerchöre op. 13, Dudenhofen: Verlag der Liedertafel [1890]; D-KBrlb (Nr. 1), D-SPlb (Nr. 1) <> Drei Pfälzische Volkslieder (Scheiden (Wo ist denn das Mädchen?), Trost in der Ferne („Wir sind geschieden“), Ausgeblieben („Mein Schatz hat mich verlassen“)) op. 14, Landstuhl: Stützel [ca. 1900]; D-SPlb (digital) <> Nachtlied und Wanderlied. 2 Gesänge für gemischten Chor („Der Mond kommt still gegangen“, „Ein duftig Sträusslein auf dem Hut“) op. 15, Mannheim: Heckel [1890]; D-SPlb <> Beim goldnen Adler im alten Rom op. 16 Nr. 2, in: Sangeshort auserlesener Original-Männerchöre, hrsg. von Jacob Gruber, 1. Heft, Leipzig: Dietrich [1888]; ehem. D-B, D-SPlb <> Drei Pfälzische Volkslieder (Was gibst du mir zum letzten Mal?, Die Blume ‚Mädchentreu‘, Wenn alle Brünnlein fließen) op. 22, Landstuhl: Stützel [ca. 1900]; D-SPlb <> Zwei Lieder (Sag mir warum? („Vöglein im stillen Hain“), Herzlieb ade! („Weit über die Winterwälder“); „Dem Speyergau Sängerbunde freundschaftlichst zugeeignet) op. 26, Leipzig: Siegel [1905]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> Lieder in Pfälzer Mundart („Wann bischte mei?“, „Jetzt in de Maiedage“, „Deheem in de Palz“) op. 28 Nr. 1–3, Kaiserslautern: Thieme [ca. 1905]; D-KBrlb, D-SPlb <> Zwei Männerchöre (Rheingruß („Sei mir gegrüßt, mein deutscher Rhein“), Abschied; „Dem Männergesangverein in Viernheim und seinem Dirigenten Herrn H. Mayr freundschaftlichst gewidmet“) op. 29, Mannheim: Schiele [1905]; ehem. D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> Frau Nachtigal op. 31 Nr. 2, Landstuhl: Stützel [ca. 1910]; D-SPlb <> 2 Männerchöre (Hochlandslied („Nicht nach Südens Sonnenland“), Frühlingswandern („Heiter lacht der Lenz ins Land“)) op. 34 Nr. 1 und 2, Heidelberg: Hochstein [1905]; D-KBrlb, D-SPlb <> Frühlings Erwachen („Es geht ein heimlich Flüstern“; „Dem Männergesangverein „Orphea” in St. Wendel und seinem Dirigenten Herrn Eugen Berl gewidmet“) op. 35 Nr. 1, Köln: Tonger [1907]; ehem. D-B, D-SPlb – auch in Tongers Chorschatz Bd. 3 <> Spielmannslied („Wenn der Birkhahn schreit“; Jakob Schultz]] gewidmet) op. 36 Nr. 1, ebd. [1907]; ehem. D-B, D-SPlb – auch in Tongers Chorschatz Bd. 3 <> 2 Männerchöre (Liebeswünsche („Ich weiß ein schwarzbraun Mägdelein“), Des Kaisers Leut’ („Was stehst du, süsses Schatzerl“)) op. 37 Nr. 1 und 2, Trier: Kessler [1907 und 1908]; D-B, D-KBrlb <> Frühlingsfreude („Mein Herz nun, laß’ dein Trauern sein“) op. 38, ebd. [1909]; D-B, D-SPlb <> Vöglein im Wald („Nun wieder die Rose am Raine erblüht“; zum Jubiläum des MGV Liederkranz in Speyer 1906) op. 39 Nr. 2, Heidelberg: Hochstein [1909]; D-SPlb <> Barbarossa auf Trifels op. 41, Landstuhl: Stützel [ca. 1910]; D-KBrlb <> 2 Männerchöre (Was will er nore, Kränzelkraut un Rosemei) op. 42 Nr. 1 und 2, Landstuhl: Stützel [ca. 1910]; D-KBrlb, D-SPlb <> Pfälzer Weinlied („Wohl an, sagt an, aufs Herz die Hand“; „Dem Männergesangverein Eintracht in Landau und seinem Dirigenten Herrn Karl Wagner freundlichst zugeeignet“) op. 43, Heidelberg: Hochstein [1911]; D-B, D-SPlb <> Heiterer Chor ’s Zwiwwle Mädche op. 44 Nr. 1, Landstuhl: Stützel [ca. 1900]; D-KBrlb (digital), D-SPlb <> Übers Jahr op. 47 Nr. 1, ebd. [ca. 1910]; D-KBrlb <> Zwei Original-Volkslieder (Uns’re Freundschaft soll nicht wanken, Mädchen mit den blauen Augen) op. 48, Reichenbach bei Landstuhl: Selbstverlag [ca. 1910]; D-KBrlb, D-SPlb <> Hymne an Neudeutschland (gem. Chor), ebd. [ca. 1916]; D-SPlb <> ohne Opuszahlen: Beim Sauren („Den besten Wein“), in: Fliegende Blätter für Männerchorgesang, Leipzig: Klinner [ca. 1885]; D-B <> Zwei Lieder für gemischten Chor (Sommerblumenzeit („Ist die Sommerblumenzeit“), „Es wollt’ eine Jungfrau früh aufsteh’n“), Leipzig: Licht [1889]; D-B <> War hold und jung, Leipzig: Dietrich [ca. 1895]; D-SPlb <> Im Pfälzerwald, Zweibrücken: Hallanzy [ca. 1902]; D-SPlb <> Zwei heitere Männerchöre (Frommer Zecherwunsch, Pälzer Kerwe-Druwwel), Reichenbach: Selbstverlag [ca. 1915]; D-KBrlb, D-SPlb <> verschollen: Einige der 1905 und 1907 André in Offenbach angebotenen Chöre (Der Jonas kehrt im Wallfisch ein, Der Amsel Brautlied, Das Elternhaus) blieben ungedruckt und sind verschollen. <> Herausgaben: Deutsche Chorhalle. Sammlung ausgewählter Lieder und Gesänge für Männer- und gemischten Chor, 2 Bde., Grünstadt: Schäffer [ca. 1902/03]; D-B – 1913 an Fritz Baselt in Frankfurt übergegangen <> Schriften: Ueber den Donnersberg und die Entstehung und den Zweck seines Ringwalls im Alterthum, in: Feuilleton zum Pfälzischen Kurier 8 (1875) Nr. 119–121 <> Ueber die Frage der Existenz städtischer Anlagen bei den Germanen, ebd. Nr. 135

Quellen — Universitätsmatrikel München und Tübingen <> Briefe an André in Offenbach (2, 1905–1907); D-OF <> Pfälzische Volkszeitung 24. Febr. 1875; Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt der Pfalz (Speyer) 14. Okt. 1878; Musikalisches Wochenblatt 23. Juni 1887; Allgemeine Zeitung (München) 29. Okt. 1882, 15. Apr. 1899; Speierer Zeitung 16. Mai 1903, 2. Apr. 1904, 19. Apr. 1904, 21. Juni 1904, 18. Juni 1906, 4. Juli 1908, 13. Mai 1910 u. ö.; Münchner Neueste Nachrichten 11. März 1911, 24. Juli 1913, 4. März 1923

Abbildung 1: Sammeltitel zu den im Selbstverlag erschienenen Opera 14, 22 und 44 Nr. 1 (Digitalisat aus D-SPlb, dilibri Rheinland-Pfalz (www.dilibri.de))

Abbildung 2: Grußformel und Unterschrift aus einem Brief an André (Landstuhl 13. Aug. 1905); D-OF


Axel Beer