GOUTTA, ALFRED (JOHANN KARL) von * Linz (Oberösterreich) 19. Juli 1858 | † Frankfurt/M. 15. Apr. 1919; Zitherist
Ob und inwieweit die Tatsache, dass Vater Gustav Goutta (1818–1873; k. k. Major) aufgrund seiner mehr als 30jährigen Militärdienstleistung 1862 in den österreichischen Adelsstand erhoben wurde („Edler von“), die gesellschaftlich-kulturelle Orientierung Alfreds beeinflusste, wissen wir nicht; auch bleiben Einzelheiten seines Lebenswegs vorläufig im Dunkeln, bis er 1880 in Dresden für etwa ein halbes Jahr als „Zither-Virtuose“ (Dresdner Nachrichten 14. März 1880) greifbar wird, als der er möglicherweise schon geraume Zeit zuvor den Unterricht Carl Fittigs (1833–1899 [nicht 1900]) genossen hatte, sowie auch als Leiter von „Gesangsvorträge[n] einer Tiroler Sängergesellschaft“ (Dresdner Anzeiger 30. Sept. 1880). Seit Mai 1881 konnte Goutta auch in London Erfolge als Solist auf seinem Instrument bei der hierfür begeisterungsfähigen Liebhaberschaft feiern – The Musical Standard (7. Jan. 1882) urteilte bezeichnenderweise: „Tastes differ, but it is difficult to explain any predilection for such instruments as the concertina and the ‚Zither,‘ however well played. Herr A. De Goutta was encored […]“. Nachdem Goutta – womöglich mit Unterbrechungen – noch bis Frühjahr 1883 in London als Zither-Lehrer und Instrumentalist gelebt hatte, entschloss er sich zu einem Kuraufenthalt in Homburg und stieg im Juni 1883 im dortigen Englischen Hof ab, wo just zur gleichen Zeit Philipp →Grasmann Quartier genommen hatte. Die mutmaßlich zufällige Begegnung blieb nicht ohne Folgen – von Goutta brach seine Zelte in London ab, ließ sich in Wiesbaden nieder und inserierte erstmals Ende September 1883 (zunächst auf Englisch, ab Oktober auf Deutsch) und seitdem regelmäßig in der Presse so und ähnlich seinen „Zither-Unterricht nach einer leicht faßlichen und praktischen Methode“ (Wiesbadener Tagblatt 23. Okt. 1883), dies unter „Zusicherung schnellsten Erfolges“ (ebd. 4. Jan. 1884) sowie „nach Grasmann’s Methode“ (ebd. 6. Apr. 1884). 1884 wählte man ihn zum Dirigenten des 1880 gegründeten Wiesbadener Zither-Clubs (als Nachfolger von Anton Walter), zum 1. Jan. 1885 eröffnete er einen Zither-Musik-Verlag, der insbesondere der Verbreitung seiner eigenen Werke und einiger seiner Kollegen (darunter Grasmann) galt, und am 1. Oktober 1886 rief von Goutta, der weiterhin auch Privatunterricht erteilte, eine Zither-Schule als „Musik-Institut für Söhne und Töchter gebildeter Stände“ ins Leben, die, schenkt man den Anzeigen in der Presse Glauben, guten Zulauf verzeichnen konnte. Dass er sich auch weiterhin als Zitherspieler bei mancherlei Gelegenheiten hören ließ, erfährt man ebenfalls – sei es auf kleinen Ausflügen des Zither-Clubs (etwa im März 1885 in Limburg), bei einem Konzert zugunsten der neu gegründeten Volks-Kaffee-Küche (s. Wiesbadener Tagblatt 3. März 1886), bisweilen gemeinsam mit dem Kurorchester, vor allem aber im häuslichen Ambiente: Seit Juni 1886 setzte er die Zither-Liebhaberschaft in Kenntnis, dass er auch „Einladungen […] zu Privat-Soiréen“ annehmen würde (Wiesbadener Bade-Blatt 11. Juni 1886).
Was genau sich hinter den „familiären Gründen“ verbirgt, die von Goutta die Beteiligung an einem Konzert des Zither-Vereins absagen ließen (Wiesbadener Tagblatt 22. Mai 1889) und die wohl auch dafür verantwortlich waren, dass sein Lebensweg eine geradezu dramatische Wendung nahm, war bislang nicht zu ermitteln. Jedenfalls beendete er seine Karriere als Musiker (wie auch als Musiklehrer und Musikverleger) abrupt – ein letzter, vereinzelter Auftritt als „Zither-Virtuose und Componist“ erfolgte Ende März 1890 in Wiesbaden – und etablierte sich als technisch versierter Kaufmann: Waren es zunächst Schlittschuhe, Kunstsägen und Nähmaschinen, die er anbot, so konzentrierte er sich alsbald neben einigen Mitbewerbern auf den in Wiesbaden florierenden Fahrradhandel; dass er 1890 sogar an einem Radrennen teilnahm, sei wenigstens beiläufig erwähnt. 1905 eröffnete er zudem einen Auto-Salon, in dem man den gerade eben im thüringischen Apolda entwickelten Motorwagen Piccolo erwerben konnte. Schließlich kehrte von Goutta im Jahre 1910 Wiesbaden den Rücken und offerierte fortan in Bad Homburg in seiner Mechanischen Werkstätte allerlei Dienstleistungen, darunter das Schleifen von Messern und Scheren. Die Sterbeurkunde weist ihn interessanterweise als „Techniker“ aus; gerne wüsste man, wo er seine diesbezüglichen Fähigkeiten erworben hatte und was man aus der Angabe zu schließen hat, dass er zuletzt in Frankfurt „ohne feste Wohnung“ lebte. Verheiratet war Alfred Edler von Goutta seit 1886 mit Emilie geb. Herrmann, Tochter eines königlich preußischen Eisenbahn-Sekretärs in Limburg. Die Ehe wurde 1894 geschieden.
Werke (erschienen in dem von ihm herausgegebenen Zither-Album. Kompositionen und Transcriptionen verschiedener Meister, Wiesbaden: Selbstverlag [1884/Jan. 1885]) — Heft 1–6: Ländler op. 1–4, Erinnerungen op. 5, Die muntere Sängerin op. 6, Walzerchen op. 7, Romanze op. 8, Ein Tänzchen im Freien op. 9, Befriedigung op. 10, Ländler op. 11 u. 12, Liebesliedchen op. 13, Ländler op. 14–16, Gebirgsthema op. 17, Fensterparademarsch (auch f. 2 Z.) op. 18, Choral op. 19, Thanksgiving op. 20, Notturno op. 21, Heimwärts op. 22, Die Clarenthalerin op. 23; Heft 7–12: Grasmann op. 167–172; Heft 13–18 (Goutta): Präsidenten-Walzer op. 24, Alpenröschen op. 25, Schöner Gedanke op. 26, Heimkehr op. 27, Alma-G’sang op. 28, Album-Blatt op. 29, Aus schöner Zeit op. 30, Polka Komm, tanz mit mir (auch f. 2 Z.) op. 31, Die Schmeichlerin (auch f. 2 Z.) op. 32, Galopp Mitt’n durch op. 33, Concert-Fantasie op. 34; Heft 19: Rudolf von Cöster op. 25–27; Heft 20: Fritz Wacker op. 1; Heft 21 u. 22 (Goutta): Polka Die Ballkönigin (auch f. 2 Z.) op. 35, Thüringer Volkslied Hans und Liesel op. 36; Heft 23–33: weitere Bearbeitungen
Quellen — Standesamtsregister Frankfurt und Wiesbaden <> Adressbücher Dresden und Wiesbaden <> Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs, Wien 1905, S. 269–271 <> Geschäftsrundschreiben (Errichtung eines Zither-Musik-Verlags), Wiesbaden 1. Jan. 1885; D-LEdb <> MMB <> Dresdner Nachrichten 14. März 1880; Dresdner Anzeiger 11. Aug. 1880, 30. Sept. 1880; The Musical World (London) 25. Juni 1881, 16. Juli 1881, 3. Dez. 1881, 18. März 1882; The Musical Standard (London) 30. Juli 1881, 7. Jan. 1882; The Morning Post (London) 28. Mai 1881, 6. Apr. 1883; Homburger Fremden-Liste 17. Juni 1883; Wiesbadener Tagblatt 21. Sept. 1883, 2. Okt. 1883, 23. Okt. 1883, 25. Nov. 1883, 4. Jan. 1884, 6. Apr. 1884, 22. Mai 1884, 7. Sept. 1884, 26. Nov. 1884, 11. Jan. 1885, 18. März 1885, 23. Jan. 1886, 3. März 1886, 26. Sept. 1886, 6. Okt. 1886, 7. Jan. 1887, 18. Jan. 1887, 18. Sept. 1887, 12. Okt. 1887, 4. Apr. 1888, 6. Apr. 1889, 22. Mai 1889, 16. Aug. 1889, 29. Sept. 1889, 29. Okt. 1889, 12. Dez. 1889, 24. Dez. 1889, 1. Jan. 1890, 9. März 1890, 29. März 1890, 20. Juni 1890, 11. Juli 1890, 2. Sept. 1890, 10. Aug. 1892 (Morgen-Ausgabe), 17. Nov. 1900, 24. Mai 1906 (Morgen-Ausgabe), 18. Aug. 1907, 24. Nov. 1909 und passim; Wiesbadener Bade-Blatt 16. Febr. 1884, 11. Juni 1886, 6. Jan. 1887 und passim; Kölnische Zeitung 16. Sept. 1884, 8. Febr. 1885, 1. März 1885; Der Taunusbote (Bad Homburg) 3. Mai 1915, 26. Nov. 1915 u. ö.
Literatur — FiedlerL
Abbildung 1: Alfred von Goutta als Inhaber einer „Zither-Schule“; Wiesbadener Tagblatt 6. Okt. 1886
Abbildung 2: Alfred von Goutta als Fahrradhändler; Wiesbadener Tagblatt 10. Aug. 1892
Abbildung 3: Alfred von Goutta als Autohändler; Wiesbadener Tagblatt 24. Mai 1906