FREUND, CASIMIR (GEORG) * Mannheim 17. Jan. 1831 | † Frankfurt/M. 23. Juli 1904; Kapellmeister und Komponist
Die Frage, wem Casimir Freund seine musikalische Begabung bzw. Ausbildung verdankte, ist leicht zu beantworten: Vater Carl Christian (* Karlsruhe 27. Nov. 1794 | † Heidelberg 21. Apr. 1865) war seit 1830 in Mannheim als Hoftheatersänger sowie Schauspieler angestellt und verheiratet mit Johanna geb. Schneider (* Darmstadt 29. Sept. 1794 | † Frankfurt/M. 1. Apr. 1878), einer Tochter Georg Abraham Schneiders, dessen Ehefrau Karoline wiederum Tochter Johann Gottlieb Portmanns (mithin eines mütterlichen Urgroßvaters Casimirs) war. Seine vermutlich erste Anstellung fand Freund um 1855 als Städtischer Kapellmeister in Bayreuth; in den Jahren 1857–1862 arbeitete er in gleicher Funktion in Augsburg, bevor er zur Saison 1862/63 als Opernkapellmeister nach Basel wechselte. 1865 wurde er zum Städtischen Kapellmeister in Bern berufen, von wo er im September 1875 nach Frankfurt/M. ging, um Kapellmeister am neu errichteten Victoria-Theater zu werden; bereits wenige Monate später ließ er die Öffentlichkeit wissen, dass er zwar „dauerhaft“ seinen „Aufenthalte am hiesigen Platze“ zu nehmen sich vorgenommen hätte, sich hingegen nur mehr und „ausschließlich dem Unterrichtsfache“ widmen wolle (Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 1. Apr. 1876). Zwar gab Freund seine Stellung am Victoria-Theater auf, fungierte aber seit 1878 als Direktor der Verbündeten Frankfurter Männer-Gesang-Vereine, in den Jahren 1879–1882 (in der Nachfolge Wilhelm →Schmidts und als Vorgänger Gottfried →Angerers) als Dirigent des Neeb’schen Männerchors, weiterhin des Frankfurter Zither-Vereins (1878–1880; ihm folgte Philipp Grasmann), wie auch in den 1880er Jahren zeitweise des Frankfurter Arion, des Hermanns-Verein Sachsenhausen, des Gesangvereins Edelstein und des Frankfurter Sängerkranz.
Offenbar wenig Erfolg hatte Freund 1882 mit einem Aufruf zur Gründung einer „Institution“, in der „stimmbegabte und musikalisch etwas vorgebildete Herren“ zusammentreten sollten, um aus dem Bereich der Oper „Bruchstücke solcher älterer und klassischer Werke, welche sonst nicht mehr zur Aufführung kommen“, zu erarbeiten (Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 5. Apr. 1882). Kurz nachdem er im Juni 1887 das Konzert des Allgemeinen Sängerbunds Frankfurt aus Anlass des IX. Deutschen Bundes- und Jubiläums-Schützenfests geleitet hatte – sicherlich ein Höhepunkt seiner öffentlichen Tätigkeit in der Mainmetropole –, kehrte er der Stadt vorerst den Rücken, um nach einem kurzen Aufenthalt in Würzburg (1887) den Kapellmeisterposten am Stadttheater in Chemnitz (seit 1887/88) zu übernehmen, den er bis 1890 innehatte, bevor in gleicher Funktion kurz in Arnstadt angestellt war. Seit 1901 verzeichnen die Frankfurter Adressbücher ihn wieder als Musiklehrer. Verheiratet war Casimir Freund seit 1859 mit Emilie Pauline, einer Tochter des Augsburger Theaterdirektors Anton Bömly; Emilie Freund (* Augsburg 1835) stand als Sängerin weitgehend dort unter Vertrag, wo auch ihr Mann tätig war.
Werke — Polka Huldigung des Dresdner Damen (Kl.) op. 2, Dresden: Bauer [1856] – 1874 Hofmeister in Leipzig <> Fannie-Polka-Mazurka (Kl.), Leipzig: Hofmeister [1879] <> Fideler Turnermarsch (Kl./Sst., Kl.), Frankfurt: Henkel [1880]; D-F (digital) <> Kegel-Marsch; dokumentiert als Bearb. f. Zith. op. 84 von Philipp Grasmann, Mannheim: Heckel [1880] <> Jubiläums-Festmarsch („Willkommen, ihr Schützen“), Frankfurt: Schuncke [1887] <> Kiebitz-Lied (Sst. Kl.; „Ein Vöglein lebt in Jeverland“), Oldenburg: Hintze [1889]; D-OLns <> Deutsches Kaiserlied (Mch./Sst., Kl.; „Wie aus schwerer Wetterwolke“), Berlin: Teich [1889] <> Singspiel Des Schulzen Töchterlein – Libretto Meiningen: Keyssner 1857; D-B, D-Mbs (digital), D-WRz <> Volksstück mit Gesang Die Spinner von Augsburg (aufgef. Augsburg seit Jan. 1862)
Quellen — Familienbögen Mannheim; Standesamtsregister Frankfurt <> Adressbücher Frankfurt <> Deutscher Bühnen-Almanach <> Bayreuther Zeitung 11. Mai 1857; Augsburger Tagblatt 1. Okt. 1857, 27. Dez. 1857, 14. Jan. 1860 u. ö.; Augsburger Anzeigeblatt 24. Mai 1858, 7. Mai 1861, 30. Jan. 1862, 22. Apr. 1862, 11. Juni 1862 u. ö.; Neue Augsburger Zeitung 14. Febr. 1862; Neue Berliner Musikzeitung 14. Jan. 1863; Intelligenzblatt für die Stadt Bern 7. Apr. 1865, 26. Dez. 1868, 10. Sept. 1875 u. ö.; Neues Fremden-Blatt (Wien) 1. Aug. 1875; Wiener Theater-Chronik 27. Aug. 1875; Didaskalia 28. Sept. 1875, 12. Okt. 1875, 3. Febr. 1876; Siesta (Frankfurt) 2. Okt. 1875; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 1. Apr. 1876 (Morgenblatt), 2. Aug. 1876 (Morgenbl.), 3. Juli 1880 (Abendbl.), 20. März 1882 (Abendbl.), 5. Apr. 1882 (Abendbl.), 20. Nov. 1882 (Morgenbl.), 30. Juni 1887 (Abendbl.), 3. Juli 1887 (Beilage), 27. Juli 1904 (Todesmeldung); Frankfurter Latern 17. Juli 1880, 7. Aug. 1880, 10. Dez. 1881 u. ö.; Reform (Hamburg) 22. Dez. 1887; Sächsischer Landes-Anzeiger (Chemnitz) 14. Febr. 1888
Abbildung 1: Voller Einsatz des Berner Stadtkapellmeisters, der sich offenbar um alles selbst kümmern musste – Anzeige im Intelligenzblatt für die Stadt Bern 26. Dez. 1868; für alle diejenigen unserer Leserinnen und Leser, die unsicher sind: Die Oper stammt von Giacomo Meyerbeer, der an ihr während eines Kuraufenthalts in Schwalbach arbeitete. Und die Ziege brauchte man deshalb, weil die (teils aus Liebeskummer) dem Wahnsinn verfallene Titelheldin mit einer Ziegenherde durchs Gebirge irrt und bei einer durch ein Unwetter hervorgerufenen Überschwemmung eines der Tiere unbedingt retten will, dabei aber selbst von den Fluten fortgerissen wird. Wir rechnen damit, dass sie bei ihrer eigenen Rettung die Ziege ganz fest umklammerte …
Abbildung 2: Fideler Turnermarsch, Titel; D-F
Axel Beer