==== Leonhard Wolff ==== \\ **WOLFF, (JULIUS) LEONHARD** * Halberstadt (nicht Krefeld) 14. Mai 1848 | † Bonn 17. Febr. 1934; Violinist, Dirigent, Komponist {{:wolffl_anz..jpg?nolink&400 |}} Leonhard Wolff war Sohn des [[spohr|Spohr]]-Schülers (1833) und seinerzeit in Halberstadt als Dirigent des //Musikvereins//, seit 1853 in Krefeld tätigen Hermann Wolff (1815–1875) und Enkel des Krefelder Musikdirektors Johann Nikolaus Wolff (1770–1847); dass letzterer mit den Verlagen [[andre|André]] in Offenbach und Schott in Mainz als Kommissionär für Instrumente, Zubehör und Musikalien in Verbindung stand (und auch komponiert hat; s. [[https://opac.rism.info/id/rismid/rism991007132|RISM WW 1844 I,1]] u. [[https://opac.rism.info/id/rismid/rism991007133|I,2]]), sei wenigstens erwähnt. Erwähnt sei auch Wolffs Tante Amalie (ältere Schwester von Vater Hermann), die 1833 Mutter des späteren Brahms-Freunds Rudolf von Beckerath wurde. – 1862–1865 studierte Leonhard Wolff an der Kölner Musikhochschule bei [[hiller|Ferdinand Hiller]] Komposition und konnte anschließend aufgrund des ihm im März 1865 für vier Jahre zuerkannten Stipendiums der Frankfurter //Mozart-Stiftung// (wie auch mit väterlicher Unterstützung) seine Studien als Violinist, die er bereits im Sommer des Jahres bei Henri Vieuxtemps in Frankfurt begonnen hatte, bei Hubert Léonard in Brüssel und Paris fortsetzen. Mit dem Besuch der königlichen Hochschule in Berlin (1869/70; Joseph Joachim und Friedrich Kiel waren hier seine Lehrer) schloss er seine Ausbildung ab. Nachdem er bereits seit Ende 1868 Mitglied mehrerer reisender Quartett-Formationen gewesen war (seit 1871 als Bratschist des von Graf Bolko von Hochberg unterhaltenen Streichquartetts), fand er 1875 seine erste Anstellung als Königlicher Musikdirektor an der Universität Marburg. Von hier aus unternahm er kleine Konzertreisen, beispielsweise 1875 auf Einladung seines ehemaligen Kölner Kommilitonen [[enzian|Gisbert Enzian]] zweimal nach Bad Kreuznach, wo er mit dem Cellisten [[grimm|Carl Grimm]] aus Wiesbaden auftrat; weiterhin ließ er sich 1877 und 1878 in Gießen bei Veranstaltungen des //Concert-Vereins// gemeinsam mit [[lux|Friedrich Lux]] aus Mainz und Clara Schumann aus Frankfurt hören. Zudem war er ständiger Gast der Frankfurter Museumskonzerte. Nach dem Tod [[d-ester|Carl D’Esters]] im Oktober 1879 bewarb Wolff sich erfolgreich um die Dirigentenstelle des Wiesbadener //Cäcilien-Vereins// – beim Probedirigat hatte er sich „so vortheilhaft präsentirt […], daß von Abhaltung noch weiterer Proben durch andere Bewerber […] Abstand genommen wurde“ (//Wiesbadener Tagblatt// 2. Dez. 1879). Gleichzeitig übernahm er die nach dem Weggang Anton Wilhelm Baals vakante Leitung des Wiesbadener //Männergesang-Vereins//, und es dauerte nur wenige Monate, bis er via Inserat „Privat-Unterricht für Musik“ – und dies in einem recht umfangreichen Spektrum (vgl. die Abb.) – anbot. Außerdem beteiligte er sich an Kammermusikkonzerten, etwa im November 1882 als Bratschist gemeinsam mit Hugo →Heermann, [[wallenstein|Martin Wallenstein]] und [[swert|Jules De Swert]] im Rahmen einer Veranstaltung des //Vereins der Künstler und Kunstfreunde//. Dass Wolff während dessen Aufenthalt in Wiesbaden von Juni bis September 1883 auch Johannes Brahms begegnete, soll nicht unerwähnt bleiben: Er war ihm mit seinem Vetter Beckerath nicht nur bei der Wohnungssuche behilflich, sondern brachte den Meister auch beim gemeinsamen Musizieren auf den Gedanken, das Horntrio op. 40 zusätzlich in einer Fassung mit Bratsche zu veröffentlichen. {{ :wolffl_d-f.jpg?nolink&280|}} Bereits im Juni 1884 wurde Wolff zum Städtischen Kapellmeister in Bonn (in dieser Funktion blieb er bis 1898) und gleichzeitig (als Nachfolger Arnold →Mendelssohns) zum Universitätsmusikdirektor berufen; 1913 ging er in den Ruhestand. In Wiesbaden folgten ihm [[marpurg|Friedrich Marpurg]] bzw. nach dessen bald nach der Wahl erfolgten Tod Martin Wallenstein als Dirigenten des //Cäcilien-Vereins// nach sowie als Leiter des //Männergesang-Vereins// [[smolian|Arthur Smolian]]. Die Mitglieder des Männerchors waren es auch, die Wolff (sicher nicht nur auf dem Weg eines Inserats in der Presse) als ihrem „früheren geschätzten Dirigenten zu seiner neueren ehrenvollen Anerkennung die herzlichsten Glückwünsche“ übermittelten (//Wiesbadener Tagblatt// 7. Juli 1885) – gemeint war die wenige Tage zuvor erfolgte Ernennung zum Königlichen Professor, die übrigens der Promotion zum Dr. phil. an der Universität Leipzig (1890) vorausging. – Verheiratet war Leonhard Wolff in erster Ehe (Darmstadt 1877) mit Anna Waitz (* 1854), Tochter des Marburger Anthropologie-Professors Theodor Waitz (1821–1864), nach deren Tod 1886 mit Maria Marx (1858–1904); beider Sohn war der Verleger Kurt Wolff (1887–1963). Eine Verwandtschaft mit [[wolffh|Heinrich Wolff]], [[wolffm|Max Wolff]] und der [[wolff|Familie Wolff]] liegt nicht vor. **Werke** — __Kompositionen__: //Vier Lieder// (Sst., Kl.) op. 1, Köln: Dreßler [1866] (s. Besprechung AmZ 16. Mai 1866); D-KNh – 1868 bei K. Schulze, Leipzig <> //Sechs Lieder// (Sst., Kl.; //Heimweh//, //Der Zufriedene//, //Weinlied//, //Das Jägermädchen//, //Morgenlied//, //Lauf der Welt//) op. 2, 2 Hefte, Köln: Weber [1866] (s. Besprechung AmZ 16. Mai 1866) – 1904 an Tonger in Köln; D-B <> //6 Duette// (2 Sst., Kl.; //Frühlingslied//, //Erster Verlust//, //Zwiegesang//, //Wanderers Nachtlied//, //Liebesfeier//, //Weihnachtslied//) op. 3, Berlin: Schlesinger [1871]; D-KNh <> //Drei Lieder// (Sst., Kl.; //Geheimnis//, //Gute Nacht//, //Ein Sonntag//) op. 4, Berlin: Schlesinger [1873]; D-LEm (verm. autogr. Stichvorlage) <> //Am Traunsee// (Bar-Solo, 3st. Fch., Kl.) op. 5, Berlin: Schlesinger [1874]; D-LEm (autogr. Stichvorlage) <> //Jagdstück// (Kl.) op. 6, Leipzig: Peters [1873] <> //Vier Stücke// (Vl., Kl.; //Abendlied//, //Capriccetto//, //Notturno//, //Volkslied//) op. 7, Leipzig: Breitkopf & Härtel [1873]; D-B – daraus //Notturno// (Vc., Kl.) als op. 9, ebd. [1873] //Novellette// (Vc., Kl.) op. 8, ebd. [1873]; D-B <> //Fünf Lieder// (Sst., Kl.; //Frühlingsahnen//, //Neues Werden//, //Liederträumen//, //Erste Liebe//, //Minnelied//) op. 11, Berlin: Simrock [1875]; D-B <> //Jung Werner// (4st. Mch.), in: //Preischöre des Wiesbadener Männer-Gesangvereins// [1881]; D-B – als op. 12 Leipzig: Leuckart [1892]; D-B <> Limburger Preischor (4st. Mch.; „Mein Heimatland“), Privatdruck Limburg: Männergesang-Verein <> //Rheinisches Paradies// (4st. Mch.; „Wo wonnig uns des Rheines Woge rauschet“), Köln: Tonger [ca. 1900/05]; D-B <> ungedruckt gebliebene (und wohl nicht überlieferte) Kompositionen aus früher Zeit (u. a. eine Messe, eine Sinfonie) s. //Didaskalia// 27. Nov. 1867, den Nekrolog im Bonner //General-Anzeiger// sowie //Meine musikalischen Erinnerungen// (s. 15–16) <> __Schriften__: //Geschichtliche Studien über das musikalische Motiv, seine Entwicklung und Durchführung//, Leipzig: Röder 1890 (Dissertation) <> //J. Sebastian Bachs Kirchenkantaten. Ein Nachschlagebuch für Dirigenten und Musikfreunde//, Leipzig: Wolff 1913 <> //Meine musikalischen Erinnerungen//, Privatdruck 1932 (D-GOl [[https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:urmel-ufb-177041|digital]]) **Quellen** — Standesamtsregister Berlin und Darmstadt <> Adressbücher Wiesbaden <> Studierendenlisten des Kölner Konservatoriums und der Berliner Musikhochschule <> Briefe von Johann Nicolaus Wolff an Schott in Mainz und Spohr in Kassel s. [[http://kalliope-verbund.info/gnd/1153924617|Kalliope]] – Briefe von André bzw. Schott an Johann Nicolaus Wolff; D-MZsch bzw. D-OF (Briefkopierbücher) – Briefe von Leonhard Wolff (u. a. an [[bruchm|Max Bruch]], [[holl|Karl Holl]], Engelbert Humperdinck, [[manskopf|Friedrich Nicolas Manskopf]]); s. [[https://kalliope-verbund.info/gnd/117441511|Kalliope]] <> NN., //Prof. Dr. Leonhard Wolff †// [Nekrolog], in: //Bonner Stadt-Anzeiger// 20. Febr. 1934 <> NN., //Prof. Dr. Leonhard Wolff †// [Nekrolog; anderer Text], in: //General-Anzeiger für Bonn und Umgebung// 20. Juni 1934 <> Ludwig Schiedermair, //Leonhard Wolff// [Nekrolog], in: //Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn (1933/34)//, S. 25–27 <> //Der 27. Bericht der Mozartstiftung//, in: //Frankfurter Reform// 10. Nov. 1865, S. 543 <> //29ster Jahres-Bericht des Verwaltungs-Ausschusses der Mozart-Stiftung an den Liederkranz über Entwicklung und Wirksamkeit der Stiftung im Vereinsjahr 1865/66//, in: //Didaskalia// 27. Nov. 1867 <> //Signale für die musikalische Welt// 6. Apr. 1865, 7. Dez. 1866, Nr. 5 (Jan.) 1867, 1. Febr. 1869; //Süddeutsche Musik-Zeitung// 7. Dez. 1868; //Neue Berliner Musikzeitung// 25. Aug. 1869; NZfM 27. Okt. 1871, 11. Juli 1884; //Musikalisches Wochenblatt// 22. März 1872; AmZ 2. Okt. 1872; //Gießener Anzeiger// 29. Juli 1875, 20. Okt. 1877, 19. Febr. 1878; //Wiesbadener Tagblatt// 7. Dez. 1875, 2. Dez. 1879, 9. Dez. 1879, 15. Jan. 1880, 6. Apr. 1880, 17. Aug. 1882, 21. Nov. 1882, 8. Febr. 1883, 30. Mai 1883, 11. Juni 1884, 3. Juli 1884, 26. Okt. 1884, 7. Juli 1885, 5. Febr. 1906 u. ö.; //Wiesbadener Bade-Blatt// 25. Nov. 1879, 13. Sept. 1882 u. ö.; //Signale für die musikalische Welt// Nr. 70 (Dez.) 1879; //Bonner Zeitung// 2. Febr. 1884, 10. Juni 1884, 4. Juli 1885 u. ö.; //Bonner Volkszeitung// 21. Febr. 1886 **Literatur** — //Wolff, Hermann//, in: [[https://www.spohr-briefe.de/index.php?id=35&m=147|Spohr-Briefe]], hrsg. von Karl Traugott Goldbach <> Art. //Wolff, Leonhard//, in: Peter Clive, //Brahms and His World. A Biographical Dictionary//, Oxford 2006, S. 510–511 <> RiemannL91919, 121961 <> Art. //Wolff, Leonhard//, in: RhM 1 (1966), S. 266–268 <> MüllerDML; NassB Abbildung 1: Anzeige im //Wiesbadener Tagblatt// 6. Apr. 1880 Abbildung 2: Leonhard Wolff nach einer Fotografie aus der späten Bonner Zeit ([[https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hebis:30:2-153750|Digitalisat]] aus D-F, Porträtsammlung [[manskopf|Manskopf]]) ---- Axel Beer und Karl Traugott Goldbach