==== Christian Semiller ==== \\ **SEMILLER (eigentl. Seemüller), CHRISTIAN (VALENTIN)** * Würzburg (?) um 1799 | † Offenbach (?) um 1880; Militärmusiker {{ :semiller_anz.jpg?nolink&330|}} Bereits bei seiner ersten Eheschließung mit der Darmstädter Plüschfabrikantentochter Anna Maria geb. Reichardt (1826) wird Christian Seemüller – die Schreibung seines Namens wechselt bereits im Jahr darauf konstant zu Semiller –, erster Sohn des damals in Erbach (Odenwald) niedergelassenen Bezirksarzts Heinrich Seemüller (1778–1847), als Musikmeister des in Offenbach stationierten Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiments „Groß- und Erbprinz“ (seit 1836 unter der Bezeichnung 4. Infanterie-Regiment „Prinz Carl von Hessen“) bezeichnet. Um die Mitte der 1840er Jahre wurde er pensioniert, lebte aber weiterhin in Offenbach. Unter den wenigen bisher nachweisbaren öffentlichen Konzerten der Regimentskapelle unter seiner Leitung sind u. a. eines in Bad Salzhausen (1840) zu nennen sowie aus Anlass des //Wetterauer Sängerfests// 1842 ein „großer Festball“, bei dem „die vollständige Musik des zu Offenbach und Friedberg garnisonirenden 4. Regiments, in zwei Chören aufgestellt, ununterbrochen [!]“ zu spielen hatte (//Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen// 9. Juni 1842). Das Spektrum dessen, was ein Kapellmeister angesichts der Aufgabe, seinen Musikern Einnahmequellen zu eröffnen, zu bewältigen hatte, wird deutlich anhand einer 1829 in der //Didaskalia// dokumentierten Auseinandersetzung: Nachdem ein Zeitgenosse sich über die Qualität der Musikuntermalung bei einer Vorstellung des berühmten Wiener Kunstreiters Christoph de Bach bei der Frankfurter Ostermesse beklagt hatte („Nur die Musik dürfte weit besser seyn […] Der Herr Kapellmeister sollte doch wirklich mehr Aufmerksamkeit auf dieselbe verwenden“; 2. Mai 1829), platzte Christian Semiller, der sich angesprochen fühlte, der Kragen: Abgesehen vom Verweis auf das miserable Wetter, bei dem seine Leute gezwungen waren, „mit aufgespannten Regenschirmen und sogar bei durch Regen ausgelöschten Lampen zu musiciren“, musste Semiller die Qualität des zur Verfügung gestellten Notenmaterials zur Sprache bringen: „In gedachten Musikalien sind ganze Nummern einzelner Stimmen unrichtig, auch fehlen dergleichen gänzlich; die Bezeichnung der Bogen zum Umstecken der Hörner und Trompeten, das Wechseln der C, B Clarinetten [etc., etc.] ist nicht gehörig ausgeschrieben“; es folgte der Rat an den Nörgler, „sehr vorsichtig die Leiter, welche zum Orchester führt, zu ersteigen, damit er den Hals nicht breche.“ (6. Mai 1829). – Der 1846 genannte Sekretär des Erbacher Männergesangvereins namens Semiller (offenbar identisch mit dem zu gleicher Zeit erwähnten Wundarzt) wird ein Bruder des Kapellmeisters gewesen sein, der – dies sei noch der Vollständigkeit halber angefügt – nach dem Tod seiner Ehefrau (ca. 1802–1844) Anna Maria Bodensohn (ca. 1817–1894) heiratete. Beider Tochter Helena (1838–1883) war Ehefrau des Mainzer Bildhauers Carl Georg Edmund Rittersheim (1837–1903), seinerseits über seinen Vater Karl Georg (1805–1857; Schokoladenfabrikant in Mainz) und Großvater Friedrich Edmund Seraphin (1784–1852; Musiker in Mainz) Urenkel von [[rittersheim|Joseph Rittersheim]]. Ein Bruder Helenas war der Offenbacher Graveur Heinrich Ferdinand Semiller (1845–1915). **Werke** — Bislang ließen sich nur die Titel einiger weniger Kompositionen Semillers aufgrund von in der Presse mitgeteilten Programmen ermitteln: //Quodlibet im Wiener Geschmack, aus 22// [!!!] //Opern// und //Musikalisches Echo// (1840); //Friedberger Sänger-Festmarsch// und //Quodlibet für Blechmusik// (1842) **Quellen** — KB Darmstadt (Militär, ev.), KB Offenbach (ev.); Standesamtsregister Offenbach <> //Didaskalia// (Frankfurt) 2. Mai 1829, 6. Mai 1829, 1. Febr. 1846; //Anzeigeblatt der Stadt Gießen// 8. Aug. 1840; //Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen// (Friedberg) 8. Aug. 1840, 9. Juni 1842, 21. Apr. 1847 Abbildung: Programm eines Konzerts der von Christian Semiller geleiteten Militärkapelle – mit Werken des Musikmeisters selbst sowie auch seines ehemaligen Dienstherrn Großherzog Ludewig I.; //Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen// 8. Aug. 1840 ---- Axel Beer