==== Richard Schefter ==== \\ **SCHEFTER, (FRIEDRICH) RICHARD** * Magdeburg 24. Okt. 1840 | † Speyer 22. Dez. 1916; Pianist, Komponist, Dirigent {{ :schefter_anz._1.jpg?nolink&330|}} Schefter wuchs mit idealen Voraussetzungen für eine pianistische Karriere auf: Sein Vater Friedrich Erdmann Schefter (* Waltersdorf (bei Sorau; heute Lubomyśl, Polen) ca. 1808 | † Magdeburg 1. Sept. 1879) war Leiter des //Zabel’schen Instituts für Clavier-Unterricht// in Magdeburg, engagierte sich im dortigen Tonkünstlerverein und verfasste in den 1840er Jahren Korrespondenzberichte für die NZfM, sodass er bestens vernetzt war, um die ersten Auftritte seines Sohns bestmöglich zu gestalten und ihm eine gründliche Ausbildung angedeihen zu lassen, die er bei Theodor Kullak in Berlin abschloss. Seit 1857 ließ sich Richard Schefter in Magdeburg öffentlich als Pianist hören und stellte alsbald auch eigene kleinere Kompositionen vor, die teils im Druck erschienen. 1861 zeigte er in der Presse an, dass er neben Stunden am Institut seines Vaters auch privat Klavier-, Gesangs- und Kompositionsunterricht erteilte. Rund zehn Jahre später gab er seine Lehrtätigkeit auf und wandte sich nach Mühlhausen (Thüringen), wo er die Leitung der //Liedertafel//, des //Mercurs// und der sogenannten „Ressourcenkonzerte“ des Musikvereins übernahm – was ihn jedoch nicht davon abhielt, regelmäßig als Klaviersolist (außerhalb wie auch bei den von ihm organisierten Konzerten) aufzutreten. {{:schefter_anz._josua.jpg?nolink&400 |}} 1878 wechselte Schefter nach Speyer, um die Nachfolge Joseph Sauters als Leiter des dortigen //Cäcilienvereins// anzutreten. Er führte eine Vorschule für zukünftige Sängerinnen des Damenchors ein sowie Kammermusik-Soiréen, die die jährlichen sechs (später fünf) Konzerte des //Cäcilienvereins// ergänzen sollten und erfreute sich schon nach kurzer Zeit großer Beliebtheit. Heinrich Gilardone, Buchdruckereibesitzer und Vereinssänger, fasste den Eindruck reimend während des Banketts zur 60. Stiftungsfeier des //Cäcilienvereins// zusammen: „[…] Mein Spruch gilt nämlich jenem Mann, \\ Der jetzt zwar nicht gut gehen kann, \\ Der trotzdem aber vorwärts kommt \\ Und weiß, was der Cäcilia frommt, \\ Der stets bekundet Willenskraft \\ Und unermüdlich wirkt und schafft, \\ Der transponirt und componirt \\ Und – von der Muse inspirirt \\ Gleichwie ein Halbgott dirigirt, \\ Doch niemals die Geduld verliert, \\ Der – wenn auch an Gestalt sehr klein – \\ Mit seinen netten Händelein \\ Die Tasten so gewaltig schlägt, \\ Daß uns sein Spiel das Herz bewegt. – \\ […]“ (//Speierer Zeitung// 1. Dez. 1879) Darüber hinaus erteilte Schefter seit 1887 Gesangsunterricht am Gymnasium, wirkte als Ortsvertreter des Speyerer Wagnervereins und übernahm 1895 zudem von Emil Holtzmann die musikalische Leitung der //Liedertafel//, mit der er durch zahlreiche gemeinsame Konzerte mit dem //Cäcilienverein// bereits eng vertraut war (beide Vereine wurden 1903 zum //Liedertafel-Cäcilienverein// zusammengelegt). Damit trat er außerdem dem Musikausschuss des //Pfälzischen Sängerbundes// bei. Das Arbeitspensum Schefters muss enorm gewesen sein – Jahresberichte des //Cäcilienvereins// nennen um 1900 rund 150 Proben im Jahr – zumal er nach wie vor bei vielen der Konzerte in mehrfacher Funktion beschäftigt war. Letzteres fand auch in der Presse vielfach anerkennende Beachtung. So liest man 1897: „Sämmtliche Nummern mit Ausnahme des Weberschen Konzertes [das er als Solist spielte] wurde[n] von Herrn Schefter dirigert, die Sololieder auch von demselben begleitet, und es ist gewiß die Thatsache besonders deutlich zu notieren, daß Herrn Schefter bei der großen Anstrengung noch Kraft und Frische als Pianist übrig blieb.“ (//Speierer Zeitung// 25. Okt. 1897) Bei der Programmgestaltung war er um Ausgewogenheit bedacht – neben recht vielen Novitäten standen bekannte und weniger bekanntere ältere Werke (als Beispiele für letztere wären [[spohr|Louis Spohrs]] Oratorium //Der Fall Babylons// oder das Klavierkonzert von [[dreyschock|Alexander Dreyschock]], aufgeführt 1887 bzw. 1897, zu nennen). Mehrfaches Lob von seiten der musikalischen Presse erfuhr außerdem die Tatsache, dass in den gedruckten Programmen „in nachahmenswerther Weise im allgemeinen Interesse die Verlagsorte der betr. Werke“ angegeben waren (//Musikalisches Wochenblatt// 6. Dez. 1878). Für eine Aufführung von Händels //Josua// im Jahr 1890 (bei der u. a. [[firnberg|Bernhard Firnberg]] mitwirkte) schrieb Schefter eine ergänzende Instrumentation, mit der das Oratorium anschließend auch in Landau, Neubrandenburg (hier unter Mitwirkung des Ehepaars [[hildach|Hildach]]) und Dortmund (hier mit [[wilhelmjm|Maria Wilhelmj]]) erklang. Als besonderes Ereignis wurde weiterhin 1906 ein Konzert des //Liedertafel-Cäcilienvereins// zur Entwicklung des Männergesangs angekündigt, das neben ausgewählten Männerchören aus unterschiedlicher Epochen auch einen Vortrag von [[krausska|Karl August Krauss]] umfasste (vgl. //Speierer Zeitung// 11. Dez. 1906; Krauss hatte der //Liedertafel// und ihrem Dirigenten Schefter bereits 1901 seinen Männerchor op. 17 gewidmet). 1910 trat Schefter von seinen Ämtern zurück und gab sein letztes Konzert ([[vierling|Georg Vierlings]] //Alarich//), woraufhin die //Speirer Zeitung// (Zweites Blatt, 30. Apr. 1910) zu seinem Abschied verlauten ließ: „Sein Leben ist Mühe und Arbeit gewesen, aber köstlich in seinem Erfolg. […] Möchte sich sein Lebensabend recht sonnig und heiter gestalten.“ Auf seine Nachfolge als Dirigent der Liedertafel gingen nicht weniger als 73 Bewerbungen ein, unter denen schließlich Markus Stahl ausgewählt wurde. Schefter hingegen kehrte gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück und inserierte schon bald, dass er „[n]ach Niederlegung meines Amtes […] noch Zeit für Privatsunden im Klavierspiel, Gesang u. Harmonielehre“ finde (//Speierer Zeitung// 7. Okt. 1910; s. Abb.). Schefter war seit 1871 verheiratet mit Lina (eig. Caroline Emilie) geb. Ackermann, die sich ihrerseits als Sängerin im Speyrer //Cäcilienverein// nachweisen lässt. Seine Halbschwester Marie (Henriette Wilhelmine) Schefter (* Magedburg 2. Sept. 1853 | † nicht vor 1879) war als Musiklehrerin in Magdeburg tätig. {{ :schefter_anz._3.jpg?nolink&230|}} **Werke** — __im Druck erschienen__: //Tarantelle// (Kl.), Magdeburg: Heinrichshofen [1861]; D-MAs <> //Capriccietto// (Kl.) op. 2, 2. Aufl., Hannover: Nagel [1873] <> //Thüringisches Volkslied// (Kl.) op. 3, 2. Aufl., ebd. [1873] <> //Concert-Walzer// (Kl.) op. 4, 2. Aufl., ebd. [1873] <> //Sonatine// (Kl.) op. 5, 2. Aufl., ebd. [1873] <> //2 deutsche Lieder// (//Gesangeshuldigung//, //An Deutschland//; 4st. Mch.) op. 6, ebd. [1872] <> //Nachtgesang// (Streichorch., obl. Vc.) op. 7 (aufgef. Mühlhausen 1877), Berlin: Ries & Erler; D-B, %%GB%%-Lbl, US-PHff – dass. (Salonorch., Vc.), Bremen: A. E. Fischer; DK-Kk <> __nicht gedruckt__: //Thautropfen. Salonstück// (Kl.); aufgef. Magedburg 1860 <> Klavierkonzert g-Moll; aufgef. Mühlhausen 1872 <> //Märchenouverture// F-Dur (Orch.); aufgef. Mühlhausen 1874 <> Chöre; aufgef. Mühlhausen 1876 <> //Volkslied aus Kärnthen// (Chor); aufgef. Mühlhausen 1876 <> //Ungarisches Liedchen// (Chor); aufgef. Mühlhausen 1876 <> Serenade (Streichorch.); aufgef. Speyer 1881 //Meerfahrt// (Orch.); aufgef. Speyer, Paderborn 1883 Duo a-Moll (2 Kl. 4ms); aufgef. Speyer 1884 <> Andante moto (Streichorch.); aufgef. Speyer 1885 <> //Allein// und „Ich möchte mit den Vögeln ziehen“ (Sst., Kl.); aufgef. Speyer 1886 <> //Im Herbst// (Mch.); aufgef. Speyer 1887<> Andante mosso (Streichquartett-Satz); aufgef. Speyer 1889 <> //Legende// (Streichorch.); aufgef. Speyer 1899 <> __Bearbeitungen__: Robert Franz, //Hebräische Melodie// (Orch.); aufgef. Mühlhausen 1876 <> Franz Schubert, //Mirjam’s Siegesgesang// op. 136 (Sst., Orch.); aufgef. Speyer 1888 <> Georg Friedrich Händel, //Josua// (ergänzende Instrumentation); aufgef. Speyer 1890 **Quellen** — KB Magdeburg (St. Katharinen), KB Mühlhausen (Divi Blasii) <> Standesamtsregister Speyer <> Adressbücher Speyer <> Briefe siehe [[http://kalliope-verbund.info/gnd/11719283X|Kalliope]] <> Jahresberichte der Königlich Bayerischen Realschule in Speyer, 1886/87ff. <> MMB <> Zahlreiche Nennungen in der regionalen und musikalischen Presse – u. a. //Magdeburgische Zeitung// 9. Juni 1857, 4. Sept. 1857, 6. Apr. 1859, 14. Apr. 1860, 20. Apr. 1860, 24. Okt. 1860, 25. Okt. 1860, 13. März 1861 u. ö.; NZfM 1. Juli 1861, 23. Okt. 1874, 5. März 1875, 23. März 1877, 11. Okt. 1878, 22. Nov. 1878, 23. März 1883, 11. Juli 1888, 28. Mai 1890, 10. Febr. 1892 u. ö.; //Musikalisches Wochenblatt// 10. Jan. 1873, 23. Okt. 1874, 5. März 1875, 26. März 1875, 2. Apr. 1875, 5. Mai 1876, 21. Juli 1876, 11. Mai 1877, 25. Okt. 1878, 24. Jan. 1879, 7. Febr. 1879, 23. Mai 1879, 5. Dez. 1879, 12. Dez. 1879, 21. Apr. 1881, 15. Nov. 1883, 3. Jan. 1884, 19. Nov. 1885, 6. Jan. 1887, 10. Nov. 1887, 29. Dez. 1887, 2. Febr. 1888, 31. Jan. 1889, 11. Juni 1891 u. ö.; //Pfälzer Zeitung// 23. Nov. 1878; //Speierer Zeitung// 28. Nov. 1878, 29. Nov. 1878, 31. Mai 1879, 1. Dez. 1879, 23. Dez. 1879, 21. Jan. 1884, 3. Dez. 1886, 31. Aug. 1895, 9. Nov. 1895, 19. Juni 1896, 6. Aug. 1896, 9. März 1897, 25. Okt. 1897, 14. Nov. 1898, 10. März 1899, 5. Nov. 1901, 16. Nov. 1903, 11. Dez. 1906, 23. Apr. 1910, 29. Apr. 1910, 2. Mai 1910, 30. Apr. 1910, 30. Juni 1910, 24. Aug. 1910, 7. Okt. 1910, 23. Dez. 1916 (Nachruf) und passim Abbildung 1: Anzeige des ersten Konzerts von Schefter in Speyer, in: //Pfälzer Zeitung// 23. Nov. 1878 Abbildung 2: Konzertanzeige zur Speyrer Aufführung von Händels //Josua// in der Fassung Schefters; D-Mbs ([[https://digitale-sammlungen.de/view/bsb11329113?page=158%2C159|digital]]; eingelegt in eine Notenausgabe des besagten Oratoriums) Abbildung 3: Schefters Anzeige für Musikunterricht, in: //Speierer Zeitung// 7. Okt. 1910 ---- Kristina Krämer