==== Johann Reuchsel ====
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**REUCHSEL (auch Reuschel), JOHANN (auch Jean, Johannes, Johannis)** * Bettenhausen (heute Ortsteil von Rhönblick, bei Meiningen) 28. März 1791 | † Lyon 15. März 1871; Musiklehrer, Organist, Komponist
Auch wenn es sich bislang nicht zweifelsfrei belegen lässt, deutet doch vieles darauf hin, dass die neu aufgefundenen Biographiesplitter aus der Zeit bis 1824 jenem bereits lexikalisch bekannten Bettenhausener Johann Reuchsel zuzuschreiben sind: Im Januar 1816 suchte ein Idsteiner Musiklehrer „Joh. Reuchsel“ bei [[andre|André]] in Offenbach Musikalien im Wert von rund 170 fl. aus, um diese weiterzuverkaufen. 1816/17 übersiedelte er nach Frankfurt/M., wo er bis 1820 Singlehrer an der Schulanstalt der Israelitischen Gemeinde war (sein Nachfolger wurde [[meggenhofen|Friedrich Meggenhofen]]) und 1820 zudem Organist im Betsaal des Irrenhauses (ev.-luth. Gemeinde; als Nachfolger Franz Joseph Wilhelm Dimlers und Vorgänger von Johann Moritz Hofmann). In Frankfurt erwarb er weitere Musikalien von André und auch Gitarren von Schott in Mainz.
Im April 1820 zeigte ein „J. Reuchsel, Musiklehrer aus Sachsen-Meiningen“ in Köln an, dass er sich „bestimmt habe, hier zu bleiben, um Klavier-, Guitarre- und Gesangunterricht zu ertheilen“ (//Kölnische Zeitung// 22. Apr. 1820). Weitere Nachweise in Köln finden sich nicht, dafür aber Fremdenanzeigen in Karlsruhe (27. Juni 1821, 25. Dez. 1823) und Aschaffenburg (21. Juni 1822, 8. Juli 1823), die ihn als Musikdirektor aus Sachsen-Meiningen bzw. Freiburg im Breisgau bzw. Bamberg ausweisen. Er selbst zeigte im April 1823 als „Joh. Reuchsel“ in Bamberg den „hiesigen verehrlichen Theaterorchestermitgliedern“ seinen Weggang an und im //Taschenbuch für Schauspieler und Schauspielfreunde auf das Jahr 1823// ist Reuchsel als Musikdirektor am Freiburger Theater geführt. Dass die Literatur seine letzte Station vor dem Weggang nach Frankreich mit Theaterkapellmeister in Würzburg angibt, ist vielleicht auf die seinerzeit vorhandene Verbindung des Bamberger Nationaltheaters mit Würzburg, Bayreuth und Aschaffenburg zurückzuführen. Möglichweise sorgte auch die Person des Würzburger Hofmusikus und Violinisten (Johannes Mathias) Caspar Reuschel (get. Würzburg 24. Febr. 1783 | † ebd. 20. März 1846); Neffe von [[kreusserj|Johann Kreusser]]) für weitere Verwirrung.
Ab 1824 lebte Reuchsel als Organist und Musiklehrer an verschiedenen Orten im Osten Frankreichs: bis 1826 in Nuits-Saints-Georges (hier gehörte Ludovie Maray (1814–1875), die Widmungsträgerin seines op. 9, zu seinen Schülerinnen), dann von 1837 bis um 1842 in Vesoul und anschließend in Châtillon-sur-Seine, bevor er sich schließlich in Lyon niederließ. Aus der 1824 mit Anna Marie Poinet geschlossenen Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen alle sechs, die das Kindesalter überlebten, eine musikalische Laufbahn wählten: Louise-Mélanie (1828–um 1860), Johann (auch Jean; 1833–1878), Félix (1830–1917), Ernest (1838–1914), Léon (1840–1915) und Joseph (1848–1917) – weitere Musiker/Komponisten befanden sich auch unter den Enkeln und Urenkeln.
**Werke** (veröffentlicht unter J./Johann/Johannes/Johannis Reuchsel/Reuschel) —
//12 Walses et Ecossaises arrangées en Duos// (2 Vl.), Mainz: Schott [1821] <>
//Quadrille// (Fl., Git.), in: //Unterhaltungen für Floete und Guitarre//, 3. Heft, Augsburg: Gombart [1822] (von Rheinfurth Caspar Reuchsel zugeschrieben); A-LA <>
//3 Quadrilles faciles// [et six petites valses] (Kl.) op. 4, Paris: Pacini [1831]; F-Pn <>
//Six Morceaux faciles// (Kl. 4ms) op. 5 („Dédiés à sa Jeune Elève Mélanie Royer“), ebd. (in Komm.) [1829]; D-Mbs ([[https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11328744-6|digital]]) F-Pn <>
//6 Duos faciles// (2 Vl.) op. 6, ebd. [1829]; F-Pn <>
//Air Allemand Varié// (Kl.) op. 9 („Dédié à Mademoiselle Ludovie Marey“), Paris: Launer (in Komm.) [1831]; F-Pn, %%GB%%-Lbl ([[https://books.google.de/books?id=vKAWcgFdppUC|digital]]) <>
//6 Airs de „La Dame du lac“, opéra de Rossini//, arr. (Klar., Vl., Vc./Kl.) op. 11, Paris: Pacini [1834]; F-Pn <>
//Preciosa, opéra de C. M. de Weber// arr. (Fl., Vl., Git.) op. 12, ebd. [1834] <>
//Le Barbier de Séville, opéra de Rossini//, arr. (Kl. 4ms), ebd. [1831/1834?]; F-Pn <>
//Choix de valses allemandes// (Kl.; neben eigenen Komp. auch Walzer von Savart, [[bott|Jean Bott]] und [[beethoven|Beethoven]]) op. 14, ebd. [1834?]; F-Pn <>
//Guide explicatif pour la méthode pour les enfants de l’âge de 4 ans et au dessus// (Kl.) op. 18, Paris: Benacci [?]; F-Pn <> __ungedruckt__: Orgelstücke; F-LYm (Ms.); Chanson (Sst., Kl.) op. 12; F-Pn (Ms.)
**Quellen** — KB Bettenhausen (ev.); KB Würzburg (St. Kilian); Zivilstandsregister Vesoul <> Briefe von André in Offenbach an Reuchsel (7, 1816–1820); D-OF (Kopierbücher); Briefe von Schott in Mainz an Reuchsel (1, 1819); D-MZsch (Kopierbuch); Briefe Reuchsels an Schott (2, 1816, 1819); D-Mbs <> Familienarchiv Reuchsel; F-LYm ([[https://ccfr.bnf.fr/portailccfr/ark:/16871/005FRCGMSUP-693836101-SF27a|Bestandsbeschreibung]]) <> //Staats-Calender der freien Stadt Frankfurt// 1818–1820 <> //Taschenbuch für Schauspieler und Schauspielfreunde auf das Jahr 1823//, Wien [1823] <> //Kölnische Zeitung// 2. Apr. 1820; //Grossherzoglich Badisches Anzeige-Blatt// (Karlsruhe) 27. Juni 1821; //Aschaffenburger Zeitung// 21. Juni 1822, 8. Juli 1823; //Bamberger Intelligenzblatt// 22. Apr. 1823; //Karlsruher Intelligenz- und Wochen-Blatt// 25. Dez. 1823 <> HmL; //Bibliographie de la France//
**Referenzwerke und Literatur** — Art. //Reuchsel, Kaspar//, als Nr. 53, in: //Würzburg’s Schriftsteller, Künstler und Sammlungen. II. Künstler. A. Lebende//, in: //Artistisch-Literarische Blätter von und für Franken// Nr. 7 (27. Febr.) 1808 <> Art. //Reuschel (Kaspar)//, in: Johann Georg Meusel, //Teutsches Künstlerlexikon// […], 2. Aufl., Lemgo 1808 <> //Festschrift zur Jahrhundertfeier der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804–1904//, Frankfurt 1904, S. 177 <> Ennemond Trillat, Art. //Reuchsel, Familie//, in: MGG1 (siehe auch Suppl.) <> Rheinfurth 1999 <> KirschL <> Art. //Reuchsel, Johann//, in: Pierre Guillot, //Dictionnaire des organistes français des XIXe et XXe siècles//, Sprimont 2003
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Kristina Krämer