==== Adolph Pochhammer ==== \\ **POCHHAMMER, ADOLPH (Adolf)** * Rheine (Westfalen) 14. Aug. 1864 | † Aachen 7. Okt. 1931; Musikpädagoge, Autor, Komponist, Dirigent {{ :pochhammer_anz._1.jpg?nolink&380|}} Adolph Pochhammer, Sohn des Oberfinanzrats August Wilhelm Pochhammer und dessen Ehefrau Antonie Josephine Ferdinande Henriette, geb. Schmitz, studierte nach Erwerb des Abiturs von 1885 bis 1888 an der //Königlichen Hochschule für Musik// in Berlin bei Joachim Pyllemann (Kl., Org.), Otto Thiersch (Musiktheorie, -geschichte) sowie Oskar Raif und [[baussnern|Waldemar von Baußnern]] (Komposition). Im Anschluss setzte er seine Studien in Hamburg u. a. bei Hugo →Riemann fort. Mit ihm ging er 1890 nach Sondershausen, wo Max →Reger sein Mitschüler wurde. Als Riemann 1891 nach Wiesbaden zog und an dem von [[fuchsa|Albert Fuchs]] geleiteten //[[freudenberg|Freudenberg]]’schen Konservatorium// eine Anstellung fand, nahm er seine beiden Schüler mit. Pochhammer vervollständigte seine musikalische Ausbildung mit Gesangsstunden bei Hans Bussard und Marie Retzer. 1892 begann Pochhammer am Wiesbadener Konservatorium Klavier und Musiktheorie zu unterrichten und im Rahmen der Vortrags-Abende des Konservatoriums als Chor- und Orchesterdirigent aufzutreten. Daneben schrieb er Kritiken und Gedichte, die er zum Teil auch vertonte. Zwischen 1895 und 1900 verfasste Pochhammer mehrere Hefte für die von [[morin|August Morin]] redigierte Reihe //Der Musikführer//, darunter auch die z. B. in der Münchener //Allgemeinen Zeitung// (Ausgabe vom 9. Aug. 1896) ausdrücklich empfohlenen vier Doppelbände zu Richard Wagners //Ring des Nibelungen//. 1897 nahm Pochhammer eine Anstellung an der Musikschule in Frankfurt/M. an. Er lehrte hier Klavier, Musiktheorie und Musikgeschichte, wozu er auch öffentliche Vorlesungen hielt. Zusätzlich bot er ab 1898 privaten Klavier-, Gesangs- und Theorieunterricht an. Nach seiner Eheschließung mit der Klavierlehrerin Elfriede („Friede“) Wulff (* Eutin 15. Dez. 1872 | † Aachen 25. Mai 1944) in Hamburg im Jahr 1901 wechselte Pochhammer erneut seinen Arbeitsplatz und war von 1902 bis 1928 Direktor des Konservatoriums in Aachen – in der Nachfolge von Max Herzogenrath, der die Einrichtung 1881 als Musikschule gegründet hatte. Ab 1906 leitete er hier auch die //Aachener akademische Vereinigung zur Pflege des Chorgesangs//, und er übernahm 1923 das Protektorat für den 1921 gegründeten //Wander- und Mandolinenklub „Loreley“//. Auftritte als Klavierbegleiter kamen hinzu. In besonderer Erinnerung blieb dem Aachener Publikum ein Lazarett-Konzert am 6. Dez. 1915, bei dem Pochhammer gemeinsam mit seiner Frau am Klavier die //Ungarische Lustspiel-Ouvertüre// von [[keler|Kéler Béla]] vortrug und mit Rezitationen dafür sorgte, dass „die Lachmuskeln in Thätigkeit kamen“ (//Aachener Anzeiger// 11. Dez. 1915). {{ :pochhammer_anz._2.jpg?nolink&380|}} Pochhammer war Mitinhaber eines Patents (Nr. 711 158 vom 12. Mai 1919) für einen „Kreideschoner“ (gemeinsam mit Adolf Krabè, Würselen; wohl eine Halterung für Tafelkreide, um die Finger der Schreibhand sauber zu halten). – Nach dem Rückzug ins Privatleben 1828 nahm die Aachener Öffentlichkeit kaum noch Notiz von „ihrem“ Musikdirektor; Nachrufe in der Presse gab es offenbar nicht – im Gegenteil: Die //Kölnische Zeitung// vermeldet am 16. Aug. 1934 in Unkenntnis des durch die Sterbeurkunde eindeutig belegten Todes, Pochhammer, „im Rheinland wohlbekannt und geschätzt“, habe seinen „70. Geburtstag gefeiert“. Wer die Kerzen der Geburtstagstorte ausgepustet hat, bleibt allerdings das Geheimnis des ungenannten Verfassers. **Werke** — __Kompositionen__: Lieder (Sst., Kl.) mit Opuszahl, sämtlich erschienen Berlin: Ries & Erler (jeweilige Einzeltitel siehe HmL, Ergänzungsband 8 für 1892–1897, S. 661f.): //Vier Lieder// op. 1 [1896]; D-B, D-Mbs <> //Drei Lieder// op. 2 [1896]; D-B, D-Mbs <> //Drei Lieder// op. 3 (Nr. 2: Duett, 2 Fst.); D-B, D-Mbs <> //Drei Lieder im Volkston// op. 4; D-B, D-Mbs <> //Die Spröde//, Koloraturlied op. 5; D-B, D-Mbs <> //Kaiser-Hymne// („Heil deutschen Volkes Zier“; S-St., Kl.), Aachen: Naus in Kommission [1917]; D-B, D-Mbs <> Eine bei Riemann 1929 genannte //Schule für Klavier// lässt sich nicht verifizieren. __Schriften__ __a) Bücher__: //Einführung in die Musik//, Frankfurt: Bechhold [1895]; D-B, D-F, D-Mbs; diverse Auflagen, darunter: 3nach 1896; D-B; 41901; 51906 <> //Musikalische Elementargrammatik//, 1896, Neuausg. Leipzig: Seemann Nachf. [1901]; D-B, D-F <> gemeinsam mit [[grueters|August Grüters]], [[volbach|Fritz Volbach]] u. a., //Franz Liszt. Sein Leben und seine Werke//, Frankfurt: H. Bechhold bzw. Leipzig: Seemann Nachf. 1898; D-B, D-Mbs, US-Bp <> //Ludwig van Beethoven’s Leben und Wirken. Mit besonderer Berücksichtigung seines Schaffens als Symphoniker//, Berlin: Schlesinger [1907], Neuaufl. 1920 <> //Zur Erinnerung an die Gedächtnissfeier für den verstorbenen Director, Herrn Dr. [[henkel|Heinrich Henkel]], veranstaltet von der Frankfurter Musikschule//, Frankfurt: Knauer 1899; D-F <> gemeinsam mit Karl Grunsky, Walter Niemann, Willibald Kähler, [[ochs|Siegfried Ochs]], //Bruckner’s Symphonien, erläutert mit Notenbeispielen//, Berlin: Schlesinger 1907 <> Denkschrift zum 25jährigen Bestehen der Aachener Hochschule für Musik, 1906, erwähnt im //Echo der Gegenwart// 27. Okt. 1906, nicht genauer verifizierbar <> __b) Bände in der Reihe //Der Musikführer//__: //C. Saint-Saëns, Die Sündflut (le Déluge) Op. 45// (Nr. 49), Frankfurt: Bechhold [1895]; D-B, D-F, D-Mbs <> //W. A. Mozart, Symphonie in C-dur (Jupiter Symphonie)// (Nr. 54), ebd. [1896]; A-Sum, D-B, D-Mbs <> //Der Ring des Nibelungen//, 4 Bde. Nr. 105/106, 107/108, 109/110, 111/112), ebd. [1896]; A-Sum, D-B, D-Mbs; Neuaufl. als //Meisterführer// Nr. 5, Berlin: Schlesinger [1907]; D-B; Neuausg. Berlin 2012 <> //Parsifal// (Nr. 134/135), Frankfurt: Bechhold [1897]; D-B <> gemeinsam mit Ludwig Voltz, //Romeo und Julie von Hector Berlioz// (Nr. 92), ebd. [1898]; D-B, D-Mbs <> //Anton Bruckner, Symphonie No. 2 in C-moll// (Nr. 153), Stuttgart: Schmitt [1899]; D-B, D-Bu, D-Mbs, D-Sl <> //L. van Beethoven, IV. Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur Op. 58// (Nr. 159), Leipzig: Seemann Nachf. [1900]; D-B <> //Peter Iljitsch Tschaikoffsky// [!] //, Konzert für Violine //[…]// Op. 35// (Nr. 161), Leipzig: Seemann Nachf. [1900]; D-B <> {{ :pochhammer_anz._3.jpg?nolink&300|}} __c) Aufsätze (Auswahl)__: //Ludwig van Beethovens Leben und Wirken mit besonderer Berücksichtigung seines Schaffens als Symphoniker//, in: //Beethoven’s Symphonien//, hrsg. von [[erlanger|Gustav Erlanger]], Frankfurt: Bechhold [1896]; A-Sum, D-B; Neuaufl. Berlin: Schlesinger u. Wien: Haslinger [1907]; D-B <> //Vorrede// (Einleitung über die Entwicklung und Bedeutung der Kunstform Symphonie), in: //Die beliebtesten Symphonien und symphonischen Dichtungen des Konzertsaals//, Frankfurt: Bechhold [1898]; D-B <> //Rückblick auf die Musik in der Winter-Saison 1897/98//, in: //Die Umschau. Übersicht über die Fortschritte und Bewegungen auf dem Gesamtgebiet der Wissenschaft, Technik, Litteratur und Kunst// 30. Apr. 1898, S. 307–311 <> //Die musikalische Phrasierung//, in: //Echo vom Gebirge. Illustriertes Fachblatt für Zitherspiel// 1. Mai 1899, S. 84–86 <> //Über die Entwickelung der Notenschrift//, in: //Die Musik// Jg. 2, 1903, Heft 2, S. 346–354 <> //Über die Vorfahren unserer heutigen Musik-Instrumente und deren Verwandte von einst und jetzt//, in: //Die Musik// Jg. 3, 1903, Heft 3, S. 177–192 <> //Erläuterungen//, Rezension der von Max Chop herausgegeben Wagner-Bände der Reihe //Meisterwerke der Tonkunst//, in: //Richard-Wagner-Jahrbuch// 1906, S. 530–532 <> weitere Rezensionen und Kritiken in //Die Musik// <> //Das Aachener Kurorchester. Ein Rückblick//, in: //Aachener Anzeiger// 23. Sept. 1921. <> __d) Vorträge, ungedruckt__: öffentliche Vorlesungen in Frankfurt/M. und Stadtteilen, darunter: //Neuere Musikgeschichte//, 1900; //Über das deutsche Lied//, 1900; //Das deutsche Volkslied// (3 Teile), 1901 <> //Carl Maria von Webers Leben und Wirken//, gehalten im Rahmen des //Volks-Symphonie-Konzerts//, Kurhaus Aachen 19. Febr. 1910 <> //Was ist Bildung?//, Aachen 24. März 1915 <> __e) Dichtungen__: //Gott und Natur, Liebe und Leben//, Wiesbaden: Schnegelberger, [1893] <> Texte zu eigenen Liedern, belegt für //Sommertag// op. 1 Nr. 1, //Liebesglück// op. 2 Nr. 3 __Herausgaben__: gemeinsam mit [[schmidtk|Karl Schmidt]], //[[oehler|Oehler]]’s musikalisch-literarische Rundschau//, Nov. 1897–Okt. 1898; D-F; vgl. dazu die selbst formulierte Anzeige, in: //Die Zukunft// (Berlin) 21. Jan. 1899, S. 129 <> //Die beliebtesten Chorwerke, erläutert von// […], Frankfurt: Bechhold [1898]; D-B, D-Bmi, D-BHu, D-DT, D-KNmi, D-Mbs, D-SWl, D-WRs **Quellen** — KB Rheine <> Personenstandsregister Hamburg (Heiratsurkunde) u. Aachen (Sterbeurkunde) <> Brief an [[manskopf|Friedrich Nicolas Manskopf]], 4. Juni 1900; D-F (s. [[https://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-623279|Kalliope]]) <> Adressbücher Wiesbaden, Frankfurt/M., Aachen <> HmL, MMB, //Signale für die musikalische Welt// <> zu Tätigkeiten in Wiesbaden u. Frankfurt/M.: //Wiesbadener Tagblatt//, //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// <> zu Tätigkeiten und Ereignissen in Aachen: //Aachener Anzeiger//, //Aachener allgemeine Zeitung//, //Echo der Gegenwart// <> O. D. (= [[dorn|Otto Dorn]]), //Neue Lieder// (Rezension der opp. 1 u. 2), in: //Wiesbadener Tagblatt// 2. Jan. 1896 <> Rezensionen der //Einführung in die Musik//: Richard Busch, in: //Kartell-Zeitung. Officielles Organ des Verbandes Deutscher Studenten-Gesangvereine// 20. Juni 1896; O[tto] D[orn], in: //Wiesbadener Tagblatt// 29. Juni 1896 (die Schrift wird hier als „der kleine Pochhammer“ tituliert); weitere (Kurz-)Besprechungen in: //Donau-Zeitung// (Passau) 17. Juni 1896; //Leipziger Zeitung// 2. Juli 1896; //Mittelfränkisches Schulblatt// 16. Juli 1896; //Oberpfälzer Schul-Anzeiger// 1. Sept. 1896; //Der Klavier-Lehrer// (Berlin) 15. März 1897 u. v. m. <> N. N., //Die Aachener Hochschule für Musik//, in: //Echo der Gegenwart// 27. Okt. 1906, 3. Blatt <> Rezensionen der Einführung //Der Ring des Nibelungen//, in: //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 19. Juli 1896; //Wiesbadener Tagblatt// 23. Juli 1896 <> Rezension der Einführung //Parsifal//, in: //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 18. Juli 1897 <> S., Rezension der Sammlung //Die beliebtesten Chorwerke//, in: //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 20. Nov. 1898 <> zum Patent von 1919: //Zentral-Handelsregister für das Deutsche Reich// Nr. 180A, in: //Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger// 11. Aug. 1919 <> N. N., //Kurze Mitteilung// (zum vermeintlichen 70. Geburtstag Pochhammers), in: //Kölnische Zeitung// 16. Aug. 1934 **Literatur** (Auswahl) — Franz Neubert, //Deutsches Zeitgenossenlexikon//, Leipzig 1905, Sp. 1113f. <> BakerB <> RiemannL 71909, 101922, 111929 <> //Kürschners Deutscher Literatur-Kalender// 1902–1922 <> Jansa 1911 <> Frank/Altmann 121926 <> //Illustriertes Musik-Lexikon//, hrsg. von Hermann Abert, Stuttgart 1927, S. 360 <> MüllerDML <> //The New Encyclopedia of Music and Musicians//, hrsg. von Waldo Selden Pratt, New York 1929, S. 655 <> //Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender// 1931 <> Art. //Pochhammer, Adolf//, in: //Dictionary of German Biography//, hrsg. von Walther Killy u. Rudolf Vierhaus, Bd. 8, München 2005, S. 7 Abbildung 1: Anzeige der Gedichtsammlung //Gott und Natur, Liebe und Leben//, in: //Wiesbadener Tagblatt// 24. Dez. 1893 Abbildung 2: private Anzeige, in: //Wiesbadener Tagblatt// 25. Sept. 1896 Abbildung 3: private Anzeige, in: //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 27. Aug. 1898 ---- Bernd Krause