==== Friedrich Wilhelm Münch ==== \\ **MÜNCH, FRIEDRICH WILHELM** * Balgstädt (Burgenlandkreis, Thüringen) 17. Mai 1837 | † Wiesbaden 1. Okt. 1903; Militärmusikdirektor {{ :muench_anz._1.jpg?nolink&350|}} Als „Sohn einfacher Landleute“ absolvierte Münch in „verschiedenen thüringischen Stadtpfeifereien“ (Nekrolog) seine musikalische Ausbildung und gelangte – auf welchem Wege und aufgrund welcher Veranlassung, wissen wir noch nicht – nach Mainz zu [[lux|Friedrich Lux]], der ihn (u. a. im Fach Musiktheorie) zu seinen begabtesten Schülern gezählt haben soll. 1853 trat er als Hautboist in das 32. Regiment in Erfurt ein, mit dem er den Preußisch-Österreichischen Krieg des Jahres 1866 mitmachte. Anschließend kam er über die Bundesfestung Mainz nach Wiesbaden und erhielt den Auftrag, in der dortigen Garnison eine Militärkapelle aufzubauen, die dem Kurhessischen Leibgarde-Regiment – ab Nov. 1867 als Hessisches Füsilier-Regiment Nr. 80 bezeichnet – zugeordnet war. Mit ihr, der „80er-Kapelle“, trat Münch als „Curhaus-Dirigent“ die Nachfolge [[keler|Kéler Bélas]] an, der in den Jahren 1863 bis 1866 mit seinem Musikcorps des Nassauischen 2. Infanterie-Regiments die Wiesbadener Kurmusik gestellt hatte und nach der Annexion Nassaus durch Preußen (Ende 1866) nur gelegentlich in Erscheinung trat, allerdings 1870 noch einmal den Auftrag zur Rekrutierung einer neuen Kapelle für den Kurbetrieb erhielt. Münch trat seinerseits in den Jahren 1870 bis 1872 mit den „80ern“ vorwiegend in Hotels und Restaurants auf, besonders häufig im Hotel Victoria mit „Concerten à la Bilse“ – die Musik der Berliner Kapelle Benjamin Bilses diente als zugkräftiges Vorbild. Unmittelbar nach dem Übergang der Verantwortlichkeit für den Kurbetrieb an die Stadt Wiesbaden mit Beginn des Jahres 1873 wurde ein neues (ziviles) Kurorchester unter Leitung von [[mueller-berghaus|Karl Müller-Berghaus]] präsentiert, dem schon 1874 [[luestner|Louis Lüstner]] als Dirigent folgte. Die zunächst bei den karnevalistischen Maskenbällen bereits seit Februar 1873 veranstalteten und dann auch während der Badesaison gebotenen „Doppelkonzerte“ des Kurorchesters und der Münchschen Militärkapelle – einer der frühen Höhepunkte war das „Monstre-Concert“ im Kurgarten am 14. Juni 1873 – entwickelten sich geradezu zu einer Institution. Daneben boten die 1877 eingeführten Abonnementskonzerte – jeweils mehr als 500 zwischen Februar und November – Musikmeister Münch mit seinem Orchester die Gelegenheit für eigene Veranstaltungen, wobei der größte Anteil freilich dem regulären Kurorchester unter Lüstner vorbehalten war. Und selbstverständlich sorgte die Kapelle auch weiterhin über die Sommermonate hinweg für musikalische Unterhaltung in Biergärten und ähnlichen Vergnügungsstätten in und um Wiesbaden; auch das Gießener Publikum wird sich über gelegentliche Besuche der „80er“ – so etwa im Juli 1882 zu einem „Extra-Concert“ (//Gießener Anzeiger// 29. Juli 1882) – gefreut haben. Dass Friedrich Wilhelm Münch jedoch, wie der Verfasser des Nekrologs mitteilt, sein Musikcorps „durch eiserne Energie zu einer echten Künstlerkapelle erzogen“ habe, ist sicher keine Beiläufigkeit, auch im Blick auf das Musikleben jenseits des Wiesbadener Kurbetriebs. Münch, der übrigens über drei Jahrzehnte hinweg der karnevalistischen Wiesbadener //Sprudel-Gesellschaft// als Kapellmeister verbunden war, ging 1900 nach 47 (militärischen) Dienstjahren in den Ruhestand. Verheiratet war er seit 1860 mit der Erfurter Unteroffizierstochter Friederike geb. Kammla (ca. 1838–1901). {{ :muench_anz._2.jpg?nolink&350|}} **Werke** — Ein auch nur annähernd vollständiger Überblick über Münchs Kompositionen ist vorläufig nicht möglich, da die überwiegende Mehrzahl ungedruckt blieb und verschollen ist; erwähnt seien (frühester Nachweis einer Aufführung durch die „80er“ in Klammern): //Prinz Woldemar-Marsch// (//Wiesbadener Tagblatt// 21. Febr. 1873) <> //Wörth-Marsch// (ebd. 8. März 1873) – erschienen Mainz: [[beyer|Beyer]] [ca. 1875]; D-Mbs <> //Boyen-Marsch// (ebd. 27. Jan. 1874) <> //Theodoren-Polka-Mazurka// (ebd. 9. Jan. 1875) <> Marsch //Der 16. Mai// (ebd. 8. Juni 1877; UA) <> //Potpourri über russische National-Melodien// (//Wiesbadener Bade-Blatt// 3. Aug. 1877) <> Marsch //Der 22. August// (ebd. 22. Aug. 1877) – erschienen in: //Marsch-Album//, hrsg. von Louis Oertel, Bd. 8, Hannover: Oertel [ca. 1885]; D-B <> Marsch //Geburtstagsklänge// (ebd. 16. Juli 1878) <> //Augusta. Polka-Mazurka (im Concertstyl)// (ebd. 9. Juli 1879) <> //Carneval hoch! Lieder Potpourri Nro. 2 über die beliebtesten Sprudel-Lieder, merschtenthels// [!] //von Fr. W. Münch// (ebd. 19. Jan. 1881) <> Marsch //Hochzeitsklänge// (ebd. 4. Juli 1885) – erschienen in: //Marsch-Album//, hrsg. von Louis Oertel, Bd. 7, Hannover: Oertel [ca. 1885]; D-B <> Marsch //Souvenirs de Merenburg// – erschienen ebd.; D-B <> //Graf-Waldersee-Marsch// (//Wiesbadener Bade-Blatt// 1. Sept. 1900; UA) **Quellen** — KB Erfurt <> Standesamtsregister Wiesbaden <> Adressbücher Wiesbaden <> NN., //Kapellmeister Münch †// [Nekrolog], in: //Wiesbadener General-Anzeiger// 3. Okt. 1903 <> //Wiesbadener Bade-Blatt// 20. Apr. 1867, 10. Apr. 1869, 22. Apr. 1877, 3. Aug. 1877, 22. Aug. 1877, 1. März 1878, 16. Juli 1878, 9. Juli 1879, 19. Jan. 1881, 16. Febr. 1884, 5. Juli 1885, 1. Sept. 1900 u. ö.; //Wiesbadener Tagblatt// 5. Nov. 1867, 18. Mai 1869, 15. Juli 1868, 31. Dez. 1869, 27. Aug. 1870, 30. Dez. 1871, 19. Juni 1872, 2. Nov. 1872, 23. Dez. 1872, 21. Febr. 1873, 8. März 1873, 14. Juni 1873, 25. Juni 1873, 27. Jan. 1874, 14. Febr. 1874, 9. Jan. 1875, 22. Jan. 1875, 16. Mai 1875, 2. Juni 1875, 14. Jan. 1876, 26. Jan. 1877, 26. Jan. 1877, 8. Juni 1877, 16. Juli 1878, 24. Juli 1878, 21. Dez. 1879 und passim; //Gießener Anzeiger// 29. Juli 1882 Abbildung 1: Konzertankündigung; //Wiesbadener Bade-Blatt// 9. Juni 1877 Abbildung 2: Anzeige der vermutlich einzigen separat veröffentlichten Komposition Münchs; //Wiesbadener Tagblatt// 9. Aug. 1876 ---- Axel Beer