==== Karl August Krauss ==== \\ **KRAUSS, KARL AUGUST** * Mutterstadt 2. März 1853 (nicht 1852) | † Speyer 4. Nov. 1927; Schullehrer, Chorleiter, Komponist, Musikschriftsteller {{ :krausska.jpg?nolink&400|}} Bei der Berufswahl folgte Krauss dem Vorbild seines Vaters und fand nach Absolvierung des Lehrerseminars in Kaiserslautern 1871 seine erste Anstellung als Schuldienst-Expektant an der lutherischen Volksschule seiner Heimatstadt; um die Mitte des folgenden Jahrs wurde er Schulverweser an der gemeinschaftlichen Schule in Elmstein im Pfälzerwald und ging Ende 1873 (nicht erst 1883) in gleicher Funktion an die protestantische Schule in Speyer, wo er zwei Jahre später zum ordentlichen Lehrer befördert wurde. Außerdem trat er 1898 die Nachfolge des zuvor von dieser Aufgabe entbundenen [[orthgj|Georg Julius Orth]] als Musiklehrer am Humanistischen Gymnasium an, und 1909 kam die Verpflichtung als Hauptlehrer an der Höheren Töchterschule hinzu. 1923 erfolgte die Versetzung in den Ruhestand. Neben seinen pädagogischen Tätigkeiten engagierte sich Krauss, der sich seit den 1880er Jahren vielfach auch als Klavierbegleiter bei unterschiedlichen Gelegenheiten (u. a. 1894 bei einem Konzert Henriette Niemands, der späteren Gattin [[kuehne|Edmund Kühns]]) einen Namen gemacht hatte, für den Chorgesang: Besondere Bekanntheit erlangte er (abgesehen von seiner Tätigkeit als Dirigent mehrerer Chöre) 1897, als er den Wettbewerb um die Komposition des Sängerspruchs des //Pfälzischen Sängerbunds// bei beträchtlicher Konkurrenz für sich entscheiden konnte. 1907 übernahm er von seinem Vorgänger Friedrich Keßler (1854–1928) die Leitung des Männergesangvereins //Fidelia//, zu dessen Ehrenmitglied er bereits 1904 ernannt worden war; die Konzerte des in den folgenden Jahren zum gemischten Oratorienchor erweiterten Vereins stellten Höhepunkte des Speyerer Musiklebens dar, wobei die Beteiligung auswärtiger Künstler wie [[schlemueller|Hugo Schlemüller]] (1912) und Hans Pfitzner (1913) die Attraktivität noch steigerte. Ebenfalls als Nachfolger Keßlers übernahm Krauss 1918 weiterhin den Protestantischen Kirchenchor. Das dem Lehrer Krauss eigene Sendungsbewusstsein fand nicht nur im Schuldienst und in der Chorleitung seinen Niederschlag: Seit den 1880er Jahren veröffentlichte er Texte über einzelne Musiker in der Tages- und Fachpresse, und seit 1905 zählte er mit seinen musikhistorischen Vorträgen zum erweiterten Kollegium des zunächst unter der Leitung von [[bade|Philipp Bade]] stehenden und 1909 von [[hafgren|Lill Erik Hafgren]] übernommenen Pfälzischen Konservatoriums in Neustadt an der Haardt (heute: Neustadt an der Weinstraße); seine Publikationstätigkeit umfasste schließlich auch Einführungstexte zu Konzerten und Besprechungen in der //Speierer Zeitung//; als Musikredakteur wirkte er bei der //Pfälzischen Lehrerzeitung// mit. {{ :krausska_briefkarte.jpg?nolink&400|}} Vergleichsweise zögerlich wandte sich Krauss der Veröffentlichung seiner in der Praxis vielfach schon erprobten Werke (insbesondere Männerchöre) zu, und gegen 1905 stellte er die Publikation fast gänzlich ein; vielleicht stand ihm der Anspruch im Wege, seine Kompositionen nicht irgendwo, sondern „in einem weltberühmten Verlag“ (gemeint ist André; Brief an die Offenbacher Firma, 1900) herausbringen zu können, was hingegen nur ein einziges Mal (mit seinem Opus 17) gelang. – Der in Speyer über viele Jahre hinweg „als erfolgreicher Komponist wie als trefflicher Dirigent gleich geschätzte“ Musiker (//Speierer Zeitung// 19. Nov. 1900) schloss im Dezember 1875 die Ehe mit Auguste Hermine Hörner (1855–1922), der Tochter eines Kollegen, des Volksschullehrers Heinrich Jakob Hörner. **Werke** — __Kompositionen__: //Im Wald bin i g’sessen// (Mch.; Wilhelm Tappert in Berlin gewidmet) op. 4 (Nr. 2), Mainz: [[kittlitz-schott|Kittlitz-Schott]] [1885]; verschollen (Besprechung: //Pfälzische Lehrerzeitung// 18. Dez. 1885) <> //Schwäbische Erbschaft// (Mch.; „Der gnädi Herr von Katzenstein“) o. op., Leipzig: Licht & Meyer [1886] <> //Frühlings Erwachen// (Mch.; „Hinaus in das Lustgeschmetter“) o. op., ebd. [ca. 1886] – 1890 an Kistner in Leipzig; D-B <> //Waldesweise// (Mch.; „Ein heimlich süßes Rauschen“) op. 15 (Nr. 1), Berlin/Stuttgart: Luckhardt [1890]; D-B – 1905 an Heinrichshofen (Magdeburg) <> //Barkarole// (Sst., Kl.; „Schifflein, so fliege hinaus aufs Meer“) op. 16, Stuttgart: Luckhardt [1900]; D-B – 1903 an Feuchtinger (Stuttgart) <> //O Welt, du bist so wunderschön// (4st. Mch.; „Nun bricht aus allen Zweigen“; der //Liedertafel// Speyer und ihrem Dirigenten Richard Schefter gewidmet) op. 17, Offenbach: André [1901]; D-B, D-OF (Herstellungsunterlagen) <> {{:krausska_op._17.jpg?nolink&330 |}} //Liebeslied// (Mch.; „Ich wollte nicht mehr an dich denken“) op. 18, Magdeburg: Heinrichshofen [1901]; D-B, D-SPlb <> //Dankeshymne// (Mch. mit Bläserbegl.; „Gott sei uns gnädig“) op. 21, ungedruckt; D-SPlb (Autogr.) <> //Schlummerlied// (Sst., Kl.) op. 22, Quedlinburg: Vieweg [1902]; D-B <> //Drei Männerchöre// (//Hymne//, //Lobgesang//, //Immer sing’ ich’s wieder//) op. 23, Berlin- Groß Lichterfelde: Vieweg [ca. 1903]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> //Das deutsche Volkslied// (Mch.) op. 24, ebd. [ca. 1903]; D-B <> //Frühling auf Erden// (Mch.; „Holder Frühling, sei gegrüsst“) op. 25, Leipzig: Kahnt Nachf. [1904]; D-B <> //Lob Noah’s// (Mch.; „Der Vater Noah soll gepriesen sein“) op. 26, ebd. [1904]; D-B, D-SPlb <> //Waldes Abendlied// (Mch.; „Es singt der Wald sein Abendlied“) op. 28, ebd. [1904]; D-B <> //Am Rhein in der Sternennacht// (Mch.; „Das ist ein Tönen und Wogen“) op. 29, Leipzig: Siegel [ca. 1904]; D-B <> //Heimat// (Mch.; „O Land des Frohsinns und der Reben“) op. 30; Mannheim: Schiele [1905] <> //Der Skalde in Walhall// (Mch.) op. 33, Heidelberg: Hochstein [1905]; D-B, D-SPlb <> //Am Spinnrad// (Mch.; „In der Stube ist’s still“) o. op., ebd. [1913] <> einzelne Manuskripte in D-SPlb <> __Schriften__: //Das Heidelberger Bach-Reger-Musikfest (22.–25. Juni 1913)//, Heidelberg: Hochstein 1913 <> //[[vierling|Georg Vierling]]//, in: //Der Chorgesang// (Leipzig) Nr. 20, 1887 <> //[[liebe|Ludwig Liebe]]//, in: //Der Chorgesang// (Leipzig) Nr. 23, 1887 <> //Wilhelm Speidel//, in: //Der Chorgesang// (Leipzig) Nr. 24, 1887 <> //Ludwig Liebe//, in: //Neue Musik-Zeitung// Nr. 23, 1889, S. 281–282 <> //Friedrich Silcher. Zum 100jähr. Geburtstag des Meisters des deutschen Volksliedes (27. Juni 1889)//, in: //Speierer Zeitung// 27. und 28. Juni 1889 <> //Professor J. Heinrich Lützel//, ebd. 13. März 1893 (auch in //Pfälzische Lehrerzeitung// 17. März 1893, S. [63]–64) <> //Zur Erinnerung an J. Heinrich Lützel//, in: //Pfälzische Lehrerzeitung// 21. Apr. 1899, S. [97]–99 <> Konzertberichte in //Musikalisches Wochenblatt// (Leipzig; 1907) **Quellen** — KB Mutterstadt (ev.); Zivilstandsregister Speyer <> Adressbücher Speyer <> Bibliothek des Komponisten (ca. 600 Bde.); D-SPlb <> Briefe an André in Offenbach (8, 1900–1906); D-OF <> //Pfälzische Post// (Kaiserslautern) 27. Juni 1872; //Pfälzische Volkszeitung// 15. Dez. 1873; //Pfälzer Kurier// 3. Dez. 1875; //Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt der Pfalz// 14. Dez. 1875; //Speierer Zeitung// 5. Aug. 1886, 5. März 1894, 22. Sept. 1894, 21. Sept. 1897, 15. Okt. 1898, 14. Juli 1899, 2. Mai 1900, 14. Nov. 1900, 19. Nov. 1900, 7. Febr. 1905, 25. Nov. 1905, 2. Dez. 1905, 3. März 1906, 31. Aug. 1907, 25. Nov. 1907, 16. Dez. 1912, 3. März 1913 (//Fidelia-Konzert// zu Krauß’ 60. Geburtstag), 17. Nov. 1913, 5. Okt. 1918, 20. Mai 1920 u. ö.; //Hamburger Fremdenblatt// 6. Mai 1897; //Signale für die musikalische Welt// 12. Mai 1897; //Deutsche Kunst- und Musik-Zeitung// (Wien) 25. Febr. 1901; //General-Anzeiger der Stadt Mannheim// 6. Sept. 1906; //Musikalisches Wochenblatt// (Leipzig) 15. Juni 1907; //Grünstädter Zeitung// 1. Sept. 1909; //Badische Presse// (Karlsruhe) 5. Nov. 1927 (Todesmeldung); //Neue Mannheimer Zeitung// 8. Nov. 1927 (Abend-Ausgabe; kurzer Nekrolog) <> MMB <> Pazdírek **Literatur** — Jansa 1911 <> Frank/Altmann <> Else Doll, //Unser Porträt: Karl August Krauß//, in: //Speyer. Vierteljahresheft des Verkehrsvereins// 18 (1978), S. 17 Abbildung 1: Karl August Krauss, Photographie; D-HEu ([[https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karl_August_Krauss_(HeidICON_29830).jpg|Wikimedia Commons]]) Abbildung 2: An André gerichtete Briefkarte (Speyer 20. Sept. 1900) mit der Bitte, den „Männerchor ‚O Welt du bist so wunderschön!‘ noch in dieser Saison – aber bald – herauszubringen“; D-OF Abbildung 3: Titel des bei André erschienenen Männerchors op. 17 (Korrekturabzug); D-OF ---- Axel Beer