==== Holde (Familie) ==== \\ (1) **Artur (Ludwig)** * Rendsburg 16. Okt. 1885 | † Manhattan (New York) 23. Juni 1962; Dirigent, Musikschriftsteller, Komponist (2) **Heida Hermanns Holde (eigentl. Goldschmidt)** * Wiesbaden 14. Okt. 1906 | † Westport (Connecticut) 27. Dez. 1995; Ehefrau von (1), Pianistin ---- {{:holde_karikatur.jpg?nolink&220 |}} **(1)** Artur Holde, Sohn des zuletzt in Breslau, zwischenzeitlich in Altona und Rendsburg ansässigen Amtsgerichtssekretärs Treitel Juda Holde aus Meseritz (Międzyrzecz; Polen) und der Kaufmannstochter Ernestine geb. Leschinska aus Kosten (Kościan; Polen), studierte seit 1905 Musik an der Berliner Universität (Hermann Kretzschmar), am //Stern’schen Konservatorium// (Arno Kleffel, Ernst Eduard Taubert) sowie seit 1908 an der //Akademie der Künste// ([[gernsheim|Friedrich Gernsheim]]). 1910 ließ er sich in Frankfurt/M. nieder; er wirkte hier als Dirigent der Hauptsynagoge (1910–1936), als musikalischer Leiter des 1911 eröffneten //Neuen Theaters// (bis 1921; teils gemeinsam mit Egon Pollak), zeitweise auch (etwa 1914) als Kapellmeister des Palmengartenorchesters und übernahm bei unterschiedlichen Gelegenheiten (Bunte Abende des //Neuen Theaters// bzw. Liederabende) die Aufgabe des Klavierbegleiters. In den Jahren 1918 bis 1933 war Artur Holde der Leserschaft des //Frankfurter General-Anzeigers// vor allem als Musikkritiker (Kürzel „A. H.“) bekannt; er gehörte seit den 1920er Jahren (neben Karl →Holl und Alfred Einstein) dem Vorstand des //Verbands deutscher Musikkritiker// an. Mit musikwissenschaftlichen Lehrgängen engagierte er sich im //Ausschuss für Volksvorlesungen// (etwa 1917) und übernahm, nachdem 1921 in Frankfurt der Zusammenschluss des //Tonkünstler-Vereins// mit dem //Musiklehrerinnen-Verein// erfolgt war, gemeinsam mit Sophie [[henkel|Henkel]] den Vorsitz des //Bunds der Musiker von Frankfurt a. M. und Umgebung//. Holde, der dem //Jüdischen Kulturbund// angehörte und unter dessen Dach mehrere Ensembles leitete, war seit 1933 auch Schriftleiter der Frankfurter Ausgabe des //Israelitischen Familienblatts//, und dies noch im Dezember 1936; seit Februar des folgenden Jahres zeichnete er seine Beiträge mit „Artur Holde z. Zt. New York“ – ihm war, nachdem er schon 1933 teilweise mit Berufsverbot belegt worden war, mit seiner Ehefrau Heida (2) die Flucht nach Nordamerika geglückt, wo er seine Arbeit als Chorleiter, Organist und Autor fortsetzte sowie sich zudem auf pädagogische Aufgaben konzentrierte; wir verweisen für die Zeit nach 1936 auf den Artikel von Sophie Fetthauer. **Werke** — __Kompositionen__: //Gesänge// (4st. Fch.; //Der verwirrte Schäfer//, //Traurig schleichen deine Wellen//, //Das Alphorn//, //Wo?//) op. 1, Leipzig: Pabst [1912]; D-B <> //Gesänge// (4st. Fch.; //Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht//, //Es wehet kühl und leise//) op. 2, ebd. [1912]; D-B <> //Die Weihe der Nacht// (4st. Fch., Org./Kl.) op. 3 [1912], ebd.; D-B <> //Fünf Lieder// (Sst., Kl.; //Zwei Meilen Trab// (auch Orch.-Fsg.), //Abendgefühl//, //Herbstklänge//, //Die Glocke//, //Gebet an Pierrot//) op. 4, Leipzig: Leuckart [1912]; D-B, D-F (Nr. 4) <> //Suite// (Kl.; //Intrada//, //Tokkata//, //Larghetto//, //Passacaglia//, //Fughetta//) op. 10, Leipzig: Pabst [1912]; D-B, I-TScon <> //Vier Mädchenlieder// (Sst., Kl.; //Wie eine Harfe harrt meine Seele//, //Ave Maria//, //Wie ein Traum der Nacht//, //Liebesworte//), op. 11, ebd. [1912]; D-B <> //Fünf Bagatellen// (Kl.) op. 12, Leipzig: Leuckart [1912]; D-B, I-TScon <> //Zwei Gesänge// (Sst., Org./Kl.; //Ein Weg, den ich nicht suchte//, //Ode. O Du mein Kind//) op. 13, Leipzig: Pabst [1912]; D-B <> //Fünf Lieder// (Sst., Kl.; //Geheimnis//, //Liebesode//, //Im Zaune//, //Mondnacht//, //Schlafen//) op. 14, Berlin: Ries & Erler [1913]; D-B <> //Über den Wassern. Lieder-Zyklus zu Dichtungen von Conrad Ferdinand Meyer// (Sst., Kl.; //Auf dem Canal grande//, //Abendwolke//, //Eingelegte Ruder//, //Zwei Segel//, //Der Gesang des Meeres//) op. 15, Leipzig: Leuckart [1912]; D-B <> //Sechs Lieder// (Sst., Kl.; //Jahreswendspruch//, //Nacht, du nahest//, //Herbstritt//, //Schlaflied//, //Einer Heimkehrenden//, //Fremde Welt//) op. 17, Leipzig: Pabst [1922]; D-B <> //Vier Gesänge// (Sst., Kl.; //Deiner Augen schwere Lider//, //An das Idol//, //So im Wandern//, //In der Sturmnacht//) op. 19, ebd. [1922]; D-B <> Märchenspiel //Spulezwirnchen das Sonntagskind// (Julius Feuchtinger), UA Barmen-Elberfeld 13. Dez. 1919, Frankfurt Dez. 1921; s. //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 18. Jan. 1921 <> Schauspielmusik zu //Der König// (Hanns Johst), Frankfurt 1921; s. //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 18. Jan. 1921 <> Schauspielmusik zu Aristophanes’ //Lysistrata//, Frankfurt 1921; s. //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 3. Nov. 1921 <> Märchenspiel //Eisenhans//, Frankfurt 1927 <> __Bearbeitung__: KlA. zu [[schwartzo|Otto Schwartz]], //Die Königin der Luft// (1916), Hamburg: Benjamin [1917]; D-B, D-BHu, D-Dl, D-Sl, D-WL <> __Schriften__: Rezensionen im //Frankfurter General-Anzeiger//; Textbeiträge zum //Frankfurter Theater-Almanach//, zum //Israelitischen Familienblatt// sowie zu mehreren weiteren Zeitungen und zu musikalischen Fachblättern; u. a. //Das Frankfurter Musikleben//, in: //Neue Musik-Zeitung// (Stuttgart) 1924, Heft 5, S. [101]–103 <> //Jews in music. From the enlightenment to the present//, New York 1959 <> //Bruno Walter//, Berlin 1960 <> //Leonard Bernstein//, Berlin 1961 <> //Metropolitan Opera House New York. Die Geschichte eines Musikzentrums//, Berlin 1961 <> **Quellen** — Fallakte; D-Fsa (A.54.03, 2854) <> Briefe s. [[http://kalliope-verbund.info/gnd/116960175|Kalliope]] <> Adressbücher Frankfurt <> //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 4. Apr. 1911 (Abendblatt), 6. Okt. 1912 (3. Morgenbl.), 17. Nov. 1912 (dto.), 26. Apr. 1913 (Abendbl.), 31. Aug. 1914 (dto.), 28. Okt. 1917 (dto.), 14. Okt. 1918 (dto.), 18. Jan. 1921 (dto.), 7. März 1921 (dto.), 30. Apr. 1921 (2. Morgenbl.), 3. Nov. 1921 (Abendbl.), 2. März 1923 (1. Morgenbl.), 17. Juni 1927 (dto.), 4. Juli 1927 (Morgenbl.), 6. Dez. 1927 (1. Morgenbl.), 16. März 1931 (Abendbl.) u. ö.; //Kleine Presse// (Frankfurt) 31. Jan. 1914, 8. Mai 1915, 15. Okt. 1915, 28. Apr. 1917 u. ö.; //Barmer Zeitung// 13. Dez. 1919; //Die Fackel// (Frankfurt) 8. Okt. 1921 u. ö.; //Neueste Zeitung// (Frankfurt) 29. Apr. 1932 <> //Frankfurter Theater-Almanach// <> MMB **Literatur** — Cahn 1979 <> Sabine Hock, Art. //Holde, Artur//, in: //Frankfurter Personenlexikon// ([[https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2773|online]]) <> Sophie Fetthauer, Art. //Artur Holde//, in: LexM ([[https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00000672?wcmsID=0003|online]]) <> MüllerDML; Riemann 121959 ---- {{ :holde_anzeige.jpg?nolink&200|}} **(2)** Als Pianistin war Heida Goldschmidt zunächst Schülerin ihrer Mutter Alice Goldschmidt-Metzger (1876–1959), die ihrerseits (als Alice Metzger) in den Jahren 1888 bis 1896 Klavierunterricht am [[hoch|Hoch]]’schen Konservatorium in Frankfurt (u. a. von [[engesser|Ernst Engesser]] genossen hatte und in Wiesbaden einen beträchtlichen Ruf als Klavierpädagogin besaß. Heida Goldschmidt debütierte als 15jährige Solistin im Dez. 1921 mit dem Wiesbadener Kurorchester unter [[schuricht|Carl Schuricht]] („dass man daran seine helle Freude haben konnte“; //Wiesbadener Neueste Nachrichten// 16. Dez. 1921) setzte ihr Studium 1922–1925 an der Berliner Hochschule für Musik (Egon Petri) fort und begab sich bereits währenddessen sowie anschließend auf Konzertreisen durch Deutschland (ab 1924) und die Niederlande (1929/30); aufgrund antijüdischer Anfeindungen trat sie seit 1924 unter dem Namen Heida Hermanns bzw. Hermanns-Goldschmidt auf. {{:holde_heida_hermanns_us-nylbi.jpg?nolink&300 |}} Seit 1931 gehörte Heida Hermanns dem Kollegium des Hoch’schen Konservatoriums an und leitete hier vor allem Kurse für musikalische Früherziehung; als im April 1933 unter der widerwärtig ironischen Phrase der „Reorganisation des Dr. Hoch’schen Konservatoriums“ die Verdrängung jüdischer Lehrkräfte begann, stand neben dem Namen des Leiters [[sekles|Bernhard Sekles]] und einem Dutzend anderer auch derjenige Heida Holde-Hermanns’ (1932 war sie Ehefrau Artur Holdes geworden) auf der Liste der zum August des Jahres zu kündigenden und zuvor bereits herausgedrängten Personen. Gemeinsam mit Artur Holde gelang der Künstlerin 1936 die Flucht in die Vereinigten Staaten – wir verweisen auf die gründliche Darstellung des weiteren Lebenswegs durch Sophie Fetthauer. **Quellen** — Heida Hermanns Collection, in: Center for Jewish History, New York ([[https://archives.cjh.org/repositories/5/resources/13880|Link]]) <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> //Wiesbadener Neueste Nachrichten// 16. Dez. 1921 und passim; //Berliner Tagblatt// 11. Okt. 1924; //The New York Times// 29. Dez. 1995 (Nachruf) <> zahlreiche weitere Berichte und Notizen in der jeweiligen Tagespresse und in den Fachblättern **Literatur** — Sophie Fetthauer, Art. //Heida Hermanns Holde//, in: LexM ([[https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00000714?wcmsID=0003|online]]) <> Sophie Fetthauer, Art. //Alice Goldschmidt-Metzger//, in: LexM ([[https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00002784?wcmsID=0003|online]]) ---- Abbildung 1: Artur Holde als Musikkritiker; Karikatur von Benno Elkan im //Frankfurter Theater-Almanach// 1919/20, S. 90 Abbildung 2: Verlobungsanzeige; //Frankfurter Zeitung und Handelsblatt// 12. Sept. 1932 (Morgenblatt) Abbildung 3: Heida Hermanns ca. 1925; Leo Baeck Institute (F 60293, [[https://www.lbi.org/griffinger/record/344170|digital]]) ---- Axel Beer