==== Michael Hermesdorff === \\ **HERMESDORFF, MICHAEL** * Trier 4. März 1833 | † ebd. 18. Jan. 1885; Organist, Chorleiter, Choralforscher, Komponist {{ :hermesdorff_d-mbs.jpg?nolink&400|}} Michael Hermesdorff kam als jüngstes Kind des Trierer Schneidermeisters Matthias H. (1783–1835) und seiner Ehefrau Margarethe geb. Schoemann zur Welt, besuchte das Jesuitengymnasium und erhielt umfassenden Musikunterricht (u. a. Theorie, Klavier- und Orgelspiel) von seinem Bruder Matthias (* Trier 26. Aug. 1820 | † ebd. 18. Febr. 1879), dem Organisten an St. Gangolf. In den Jahren 1852 bis 1855 lebte er im Luxemburgischen Ettelbrück als Organist, Schulgesangslehrer wie auch Leiter des Musikvereins und des Männerchors. Anschließend studierte er am Priesterseminar in Trier; unmittelbar nach seiner Priesterweihe im August 1859 wurde ihm eine Kaplanstelle in Cues zugewiesen, Ende 1861 diejenige im (auf der anderen Moselseite liegenden) Bernkastel (heute Bernkastel-Kues). Im November 1862 trat Hermesdorff die Nachfolge des verstorbenen Jakob Polch (1807–1862) als Domorganist in Trier an; wenig später wurde ihm vom Bistum Trier die Aufgabe des Orgel- und Glockenrevisors übertragen. Zudem ging insbesondere die Leitung der Dommusikschule – sie lag offiziell noch in den Händen von [[dunstf|Nikolaus Dunst]] – faktisch auf Hermesdorff über, der 1874 die offizielle Ernennung zum Dommusikdirektor erhielt. Zu seinen Aufgaben zählte überdies der Musikunterricht im Priesterseminar. – Dem 1861 an Hermesdorff ergangenen Auftrag der bischöflichen Behörde zur Revision der Trierer Choralbücher folgten intensive hymnologische Forschungen, die in zahlreichen Veröffentlichungen und in der kirchenmusikalischen Praxis ihren Niederschlag fanden. Nachdem Franz Xaver Witt 1868 in Bamberg den //Allgemeinen deutschen Cäcilienverein// gegründet hatte, rief Hermsdorf bereits im folgenden Jahr den //Diözesan-Cäcilienverein// in Trier ins Leben sowie 1872 den //Verein zur Erforschung alter Choralhandschriften//, dem u. a. [[bohn|Peter Bohn]] (er wurde Nachfolger Hermesdorffs als Vorsitzender) und [[oberhoffer|Heinrich Oberhoffer]] angehörten. Von Letzterem übernahm Hermesdorff 1872 die Schriftleitung der 1862 in Luxemburg gegründeten Zeitschrift //Cäcilia. Organ für katholische Kirchenmusik//, die seitdem (bis 1878) in Trier herauskam. Von 1875 an war er außerdem ordentliches Mitglied der //Gesellschaft für Musikforschung//. Aus gesundheitlichen Gründen trat Hermesdorff Mitte März 1884 von seinen Ämtern zurück; in unmittelbarem Anschluss erfolgte seine Ernennung zum Domvikar. Zunächst vertretungsweise, dann offiziell im März 1885 wurde [[barthel|Johann Baptist Barthel]] Hermesdorffs Nachfolger. Unter den Schülern der Dommusikschule war u. a. der Musikwissenschaftler Peter Wagner (1865–1931), der sich in bewusster Anlehnung an seinen Lehrer Hermesdorff ebenfalls der Choralforschung verschrieb. **Werke** — Ausführliche Verzeichnisse der Kompositionen (Messen, Motetten, Orgelwerke) und Editionen (Choralausgaben – darunter das //Graduale ad normam cantus S. Gregorii// (1876–1882) – sowie ältere Figuralmusik, theoretische Schriften) bei Bereths 1974, S. 34–37, und Lonnendonker, S. 37–38; s. a. [[http://www.mdb.uni-mainz.de/komponistDetail.aspx?ID=4907|MDB]]; zu den handschriftlich überlieferten Kompositionen (überwiegend in D-TRb) s. RISMonline **Quellen** — KB Trier St. Gangolf <> Standesamtsregister Trier <> Briefe s. [[http://kalliope-verbund.info/gnd/103902058|Kalliope]]; weitere Nachweise bei Lonnendonker sowie Bereths 1974 <> //Luxemburger Wort// 17. Okt. 1863 **Literatur** — August Scharnagl, Art. //Hermesdorff, Michael//, in: MGG1 (1957) <> Hans Lonnendonker, Art. //Hermesdorff, Michael//, in: RhM 2 (1962), S. 35–38 <> Bereths 1974 <> Marcus Dahm, //Der Trierer Dommusikdirektor Michael Hermesdorff (1833–1885) und sein Wirken für die kirchenmusikalische Restauration//, Examensarbeit an der Katholischen Hochschule für Kirchenmusik St. Gregorius Aachen, Aachen 2004 <> Begleittext zur Ausstellung anlässlich des 125. Todestags Michael Hermesdorffs, in: //Trierer Orgelpunkt// ([[https://web.archive.org/web/20160406103443/http://trierer-orgelpunkt.de/HermesdorffAusstellung2010.pdf|digital]]) Abbildung: „in brüderlicher Zuneigung“ widmete Hermesdorff seinem Bruder und Lehrer Matthias die 1878 bei Leistenschneider in Trier veröffentlichten „kleineren Orgelstücke“; D-Mbs ---- Axel Beer