riefstahl

RIEFSTAHL, CARL (WILHELM) * Stralsund 27. Dez. 1808 | † Greifswald 31. Juli 1845; Violinist und Komponist

Der Gastwirtssohn Carl Riefstahl erhielt seine erste Ausbildung 1828/29 bei Andreas Abel, dem akademischen Musikdirektor an der Universität Greifswald. 1830 setzte er sein Studium in Berlin fort, vermutlich bei Bernhard Klein und Carl Friedrich Zelter (Theorie) sowie beim Spohr-Schüler Hubert Ries (Violine). Die in einer Konzertkritik behauptete direkte Schülerschaft bei Louis Spohr lässt sich nicht belegen und erscheint unwahrscheinlich. Allerdings trat Riefstahl häufig mit Kompositionen Spohrs auf und der Kritiker Theodor Hagen hielt fest: „Er spielt gut, ist überhaupt ein guter Musiker und mir deshalb werth, weil kein Mischmasch von Französisch, Italienisch und Deutsch in ihm ist“ (NZfM 2. Dez. 1844).
Nachdem er zunächst in seiner Geburtsstadt Stralsund wirkte, ging er 1833 nach München, wo er mit zahlreichen Konzerten nachgewiesen ist, jedoch ohne institutionelle Einbindung. Als Carl Banck 1834 vertretungsweise für Robert Schumann die Redaktion der Neuen Zeitschrift für Musik übernahm, gehörte Riefstahl zu den von ihm angeworbenen Korrespondenten. Er berichtete im Folgenden unter dem Kürzel „- St. -“ aus München, wobei er auch über sich selbst berichtete, dabei aber seine eigene Autorschaft verschleierte: „Dem Concerte der letzteren Herren konnte ich leider nicht beiwohnen [Hervorhebung KTG], doch ist namentlich Hr. Riefstahl als Künstler von Geist bekannt, auf den ich um so mehr aufmerksam mache, da er in Begleitung des Hrn. Leeb in Kurzem eine Kunstreise durch Norddeutschland und Holland antreten will“ (NZfM 29. Jan. 1836).
In München gehörte Riefstahl dem Kreis um August Lewald an, wo er auch Karl Gutzkow kennenlernte, der ihn – eigenen Angaben zufolge – 1836 als Konzertmeister an das Stadttheater in Frankfurt empfahl. Neben seinem Theaterdienst wirkte er dort auch in den Museumskonzerten mit und etablierte regelmäßige öffentliche Streichquartettkonzerte. 1841 verließ er Frankfurt und gab Konzerte in den Niederlanden und Norddeutschland. Obwohl er plante, danach wieder nach Frankfurt zurückzukehren, schloss er 1842 eine weitere Reise nach Dänemark und Schweden an. 1843 trat er wieder in Deutschland auf, unter anderem in Leipzig und Hamburg. Ende 1843 scheint er sich in Berlin niedergelassen zu haben, von wo aus er auch in der brandenburgischen Provinz konzertierte.
1845 bewarb sich Riefstahl als Konzertmeister in Hannover. Als er dort Friedrich Wilhelm Lübeck unterlag, schrieb er an den Orchesterchef, „dass er Lübeck, dessen Name jeder Geltung entbehre, weder als Mensch noch als Künstler achten könne; die Zukunft werde unfehlbar lehren, ob er Recht habe oder nicht“ (Fischer). Sein Konzert Ostern 1845 in St. Petersburg stieß auf Kritik: „Hr. Riefstahl ragte nur sehr wenig über das Gewöhnliche, das wir hier besitzen, hervor“ (NZfM 15. Febr. 1846). Trotzdem steht in einem Nachruf: „Am 31. Juli ist zu Greifswald der rühmlich bekannte Violinspieler Carl Riefstahl nach dreitägiger Krankheit an der Hirnentzündung gestorben, nachdem er, zum Concertmeister in Petersburg ernannt, sich kurz vorher mit der Tochter eines Professors der Universität Greifswald verlobt hatte“ (AmZ 3. Sept. 1845).

WerkeVokalmusik (gedruckt): „Sehnsucht der Liebe“ (Theodor Körner) (Sst., Kl.), in: Europa (1840), H. 1, Beilage nach S. 480; D-Mbs (digital) <> „Das Burgfräulein“ (A, Kl.), Stralsund: Riefstahl [1853] <> Instrumentalmusik (gedruckt): Souvenir de Somnambule. Introduction et Variations (Vl., Orch./Kl.), op. 1, Hamburg: Schuberth [1843]; D-Bhm (Kl.-Fassung) <> Variations sur la dernière pensée de C. M. de Weber (Vl., Kl.), op. 2, Berlin: Bote & Bock [1844] <> Introduction et variations (Vl., Kl.), op. 5, Berlin: Trautwein [1845]; D-B, D-KNh <> Deux Romances de Charles Voss (Vl., Kl.), op. 6, ebd. [1845]; A-Sm, D-B <> Fantasie über ein Thema aus der Oper Lucia di Lammamore (Vl., Orch./Kl.), op. 7, Hannover: Bachmann [1845] <> Souvenir d’Amour. Trois Chansons de W. Taubert (Vl., Kl.), Berlin: Bote & Bock [1852] <> Instrumentalmusik (ungedruckt): „drei oder vier Violinkonzerte“ (NZfM 17. Apr. 1839), darunter ein „ein ganz neues Concert seiner Composition, F-dur“ (Sundine 30. Mai 1836); ein „Concertino (E moll)“ (Didaskalia 23. März 1841) <> Phantasie (auf der G-Saite) (Vl.) [1836] <> Andante in Emoll (Kl.) [1844], Autogr. in D-F (s. RISMonline) <> Heim-Marsch in das Vaterland (Kl.), Ms. in D-BNu (s. RISMonline) <> Alpenhorn-Marsch (Kl.), Ms. in D-BNu (s. RISMonline) <> Schriften: „München, im Dezember“, in: NZfM 6., 9. und 13. Jan. 1835 <> „München, Ende Dezember“, ebd. 20. und 24. Febr. 1835 <> „München, Anfang Februar“, ebd. 31. März 1835 <> „Aus München“, ebd. 5. Mai 1835 <> „Aus München. Musik in den Monaten März bis Juni“, ebd., 17., 21., 24. und 28. Juli 1835 <> „Aus München“, ebd. 13. Nov. 1835 <> „Aus München“, ebd. 29. Jan. 1836 <> „Franz Liszt“, in: Didaskalia 10. Aug. 1840

Quellen — KB Stralsund <> Sundine (Stralsund) 29. Jan. 1829, 19. Febr. 1829, 2. Apr. 1829, 10. Sept. 1829, 1. Juli 1830, 9. Sept., 12. Apr. 1832, 30. Mai 1836, 25. Mai 1838, 22. Mai 1839, 23. Okt. 1839, 30. Okt. 1839, 18. Dez. 1839, 23. Juni 1841, 12. Okt. 1842; AmZ 24. Okt. 1832, 16. Jan. 1839, 23. Jan. 1839, 13. März 1839, 17. Apr. 1839, 9. Febr. 1842, 8. Febr. 1843, 20. Dez.1843, 3. Sept. 1845 (Nachruf); Bazar für München und Bayern 11. Apr. 1833; Unterhaltungen für das Theater-Publikum (München) 17. Aug. 1833; NZfM 9. Jan. 1835, 13. Jan. 1835, 17. Juli 1835, 29. Jan. 1836, 12. Apr. 1836, 22. Apr. 1836, 7. März 1837, 29. Dez. 1837, 20. Febr. 1838, 20. März 1838, 1. Febr. 1839, 12. Febr. 1839, 19. Febr. 1839, 19. März 1839, 15. Okt. 1839, 6. Dez. 1839, 6. März 1840, 18. Febr. 1842, 25. Nov. 1842, 15. Juni 1843, 28. Dez. 1843, 2. Dez. 1844, 5. Apr. 1845, 8. Febr. 1846, 15. Febr. 1846; Allgemeiner musikalischer Anzeiger (Wien) 19. Mai 1836, 16. Jan. 1840; Didaskalia 5. Juli 1837, 26. Okt. 1837, 24. Nov. 1837, 4. Dez. 1837, 14. Juli 1839, 16. Okt. 1839, 18. Nov. 1839, 18. Dez. 1839, 14. Dez. 1839, 8. Jan. 1840, 28. Jan. 1840, 10. Febr. 1840, 20. März 1840, 23. Okt. 1840, 12. Febr. 1841, 23. März 1841, 20. Apr. 1841, 1. Mai 1841, 11. Juli 1841, 4. Nov. 1841, 10. März 1842, 26. Mai 1842, 6. Aug. 1842, 20. Sept. 1845 (Nachruf); Museum für Kunst, Literatur, Musik, Theater und Mode (München) 4. Aug. 1838; Algemeen Handelsblad (Amsterdam) 6. Nov.1841, 16. Nov.1841, 20. Nov. 1841, 20. Jan. 1842; Zeitung für die elegante Welt (Leipzig) 10. Jan. 1840, 8. Nov. 1843, 29. Nov. 1843, 6. Dez. 1843; Humorist (Wien) 16. Jan. 1844, 15. Aug. 1845; Berlingske politiske og Avertissementstidende (Kopenhagen) 22. März und 9. Aug. 1843; Wiener allgemeine Musik-Zeitung 16. Febr. 1843, 7. Sept. 1843, 9. Dez. 1843, 11. Jan. 1844, 7. Nov. 1844, 14. Dez. 1844, 23. Jan. 1845, 30. Aug. 1845; Berliner musikalische Zeitung 24. Febr. 1844, 25. Jan. 1845, 10. Mai 1845; Iris (Frankfurt) 15. Jan. 1836 <> Karl Gutzkow, Rückblicke auf mein Leben, Berlin 1875, S. 86, 91f. und 158 <> MMB, HmL

Literatur — Joseph von Wasielewski, Robert Schumann. Eine Biographie, Dresden 1858, S. 122 <> Georg Fischer, Musik in Hannover, Hannover und Leipzig 21903, S. 138


Karl Traugott Goldbach

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  • Zuletzt geändert: 2020/05/28 19:17
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