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LIPP (LIPPIUS, LIPPE), BALTHASAR * Hitzleried bei Füssen (Allgäu) | † Mainz 30. Dez. 1622 [nicht 9. Jan. 1623]; Buchdrucker

Lipp unterhielt an verschiedenen Orten im Mainzer Kurfürstentum – in Mainz (1598–1622), Oberursel, Höchst, Aschaffenburg sowie in der Freien Reichsstadt Frankfurt/M. (1595–1598) – mehrere Offizinen. Er ist erstmals im Jahr 1587 als Bewohner des Hauses „Lichtenheit“, das zum Bartholomäusstift (Frankfurt/M.) gehörte, nachgewiesen. Nachdem Johann Feyerabend vor Mai 1595 einen Teil seiner Offizin an Lipp verkauft hatte, richtete dieser sich im Bartholomäusstift ein und druckte im dortigen Pfaffenhauß zunächst für das Haus Feyerabend. Der andere Teil der Feyerabend’schen Offizin ging im Mai 1598 an Wolfgang Richter, wodurch Richter und Lipp Kompagnons wurden. Lipp zog zur gleichen Zeit nach Mainz und betrieb am Flachsmarkt im Haus „Zur Wetterschwellen“ eine weitere Werkstatt. Er wurde 1601 zum Mainzer Bürger und 1618 zum Mainzer Stadtrat ernannt. Seine später eingerichteten Druckereien in Ursel (1606–1608), Höchst (1610–1613) und Aschaffenburg (1620–1623) betrieb Lipp als Zweigwerkstätten mithilfe von Faktoristen. Er arbeitete für Frankfurter und Kölner Verleger, unter anderem für den Musikverleger Nikolaus Stein. Lipp war nachweislich als „katholischer Drucker“ bekannt und stand mit seiner Drucktätigkeit im Dienst der gegenreformatorischen Bemühungen der Mainzer Erzbischöfe Johann Adam von Bicken und Johann Schweickard von Kronberg. Neben wenigen Amtsschriften beinhaltet sein Programm überwiegend theologische Schriften, insbesondere jene der in Mainz wirkenden Jesuiten und Dominikaner sowie Schulausgaben für das 1561 eingerichtete Mainzer Jesuitenkolleg. Zusammen mit Johann Albin druckte er von 1606 bis 1613 den katholischen Meßkatalog Index Novus Librorum Inprimis Catholicorum Theologorum. Aus seiner Werkstatt gingen außerdem ein Gebet- und Gesangbuch, das Catholisch Manual oder Handbuch mit angehängtem Catholisch Cantual oder Psalmbüchlein (Mainz 1605) sowie zwei Drucke mit mehrstimmiger Musik hervor. Zu diesen gehören das Rosetum Marianum (Mainz 1609) des Mainzer Kapellmeisters Jan Le Febure sowie der Flosculus vernalis (Aschaffenburg 1621) von dessen Amtsnachfolger Gabriel →Plautz. Beide Drucke weisen große Ähnlichkeit mit dem Notentypensatz K (Berz) auf, von dem zur gleichen Zeit Wolfang Richter und Egenolff →Emmel in Frankfurt sowie Cornelius Sutor und Bartholomäus Busch in Oberursel Gebrauch machten.

Werke — Das VD16 verzeichnet 23 Drucke. Das VD17 weist rund 300 Drucke für ihn nach. Etwaige Druckwerke aus Lipps Offizinen, die unter den Namen seiner Faktoristen (seinem Neffen Adam Dumreuter in Höchst und Hermann Meres in Aschaffenburg) erschienen, sind dabei nicht berücksichtigt.
Catholisch Manual oder Handbuch darinnen begriffen: Die Evangelia mit den Episteln deß gantzen Jahrs mit vielen Evangeliis vermehrt. Cantuale oder Psalmenbüchlein Teutscher und Lateinischer meistentheils alter Gesäng sampt dem Catechismo Musico […], Mainz: Lipp 1605; s. RISM DKL 1605-8; VD17 547:675473E – darin enthalten: Catholisch Cantual oder Psalmbüchlein: Darinnen viel Latinische unnd Deutsche aber meistentheils alte Catholische Gesänge begriffen welche man auff die fürnembsten Fest deß gantzen Jahrs […] zusingen pflegt. Jetzt von Newem ubersehen verbessert und in eine feine Ordnung gebracht und gestelt […], Mainz: Lipp 1605; s. RISM DKL 1605-8; VD17 547:675475V <> Rosetum Marianum, oder unser lieben Frawen Rosengaertlein, Mainz: Lipp 1609; s. RISM ID 450043661 <> Flosculus vernalis sacras cantiones missas aliasque laudes B. Mariae continens, Aschaffenburg: Lipp 1621; s. RISM A/I P 2602

Quelle — Kirchenindexkarte Mainz St. Emmeran (Sterbedatum)

Literatur — Jakob Franck, Art. Lipp, Balthasar, in: ADB (online) <> Josef Benzing, Balthasar Lipp und die Anfänge des Buchdrucks zu Höchst am Main, in: Gutenberg-Jahrbuch 27 (1952), S. 133–135 <> Josef Benzing und Helmut Presser, Fünfhundert Jahre Mainzer Buchdruck. Festgabe zum 70. Geburtstag von Aloys Ruppel, Mainz 1952 <> Josef Benzing, Die Anfänge des Buchdrucks zu Aschaffenburg, in: Gutenberg-Jahrbuch 28 (1953), S. 111–115 <> Peter-Hugo Baader, Das Druck- und Verlagshaus Albin-Strohecker zu Mainz (1598–1631), in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 1 (1958), S. 513–569 <> Wolfgang Brückner, Der kaiserliche Bücherkommissar Valentin Leucht. Leben und literarisches Werk, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 3 (1961), S. 97–180 <> Berz 1970 <> Herbert Heine, Die Melodien der Mainzer Gesangbücher in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Diss. Mainz 1975 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 23) <> Josef Benzing, Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet, 2. verb. und erg. Aufl., Wiesbaden 1982 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen 12) <> Günter Richter, Art. Lipp, Balthasar, in: NDB (online) <> Günter Richter, Konzessionspraxis und Zahl der Druckereien in Frankfurt a. M. um 1600: Zugleich ein Beitrag zur Gründungsgeschichte der Offizinen Balthasar Lipp und Wolfgang Richter, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 27 (1986), S. 131–156 <> Christoph Reske, Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet: auf der Grundlage des gleichnamigen Werkes von Josef Benzing, Wiesbaden 2007 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen 51) <> Elisabeth Geck, Art. Lipp, Balthasar, in: Lexikon des gesamten Buchwesens 4 (22014), S. 560 <> Chantal Köppl, Musik und Reform unter Johann Schweickard von Kronberg, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1604–1626), in: KmJb 101 (2017), S. 33–50

Abbildung: Titelblatt des Cantus-Stimmbuchs von Gabriel Plautz, Flosculus vernalis, sacra cantiones, missas, aliasque laudes B. Mariae continens […], Aschaffenburg: Lipp 1621 (Digitalisat aus F-Pn)


Chantal Köppl

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  • Zuletzt geändert: 2021/02/26 14:49
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