knettel

KNETTEL (Familie)

(1) Josef * Düsseldorf 22. Aug. 1875 | † Bingen 5. Dez. 1972; Komponist, Dirigent, Klavierlehrer, Maler

(2) Heinrich (gen. Heinz) * Düsseldorf 16. Apr. 1891 | † Würzburg 23. Juli 1969; Bruder von (1), Pianist, Pädagoge, Komponist


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Nachdem Josef Knettel in Düsseldorf seine erste musikalische Ausbildung durch seinen Vater Joseph Knettel (ca. 1849–1904, Lehrer und Chorleiter) sowie beim städtischen Musikdirektor Julius Buths und Musikschriftsteller August Reissmann erhalten hatte, studierte er von 1898 bis 1900 am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt/M. unter Bernhard →Scholz und Iwan →Knorr und freundete sich dort mit Hermann →Zilcher und Reinhard →Oppel an. In dieser Zeit leitete er Männerchöre in Griesheim, Langen und Fechenheim. Im Anschluss an sein Studium blieb Knettel zunächst als Korrepetitor am Konservatorium und dirigierte den Mainzer Liederkranz. 1902 siedelte er nach Bingen über, wo er die musikalische Führung des Cäcilienvereins und des Binger Männergesangvereins sowie 1908 des evangelischen Kirchenchors und des Orchestervereins übernahm und in der Synagoge Orgel spielte (bis zu deren Zerstörung 1938). Zusätzlich leitete er in Bad Kreuznach seit 1907 die dortige Konzertgesellschaft und Liedertafel (als Nachfolger Gisbert Enzians bzw. Hermann Gausches), erteilte Klavierunterricht, und gehörte seit 1918 der Freimaurerloge Zum Tempel der Freundschaft an. Aus der 1904 mit der musikalisch ausgebildeten Franziska Huy, Tochter des Mainzer Liederkranzvorsitzenden, geschlossenen Ehe gingen zwei Kinder hervor. Während des ersten Weltkriegs musste Knettel, als kriegsuntauglich gemustert, Bewachungsdienste leisten. 1923/24 füllte er eine offene Gesanglehrerstelle am Bad Kreuznacher Lyceum Lina Hilgers (1874–1942), deren Märchen Goldner er um 1940 vertonte (UA 1956). Während des zweiten Weltkriegs fanden weiterhin die wöchentlichen Chorproben in Bingen und Bad Kreuznach statt. Infolge der Bombardierung Bingens im November 1944 floh die Familie zu Knettels Schwester nach Bad Meinberg bei Detmold. 1945 kehrte Knettel zurück und setzte seine Chorleitertätigkeit fort, für die er in den 1950er Jahren mehrfach ausgezeichnet wurde – u. a. mit der Peter-Cornelius-Plakette, dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse und dem Ehrenbürgerbrief der Stadt Bingen. 1956 trat er von seinen Ämtern in Bad Kreuznach zurück (Nachfolger wurde Rudolf Desch), 1959 von jenen in Bingen, wo ihm sein Schüler Rony Franz nachfolgte. Seit 1958 beschäftigte sich Knettel primär mit der Malerei, wobei seine „gemalten Kompositionen“ in den 1960er Jahren mehrfach ausgestellt wurden.

Werke — v. a. Lieder und Chöre (darunter zwei bei Ebling in Mainz erschienene) sowie einige Klavier- und Orchesterwerke (s. die Verzeichnisse von Maass-Knettel und Ilska)

Quellen und Referenzwerke — Nachlass in D-MZmi (s. Ilska) <> Josef Knettel Memorial Collection in US-DN (eingerichtet durch seinen Enkel Dieter Maass; enthält Korrespondenz mit Reinhard Oppel, Notenmanuskripte und gedruckte Chorwerke Knettels) <> Materialsammlung (v. a. Zeitungsausschnitte) in der Reinhard Oppel Memorial Collection (digital; US-DN) <> Ordner (Ms., Konzertprogramme etc.) in der Sammlung Hans Weisse, Joseph Knettel, Paul Kletzki Collections, 1912–1956 in US-DN <> ein Brief (1958) an Jakob Kneip sowie ein Ms. im Stadtarchiv Neuwied <> Biographische Skizzen und 2 Fotos in der Sammlung Gappenach in D-KBa <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums Frankfurt/M. 1897–1904 <> Frank/Altmann 1936

LiteraturFestbuch zur Feier des 25jährigen Bestehens des Männer-Gesang-Vereins Kreuznacher Liedertafel 1887–1912, Bad Kreuznach 1912 <> Festbuch zur Feier des 100jährigen Bestehens der Konzertgesellschaft (Gesangverein für gemischten Chor) Bad Kreuznach 1830–1930, Bad Kreuznach 1930 <> Clemens Hahns, Josef Knettel: Eine Künstlerpersönlichkeit, in: Landkreis Bingen: Heimat-Jahrbuch 1967, S. 65–67 <> Annemarie Maass-Knettel, Josef Knettel: Aus dem Leben des Künstlers. Biographie, Bad Kreuznach [1977] <> Maria Ilska, Bestandsübersicht über den Nachlass Josef Knettel, in MittAGm 78 (2004), S. 43–54 <> Koch 2009

Abbildung: Josef Knettel (Festbuch 1912 (s. Lit.), Digitalisat von dilibri Rheinland-Pfalz, Vorlage in der Heimatwissenschaftl. Zentralbibliothek Bad Kreuznach)


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Heinrich Knettel wuchs nach dem Tod der Eltern im Haus seines sechzehn Jahre älteren Bruders Josef (1) auf, durch den er seine erste musikalische Ausbildung erhielt. Er studierte ebenfalls am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt/M. unter Knorr. Zu seinen Mitschülern gehörte Paul →Hindemith, dessen opus 1 er erstaufführte. Bis 1925 ist Knettel als Konzertpianist in Frankfurt nachweisbar, anschließend lehrte er bis 1930 an der Aschaffenburger Musikschule, ehe er 1930 zum Staatskonservatorium nach Würzburg wechselte. Trotz seiner Mitgliedschaft in SA und NSDAP konnte er 1948 auf seine dortige Stelle als Klavierlehrer zurückkehren, die er bis 1956 inne hatte.

WerkeJahreszeiten. Zwiegesang in 4 Bildern (2 Sst., Kl. 4ms; aufgef. in Bingen 1918); verschollen (s. Maass-Knettel)

Quellen und Referenzwerke — Adressbücher Frankfurt, Würzburg <> Akten der Aschaffenburger Musikschule in D-ASsta <> s. a. Interviews mit ehemaligen Schülern des Würzburger Staatskonservatoriums (Link)

Literatur — Annemarie Maass-Knettel (s. o.) <> Cahn 1979 <> Helmut Karl Heinz, So spiele und lehre ich Chopin, Stuttgart 1994 (seinem Lehrer Heinz Knettel gew.; Nennung der Lebensdaten) <> 200 Jahre Musikschule Aschaffenburg. Festschrift, Aschaffenburg 2010 <> Christoph Henzel, „Vorerst nicht über 50% Mitläufer!“ – Entnazifizierung am Staatskonservatorium der Musik in Würzburg, in: AfMw 69 (2012), S. 165–176


Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2020/10/08 18:42
  • von kk