jatho


JATHO, DOMINICUS („DOMINIK“) * Kassel 24. März 1825 | † Darmstadt 9. Dez. 1882; Klavierspieler, Hofmusiker

Dass Dominik Jatho, Sohn des Kasseler Stadtgerichtsdieners Johannes J., wirklich, wie der Nekrolog mitteilt, „unter dem berühmten Spohr“ studieren durfte, wird man bezweifeln müssen; immerhin aber war die musikaffine Verwandtschaft, darunter Pfarrer Ludwig Jatho (1817–1875), der später die Grabrede bei der Beisetzung des Meisters hielt, Familie Spohr wohl persönlich verbunden, was die eine oder andere, sicherlich auch prägende Begegnung Dominiks, möglicherweise Ludwigs Cousin, herbeigeführt haben mag. Auch Moritz Hauptmann – er wird an gleicher Stelle genannt – ist als sein Lehrer wohl auszuschließen. Jedenfalls trat Jatho gelegentlich als Klavierbegleiter in Kassel auf, bevor er sich spätestens 1852 als Klavierlehrer in Darmstadt niederließ. Im September 1853 trat er als Aspirant in die Hofkapelle ein, wurde 1855 Hofmusiker und Chorrepetitor, 1860 Hofchordirektor sowie Solorepetitor und erhielt am 1. Sept. 1878, dem Tag seines 25jährigen Dienstjubiläums, den Titel eines großherzoglichen Hofmusik-Direktors. In der Funktion des Leiters der Schauspielmusik trat Fritz Keiser 1882 die Nachfolge Jathos an, nachdem dieser durch einen Sturz auf der „nur wenige Stufen zählenden Flurtreppe“ im Theater zu Tode gekommen war. Neben dieser Mitteilung hebt der Nekrolog die „ausgezeichnete Weise, Gesangspartien einzustudiren“, hervor und berichtet von „viele[n] tüchtige[n] und brauchbare[n] Stimmen“, die von Jatho „herangebildet worden“ waren. 1878 erhielt er die Medaille für Kunst und Wissenschaft des Herzogtums Sachen-Coburg-Gotha. In erster Ehe (1861) verheiratet war Jatho mit Pauline Friederike Emile Rosalie Scheibe (* Erfurt 1836), der Tochter eines königlich preußischen Musikmeisters; nach ihrem Tod vermählte er sich 1875 mit der Darmstädter Polizeisoldatentochter Amalie Louise Arheilger (* 1836), die im Chor des Hoftheaters als Sängerin mitwirkte. Lina Jatho, Tochter des zeitweise in Boppard wirkenden Geistlichen Carl J. (1851–1919) und Nichte des Frankfurter Pfarrers Georg J. (1848–1914) sowie Enkelin des oben erwähnten Ludwig J., war in den Jahren 1890–1891 Klavierschülerin von Ernst Engesser am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt.

WerkeMelancholischer Gesang des Volkes; ehem. D-DS

Quellen — KB Darmstadt (ev.) und Kassel (Luthergemeinde) <> Fallakte und Nachlassinventar; D-DSsa (Best. G 55 Nr. 139/2 bzw. G 28 Nr. F 1821/2) <> Adressbücher Darmstadt und Kassel <> Nekrolog in: Darmstädter Tagblatt 12. Sept. 1882 (gekürzte Fassung in der Darmstädter Zeitung 13. Dez. 1882) <> AmZ 1. Nov. 1848; NZfM 21. Jan. 1853; Niederrheinische Musik-Zeitung 7. Mai 1859 (Schülerverzeichnis Spohrs); Signale für die musikalische Welt 19. Apr. 1866; Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 9. März 1861 (Beil. 10), 8. Juli 1878 (Beil. 18), 23. Sept. 1878 (Beil. 24) <> Carl Oskar Jatho, Kindheit am Rhein, Köln/Berlin 1969

LiteraturKnispel 1891; Kramer 2008


Axel Beer

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