eschwege

ESCHWEGE, EUGEN HALEVI * Langenschwalbach (heute: Bad Schwalbach) 9. Sept. 1877 │ KZ Sobibor/Polen verschollen seit 10. Juni 1942; Pianist, Komponist, Musikdirektor

Zur Kindheit und schulischen Ausbildung Eugen Eschweges, Sohn der Kaufleute Isidor und Sabine (geb. Königsberger), ist nichts bekannt. Laut Jansa (vgl. Quellen) beschäftigte er sich erst ab seinem 20. Lebensjahr mit Musik, was allerdings mit dem Beginn seines Musik-Studiums 1897 in Sondershausen und Dresden zusammenfallen würde. Daher ist davon auszugehen, dass er zumindest Klavierunterricht bereits früher erhalten hat. Er gab mehrere Konzerte als Pianist, beispielsweise in Dresden, Wiesbaden und Frankfurt/Main. Nach seinem Studium ließ Eschwege sich in Mainz nieder und lehrte am Mainzer Konservatorium Klavier und Musiktheorie, wo er ab 1908 die Direktion der Opernschule und Klavier-Theorieklasse übernahm. Danach leitete er von 1911 bis 1928 die private Mainzer Musikakademie und Orchesterschule. Nach seiner Tätigkeit an der Musikakademie war Eschwege zunächst laut den Mainzer Adressbüchern noch als „Musiklehrer“ und „Pianist“ tätig. Bedingt durch die Machtübernahme der NSDAP und schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen konnte er spätestens ab 1934 nicht mehr als Musiklehrer tätig sein, sodass er in finanzielle Schwierigkeiten geriet und gemäß dem Finanzamt Bad Schwalbach als „Sozialrentner“ geführt wurde. Die 1913 geschlossene Ehe mit Thekla Levi, aus der zwei Kinder hervorgegangen sind, scheiterte zu Beginn der 1930er-Jahre und wurde im Juli 1937 geschieden. Thekla und die beiden Kinder emigrierten nach Palästina. Von Mitte 1934 bis zur Deportation im Juni 1942 lebte Eschwege als Untermieter in Wiesbaden.

Detaillierte biografische Ausführungen und Hinweise zu Eschweges Nachfahren finden sich bei Dahl (vgl. Literatur).

WerkeLieder (Sst, Kl), Mainz: Kittlitz-Schott & Bieger (1907); D-B, D-WIl, beinhaltet op. 1 Nr. 2–5, op. 4 Nr. 1–3, op. 8 Nr. 1–3, op. 11 Nr. 1–3 <> Operette Fräulein Witwe (UA 1916 in Bad Salzungen) <> die bei Jansa aufgeführten Werke (Chöre, Orchesterstücke, Klavierstücke, Märchenoper Die Bergfee) sind nicht auffindbar <> Aufsatz Wiederum eine neue Notenschrift, in: Signale für die musikalische Welt Nr. 47, 22. Nov. 1916, S. 805–820

Quellen und Referenzwerke — Geburtsurkunde <> Adressbücher Mainz <> Unterlagen der Finanzämter Bad Schwalbach, Mainz <> MMB <> Jansa 1911 <> Eva Weissweiler, Ausgemerzt! Das Lexikon der jüdischen Musik und seine mörderischen Folgen, Köln 1999

Literatur — Ingrid Dahl, Informationen zu Eugen Eschwege, Musik 1877–1942, Heimat- und Geschichtsverein Igstadt e. V. (Link, Recherche-Ergebnisse und Informationen zur Stolpersteinverlegung im März 2016) <> LexM online <> Joachim Carlos Martini, Musik als Form geistigen Widerstandes. Jüdische Musikerinnen und Musiker 1933–1945. Das Beispiel Frankfurt am Main, Bd. 1: Texte, Bilder, Dokumente, Bd. 2: Quellen, Frankfurt/Main 2010 <> Karin Ploog, …Als die Noten laufen lernten…: Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945. Komponisten A bis R aus Kabarett-Operette-Revue-Film, Bd. 1.1, Norderstedt 2015, S. 209–216

Abbildung: Eugen Eschwege (Jansa 1911)


Katrin Gessinger

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  • Zuletzt geändert: 2019/02/11 20:05
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