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DORN (Familie)

(1) Heinrich (Ludwig Egmont) * Königsberg 14. Nov. 1804 | † Berlin 10. Jan. 1892; Komponist, Dirigent, Musikschriftsteller, Musiklehrer

(2) Otto * Köln 7. Sept. 1848 | † Berlin 8. Nov. 1931; Sohn von (1), Komponist und Kritiker


(1) Der Sohn der Klavierpädagogin Fanny Schindelmeisser und Halbbruder von Louis Schindelmeisser Heinrich Dorn studierte Komposition bei Carl Friedrich Zelter und Bernhard Klein sowie Klavier bei Ludwig Berger in Berlin. Laut dem Allgemeinen musikalischen Anzeiger hielt er sich bereits ab 1826 in Frankfurt/M. auf und war dort kurzzeitig „erster Lehrer“ am Privat-Musikinstitut von Franz Stöpel; die Verbindung zu Stöpel ist wahrscheinlich auf Dorns Mutter zurückzuführen. Nach Anstellungen als Musikdirektor am Königsberger Opernhaus (1828–1829) und am Hoftheater in Leipzig (1829–1832), wo er auch als Kompositionslehrer von Robert Schumann und Clara Wieck wirkte, vertrat Dorn 1832 Carl Krebs als Kapellmeister am Hamburger Stadttheater. Anschließend hatte er die Stelle als Musikdirektor des Stadttheaters in Riga inne und wurde dort 1833 städtischer Direktor der Kirchenmusik. 1842 bewarb sich Dorn als Nachfolger Conradin →Kreutzers auf die freigewordene Stelle des städtischen Kapellmeisters in Köln, die er im selben Jahr antrat. Während der Schifffahrt zu seinem neuen Anstellungsort Köln hatte Dorn eine Begegnung mit den Mitgliedern der Mainzer Liedertafel, darunter mit dem Dirigenten Heinrich Esser und vermutlich mit dem Verleger Johann Joseph →Schott. Aus dieser Begegnung entstand in Verbindung mit den Kölner, Mainzer und Koblenzer Musik- und Gesangvereinen 1845 das „erste niederrheinische Liedertafelfest“ in Koblenz.

In Köln wohnte Dorn im Geburtshaus des Komponisten Bernhard Klein in der Pützgasse. Während seiner Amtszeit gründete er die aus seiner Idee eines privaten „Institut[s] für Pianofortespiel“ hervorgegangene Rheinische Musikschule und leitete diese von 1845 bis 1849. Neben der Direktion der Konzertgesellschaft, des Städtischen Gesangvereins sowie der Liedertafel stand Dorn dem seit 1842 von ihm gegründeten Männer-Gesangverein musikalisch vor. Auch war er mit der Leitung des 26. und 29. Niederrheinischen Musikfests (1844, 1847) betraut; dort fand 1844 die deutsche Erstaufführung von Beethovens Missa Solemnis statt. Am 6. Mai 1844 leitete Dorn das „Dombaufest auf dem Gürzenich“, bei dem der Städtische Gesangverein, die Singakademie, der Kölner Männergesangverein, die Liedertafel und das Kölner Orchester mitwirkten. Zur Feier der 600jährigen Grundsteinlegung des Kölner Doms komponierte Dorn 1848 eine Fest-Ouvertüre (op. 60), die später bei Schott erschienen ist. Dorn soll auch in Karnevalskreisen verkehrt haben und sich dort einerseits durch seine humoristischen oder satirischen Kompositionen bekannt gemacht haben, andererseits auch als Büttenredner aufgetreten sein. Für seine Verdienste in Köln wurde ihm 1847 der Titel des Königlichen Musikdirektors verliehen. Der schwindende Erfolg des Musikinstituts sowie die vehemente Gegenwehr, die Dorn bspw. durch Franz Weber (1805–1876) erfuhr, führten schließlich zur Aufgabe seiner Stelle. 1849 wurde Dorn als Kapellmeister in Berlin engagiert, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Werke (s. MGG2P) — Auswahl (Kompositionen): 4 Canzonetten mit italienischem und deutschen. Text op. 2, Frankfurt: Pichler [1826] <> Grand Divertissement op. 3/1, ebd. [1826] <> Faschings-Allianz-Marsch (1848er) (Kl.) op. 11, Köln: Schloss [1848] <> 6 Gesänge (4 Mst.) op. 13, Kistner: Leipzig [1834] – daraus Haidenröslein zuvor bereits in der 4. Musikbeilage zu Stöpels Allgemeiner musikalischer Anzeiger 14. Okt. 1826 erschienen <> 2 Lieder (Sst, Kl.) op. 35, Köln: Schloss <> Der Hansebund, Rundgesang (Sst., Kl.) op. 38, Köln: Eck [1844] <> Warnung vor dem Rhein (Sst., Kl.), op. 41, ebd. [1844]; B-Br <> Der Frühling am Rhein (Sst., Kl.), op. 42, ebd. [1844] <> La jeunesse, Nocturne romantique (Kl.), op. 43, Köln: Schloss [1845]; D-Bhm (digital) <> 3 deutsche Gesänge (Sst., Kl.), op. 44, Köln: Eck [1845]; D-LÜmh <> Evangelische Kirchenmusik in vierstimmigen Chorgesängen (1. „Christus ist um unsere Missethat“, 2. „Siehe, das ist Gottes Lamm“, 3. „Die Strafe liegt auf ihm“; Part.) op. 45, Bonn: Simrock [1845]; D-B <> 4 Liedertafelgesänge (4 Mst.) op. 48, Offenbach: André [1847] <> Allegro appassionato a-Moll (Kl.) op. 49, Bonn: Simrock [1846]; D-B <> Der alte Zecher Lied (Sst., Kl.), op. 50, Köln: Schloss [1846]; A-Wn, D-B, D-WIl <> Musikalische Stammbuch-Blätter. 4 Lieder (Sst., Kl.) op. 51, 1. Heft, ebd. [1847]; D-B, D-F (Nr. 4), D-Mbs (Nr. 1, Nr. 4 digital) <> Musikalische Stammbuch-Blätter 4 Lieder (Sst., Kl.) op. 52, 2. Heft, ebd. [1848]; D-B <> 4 komische Lieder (Sst., Kl.) op. 53, ebd. [1847]; D-WIl <> 5 Liedertafel-Gesänge (4 Mst., Solo, Chor) op. 55, Mainz: Schott [1848]; D-B <> Fest-Ouverture zur 5ten Saecularfeier des Cölner Dombaues 1848 (Orch., Solo- und Chorst.) op. 60, ebd. [1849]; D-Bhm, D-F <> Stammbuch-Blätter für Gesang (Sst., Kl.) op. 63, 3. Heft, ebd. [1850]; D-B <> 2 Gesänge (4 Mst.) op. 64, ebd. [1849]; D-B, E-Mn (digital) <> Te Deum laudamus, eine Concert-Composition (Solo, Chor, Orch.) op. 65, ebd. [1851]; A-Wn, D-B <> Stammbuch-Blätter (Sst., Kl.) op. 67, 4. Heft, ebd. [1854]; D-B – Nr. 4 zuvor separat erschienen als Der Ungar, ebd. [1849] <> 4 Lieder in pfälzischer Mundart (Sst., Kl.) op. 103, ebd. [1868]; D-B, D-WIl <> ohne Opuszahl: Der Schöffe von Paris, komische Oper in 2 Akten (KlA.) (UA Riga 1838), Köln: Schloss [1846] <> Deutsche National-Hymne von C.  O.  Sternau (Sst., Kl.), ebd. [1848] <> Gott verlässt die Deutschen nicht (Sst., Kl. bzw. 4 Sst.), ebd. [1848] <> Missa pro defunctis. Konzertstück (1. Die letzte Stunde: Requiem, 2. In der Kirche: Kyrie, Dies irae, 3. Bei der Einsenkung: Domine, 4. Auf dem Friedhofe am Tage aller Seeligen: Sanctus, Benedictus, Agnus Dei; KlA. und Sst.), Mainz: Schott [um 1851] (laut Ledebur)

Quellen und ReferenzwerkeAllgemeiner musikalischer Anzeiger 28. Okt. 1826 <> AmZ 24. März 1844 <> Briefe, u. a. an Schott, s. Kalliope <> Heinrich Dorn, Aus meinem Leben. Musikalische Skizzen, Bd. 1, Berlin 1870 <> ders., Aus meinem Leben. Erinnerungen, Bd. 3, Berlin 1872 <> ders., Ergebnisse aus Erlebnissen, Berlin 1877 <> ders., Die Schindelmeisser’sche Methode, in: Otto Schulz u. a. (Hrsg.): Schulblatt für die Provinz Brandenburg, Berlin 1844, S. 450–457 <> Ledebur <> MMB

Literatur — Robert Eitner, Art. Dorn, Heinrich, in: ADB, Bd. 48, 1904, S. 35ff. <> Reinhold Sietz, Heinrich Dorn in Köln. Beiträge zur Kenntnis seines Wirkens als städtischer Kapellmeister 1843–49, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 29/30 (1954/1955), S. 291–318 <> Willi Kahl, Art. Dorn, Heinrich Ludwig Egmont, in: NDB, Bd. 4, 1959, S. 79 <> Heinrich Lindlar, Art. Dorn, Heinrich Ludwig Egmont, in: Gustav Fellerer (Hrsg.), RhM, S. 20–22 <> Klaus Körner, Das Musikleben in Köln um die Mitte des 19. Jahrhunderts, Köln 1969 (BzrhM 83) <> Heinrich Lindlar, Zur Geschichte des Musikschulwesens in Köln seit 1815, in: ders. (Hrsg.), 130 Jahre Rheinische Musikschule Köln, Köln 1975, S. 9–27 <> Reinhold Sietz, Heinrich Dorn in Köln. Beiträge zur Kenntnis seines Wirkens als städtischer Kapellmeister 1843–49, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 29/30 (1954/1955), S. 291–318 <> Matthias Wendt, Art. Dorn, Heinrich (Ludwig Egmont), in: MGG2P

Abbildung: Heinrich Dorn, Lithographie mit hs. Widmung an Ida und Wilhelm Gerstel (Digitalisat aus A-Wn)


(2) Otto Dorn, nacheinander Schüler und Lehrer am Sternschen Konservatorium Berlin und ehemaliger Stipendiat der Meyerbeer-Stiftung, lebte seit 1884 in Wiesbaden. Einflussreicher als seine Kompositionen war in der Region seine Arbeit als Musikkritiker für das Wiesbadener Tagblatt. Dorn wurde 1899 zum Königlichen Musikdirektor ernannt und 1905 mit dem Professorentitel ausgezeichnet. Kompositorisch beschäftigte er sich im Einklang mit zeitgenössischen Gepflogenheiten überwiegend mit Liedern und Klaviermusik (Vieles davon erschien bei André in Offenbach sowie Steyl & Thomas in Frankfurt), aber auch mit Programmouvertüren (Hermannsschlacht nach Kleist, Sappho nach Grillparzer), Sinfonik (Programmsinfonie Prometheus) und Musikdramatik (Opern Afraja, Närodal, Die schöne Müllerin, UA Gotha 1891, Kassel 1901, ebd. 1906). Untersuchungen zu seiner Kritikertätigkeit und seinem ambitioniert geplanten kompositorischen Wirken stehen ebenso aus wie ein Gesamtüberblick über den Umfang seines Schaffens.

Literatur — Matthias Wendt, Art. Dorn in: MGG2P


Jasmin Seib (1) | Christoph Hust (2)

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  • Zuletzt geändert: 2021/03/01 09:59
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