anschuez

ANSCHUEZ (ANSCHÜTZ), Familie

(1) Franz Caspar (Carl) * in Sachsen 1711 | † Koblenz 6. Mai 1795; Trompeter, Organist und Komponist

(2) Eva Margaretha * Koblenz 1739 | Sterbeort und -datum unbekannt; Tochter von (1), Sängerin

(3) Joseph Andreas (Maria) * Koblenz 14./19.(?) März 1772 | † ebd. 26. Dez. 1855; Enkel von (1), Jurist, Komponist und Dirigent

(4) Carl (Friedrich Nikolaus) * Koblenz 10. Jan. 1818 | † New York 30. Dez. 1870; Sohn von (3), Dirigent und Komponist


(1)


Franz Caspar Anschuez absolvierte seine Ausbildung auf der Trompeterschule in Dresden und erhielt anschließend das Patent eines Lehrprinzen der Trompeter. 1741 kam er als Hoftrompeter nach Koblenz-Ehrenbreitstein und wurde 1758 zusätzlich Hoforganist. Diese Stellung hatte er bis 1791 inne, wobei ihm seit 1778 Joseph →Hemmerlein sowie in den letzten drei Jahren Daniel →Hünten zur Seite gestellt wurde.

WerkeSalve Regina (S, Str.), D-TRs (Ms.); s. RISMonline <> ein Schuldrama des Koblenzer Jesuitenkollegs mit Musik von Anschuez (1745) ist verschollen


(2)


Eva Margaretha Anschuez (später verh. Foelix) war bereits mit 9 Jahren Mitglied der Hofkapelle und wurde 1756 auf Kosten des Hofes nach Mannheim zur weiteren Gesangausbildung geschickt.


(3)


Joseph Andreas Anschuez, ein Sohn des Beamten Heinrich Franz Anschuez (1740–1826), erhielt früh Unterricht im Klavierspiel und im Generalbass beim Großvater, so dass er als Fünfjähriger nicht nur Lieder nach dem Gehör spielen konnte, sondern auch selbst einen Text von Christian Fürchtegott Gellert vertont haben soll. Trotz seiner musikalischen Begabung begann Anschuez 1788 ein Jurastudium und wurde 1797 Gerichtsschreiber am französischen Departemental-Kriminalgerichtshof in Koblenz. Seine spätere Tätigkeit als preußischer Staatsprokurator hinderte ihn nicht, sich sowohl als Dirigent als auch als Komponist zu betätigen. Seine Bemühungen, das vormals reiche Musikleben des Hofs in bürgerlicher Verantwortung wieder aufleben zu lassen, führten 1808 zur Gründung des Musik-Instituts zu Koblenz, das zum einen an die höfische Kirchenmusiktradition anknüpfen und zum anderen Nachwuchs für den Chor heranbilden sollte. Die Funktion des Musikdirektors gab Anschuez 1842 an seinen Sohn weiter und übernahm selbst das neu geschaffene Amt des Intendanten, das er bis 1846 innehatte.

Werke — siehe Paul Schuh, Joseph Andreas Anschuez (= BzrhM 25), Köln 1958, sowie RISMonline (unter Johann Andreas Anschütz) und Kat. Simrock 1897

Abbildung: Joseph Andreas Anschuez, Porträt (Original im Mittelrhein-Museum in Koblenz) auf einem Ersttagsbrief aus Anlass des 200jährigen Bestehens des Koblenzer Musik-Instituts (2008); D-BUDbierwisch


(4)


Carl Anschuez war in den 1830er-Jahren Schüler von Friedrich Schneider in Dessau und wurde 1842 Nachfolger seines Vaters als Musikdirektor des Koblenzer Musik-Instituts. Diese Position wurde ihm 1847 aufgrund disziplinarischer Probleme gekündigt. Vermutlich in Folge der damaligen Auswanderungswelle verließ er 1848 Deutschland, um sich zunächst in London und ab 1857 in den Vereinigten Staaten als Lehrer und Dirigent zu betätigen. 1866 gründete er das Anschutz’s Musical Institute in New York, zu dessen Kollegium der ebenfalls aus Koblenz gebürtige Joseph Noll gehörte.

Werke (Auswahl der gedruckten) — Les Adieux. Impromtu (Klar. o. Vl., Vc., Kl.), Bonn: Simrock [1839]; GB-Cu <> Fest-Hymne „Hohenzollern lebe hoch“ (T, 4st. Mch., Militärmusik) op. 2, Köln: Mompour [1841] <> 6 Lieder (4st. Mch.) op. 3, ebd. [1841] <> 3 Gesänge (Sst., Kl.) op. 4, Koblenz: Greis [1841] <> Soldatenlieder (Sst., Kl.) op. 6, Koblenz: Geswein [1842] <> 6 Gesänge (4 Mst.) op. 10, ebd. [1842]


Literatur (zu 1–4) — Wilhelm Josef Becker, Zur Geschichte des Coblenzer Jesuitendramas, in: Trierische Chronik 14 (1917/18), S. 81 <> Karl H. Wörner, Art. Anschütz, Karl Friedrich Nikolaus, in: MGG1 <> Paul Schuh, Joseph Andreas Anschuez (= BzrhM 25), Köln 1958 <> Bereths 1964 <> Uwe Baur, Ausgewählte Kapitel aus der Geschichte des öffentlichen Konzertwesens in Koblenz, in: MittAGm 34 (1977), S. 258–271 <> Hans Schmidt, Musik-Institut Koblenz, Koblenz 1983 <> Baur 2008 <> Uwe Baur, Vom „ungeratenen Sohn“ zum Weltstar. Das abenteuerliche Leben des Koblenzer Dirigenten Carl Anschuez (1818–1870), in: MittAGm 90 (2018), S. 3–51


Uwe Baur † | Axel Beer (Werke)

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  • Zuletzt geändert: 2020/10/08 21:38
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